Bürgerengagement

Und plötzlich fährt kein Zug mehr


So manch einem ist die brisante Lage wohl noch gar nicht klar: Laut gegenwärtig vorliegender Nahverkehrsplanung der Brandenburger Landesregierung aus SPD, Grünen und CDU xür die Zeit ab Dezember diesen Jahres wird es die Regionalbahnlinien zwischen Kyritz und Pritzwalk sowie Pritzwalk und Meyenburg ab Dezember nicht mehr geben. Ausgeschrieben hat das CDU-geführte Infrastrukturministerium jetzt nur die Strecke zwischen Kyritz und Neustadt. Pritzwalk würde damit zwei von drei seiner Bahnverbindungen verlieren.

Einige werden jetzt sagen, daß diese Linien nur wenige Fahrgäste haben. Ja, aber sie bedeuten für die Dömnitzstadt viel mehr. Gerade die Verbindung nach Kyritz stellt eine wichtige Verbindung in der Region dar. Mit der Bahn rücken auch Städte und Menschen näher zusammen. Wenn das Thema Verkehrswende nicht nur bedeutungsloses Geschwätz ist, dann sollte die Politik offen und ehrlich mit den Leuten vor Ort und den politisch Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden sprechen. Und erst dann entscheiden!

Die Bahnstrecke in Richtung Meyenburg ist fast noch bedeutsamer. Hier würde ein Zugang in Richtung Norden, auch über Meyenburg hinaus bis nach Mecklenburg gekappt. Alles was sich gerade in letzter Zeit an Initiativen und Kooperationen formiert hatte, um den Tourismus und den Warenverkehr aus der Prignitz in Richtung Plau, Güstrow und bis an die Ostseeküste auszubauen, wäre damit obsolet. Mehr Personen- und Güterverkehr soll laut Verkehrswendeplanern von der Straße auf die Schiene verlagert werden – wie denn, wenn die Zugverbindungen lahmgelegt werden?

Kürzliche Studien zu touristischen Potenzialen hatten ergeben, daß eine große Zahl an Touristen von der Mecklenburgischen Seenplatte hier zu Tagesbesuchen in die Prignitz gelockt werden könnten. Das funktioniert nur bei lukrativen Verkehrsanbindungen. Oder jeder steigt wieder ins eigen Auto – ist das eine Verkehrswende und gut für unsere Umwekt? Nein!

Ein hervorragendes Beispiel eigener Aktivitäten der Unternehmen in der Region war die kürzliche Inbetriebnahme des Waren-Umladeterminals auf dem TUL-Gelände in Falkenhagen. Mehrere Firmen beteiligen sich daran. Gefördert mit einem Millionenbetrag durch das Land wären auch diesem Projekt bei einer Abbestellung der Linie grosse Teile seines Entwicklungspotenzials genommen.

Die Landesregierung wiegelt augenblicklich noch ab: Am Dienstag äußerte sich Katharina Burkardt, Sprecherin von Infrastrukturminister Beermann, zu den Befürchtungen. „Es bleibt eine Herausforderung, in Regionen mit wenig Fahrgästen auf der Schiene den Schienenverkehr wirtschaftlich darzustellen“, so Burkardt zur Berliner Zeitung. „Das Ministerium arbeitet aber intensiv daran, für die Prignitz eine gute und passende Mobilitätsanbindung zu erhalten. Für den Regionalverkehr in der Prignitz brauchen wir angepasste Verkehrslösungen. Verkehrswende ja, aber sie kann nicht mit Standardlösungen erzwungen werden, für die die Voraussetzungen vor Ort nicht gegeben sind.“

Eine bloße Aufrechterhaltung des Status quo beim RB 73/74 zwischen Neustadt (Dosse) und Meyenburg sei nicht möglich, weil die Nachfrage begrenzt sei und die Kosten stark gestiegen seien. „Die jetzt erfolgte Ausschreibung der Linie RB 73 ist darin begründet, dass zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 mit Auslauf des bestehenden Verkehrsvertrages ein neues Fahrplankonzept umgesetzt werden soll“, so die Sprecherin. Es sieht vor, dass die Züge auf dem Abschnitt zwischen Neustadt (Dosse) und Kyritz Am Bürgerpark auch am Wochenende stündlich fahren

„Die nun erfolgte Ausschreibung bedeutet nicht das Aus für die RB 74. Ob und in welcher Form dort Verkehre weiterfahren, ist derzeit noch in Verhandlungen“, stellte Burkardt klar. „Ziel ist es, ein tragfähiges Konzept möglichst gesamthaft mit Mecklenburg-Vorpommern im nördlichen Abschnitt, also Kyritz Am Bürgerpark–Pritzwalk–Plau am See zu entwickeln, um neben dem Tourismus sämtliche Potentiale und Planungsziele berücksichtigen zu können.“

Der Ersatz der Schienenverbindungen durch einen Busverkehr ist zumindest in Richtung Norden sinnlos (siehe oben). Dem Land geht es wohl vor allem um Kosteneinsparungen. Wissen muss man, daß bereits seit acht Jahren die Landkreise Prignitz und OPR bereits in erheblichem auffangen an der Gesamtfinanzierung beteiligt sind. Hier leistet man also seinen Beitrag!

Am heutigen Freitag treffen sich in einem Hotel in Falkenhagen die kommunalen Spitzenvertreter der betroffenen Anrainerkommunen zur Abstimmung ihrer Position. Dabei sind auch Kommunalvertreter aus dem nördlichen Nachbarland. Gut, daß man gemeinsam Position beziehen will! Anders wird man der Stillegungsabsicht des Landes kaum entgegen treten können. Vertreter der von der nicht erfolgten Neuausschreibung betroffenen Bahn-Betreibergesellschaft werden ebenfalls dabei sein.

Kampflos wird die Region diesen wichtigen Teil von Entwicklungsmöglichkeiten nicht aufgeben. Da kann man sich im Potsdamer Ministerium sicher sein!

Hartmut Winkelmann/ Foto: bahnbilder.de, PSZ


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