Europa

Ein neues Europa von unten – junges rumänisches Theater zieht Parallelen zwischen heute und früher


Oft wird die Frage gestellt, wie ein neues Europa zusammenwachsen kann. Das dabei persönliche Kontakte junger Menschen eine entscheidende Rolle spielen scheint klar zu sein. Dabei geht es um ganz normale, wenn auch überdurchschnittlich engagierter junge Leute. Klaus-Peter Krüger, Initiator des Theater-Projektes und Beauftragter in Brandenburg für die Partnerschaft mit der Region Centru/Südsiebenbürgen, sagte zu Beginn: „Wenn eine neue gemeinsame Zukunft entstehen soll, dann muß sie von unten gelebt werden. Dieses Projekt soll dabei einen Beitrag leisten.“

Zwischen der Prignitz und der rumänischen Region Alba gibt es ein Partnerschaftsabkommen. Bisher beschränkte es sich auf die gegenseitigen Besuche von Verwaltungsmitarbeitern beider Seiten. Dank des jetzt erfolgten Austausches von Schülern aus dem deutschsprachigen Lyzeum in Sebes und der Pritzwalker Freiherr-von-Rochow-Oberschule wird es Gott sei Dank praktischer. Schüler aus unserer Oberschule waren Anfang Mai in Rumänien. Jetzt folgte der Gegenbesuch. Und es kam nicht irgendwer: Die Schülerinnen und Schüler der 10. Und 11. Klasse hatten ihre Theater-AG mitgebracht. In einer Deutschlandpremiere zeigten die jungen Rumänen das weitgehend selbstgeschriebene Stück „Legenden“. Und es war beeindruckend! Spielort war der Saal der Kreismusikschule. Vor fast 100 Zuschauern, vor allem jungen Leuten, wurde das gesamte Stück in Deutsch gespielt. Hochachtung vor dieser Leistung!

Zu den Gästen der Aufführung gehörten u.a. Brandenburgs Finanz- und Europaministerin Katrin Lange (SPD), deren Haus an der Finanzierung des Theaterprojektes maßgeblich beteiligt war, sowie Landrat Torsten Uhe, Pritzwalks Bürgermeister Dr. Ronald Thiel sowie der Schulleiter der Freiherr-von-Rochow-Oberschule Ronny Viererbe.

„Legenden“ – „Einem Theaterstück von Schülern für Schüler und Junggebliebene, die mit uns Lernen, Leben und Handeln wollen“, so stehts treffend im dazugehörenden Info-Flyer. Es treten historische Gestalten, also Legenden von damals, mit ihren typischen Verhaltens- und Denkweisen auf. Von den Autoren und jungen Darstellern wird die Frage aufgeworfen, was kann man aus Legenden und von Legenden heute noch lernen? Und gibt es eigentlich heute auch noch Legenden? So begegnet man auf der Bühne historischen Figuren wie Elisabeth Bathory (1560-1614), die Blutgräfin genannt. Sie soll mit 650 Opfern die „effektivste“ Serienmörderin ihrer Zeit gewesen sein. Angeblich badete sie im Blut von Jungfrauen. Ihr Ziel war die ewige Jugend und Schönheit. Auch der bekannte Vlad Dracula war mit dabei und durch seine Taten berühmt berüchtigt. Er hackte reihenweise korrupten Amtsträgern die Hände ab. „Da würden heute viele Politiker verstümmelt rumlaufen!“ meinte jemand scherzhaft am Rande. Den Reigen beschloß Friedrich der Große, König in Preußen. Bekannt wurde der „Alte Fritz“ einerseits durch sein Bekenntnis „erster Diener des Staates“ zu sein, andererseits als rücksichtsloser Schlachtenlenker. Jeder eine Legende der besonderen Art.

Die jungen Leute zogen den Bogen in die Gegenwart. Legenden der Neuzeit sind für sie vor allem Menschen, die sich für den Erhalt unseres Planeten, für den Klimaschutz einsetzen. Da fiel natürlich schnell der Name Greta Thunberg. Für viele Jugendliche hat sie das Zeug dazu eine neue Legende zu werden. So endete das Theaterstück auch mit einem deutlichen Appell an alle: Was tust du für eine bessere Welt? Und jeder der Schauspieler nannte eine ganz konkrete Verhaltensweise aus seinem direkten Lebensumfeld. „Lasst uns zusammen die Welt besser machen!“ riefen sie ins Publikum.

Eine eindrucksvolle Vorstellung, die durch das klare Bekenntnis, durch schauspielerisch und sprachlich großartige Leistungen und den einfallsreichen Einsatz von Musik, Videos und Technik überzeugte!

Klaus-Peter Krüger fasste den Abend am Rande sehr gut zusammen: „Die Jugendlichen müssen ihre eigene Welt begreifen und verändern!“

Die rumänische Theatergruppe wird nach diesem erfolgreichen Start auch in Wittstock und in der rumänischen Botschaft in Berlin auftreten.

Hartmut Winkelmann / Fotos: PSZ


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