Arbeit und Soziales

Fachkräftesuche und die ganz normale Stellenbesetzung

Den Imagefilm für den Regionalförderverein haben Dörte Grimm und Julia Matyschik im Auftrag unseres Videokanals „totallokal.tv“ erstellt.

Fachkräftemangel! Fachkräfte gesucht! So tönt es in fast jedem Ort, in vielen Branchen. Das ist wohl auch richtig, denn viele Unternehmen können ihre Facharbeitsplätze kaum besetzen. Dabei ist es egal, ob wir über Gewerbe, Handwerk, mittelständische Produktionsbetriebe, Landwirtschaft und sogar Verwaltung reden. Das Problem ist aber noch viel triefgreifender, wie sich zeigt.

In der letzten Woche traf sich im Rahmen der LAG Storchenland des Regionalfördervereins Prignitzland e.V. in Giesensdorf eine Expertenrunde zum Zweck der Formulierung neuer Förderschwerpunkte. Das Fachkräfteproblem spielte dabei eine große Rolle. Aus den Wortmeldungen der anwesenden Landwirte, Unternehmer, IHK-Vertretern und Ausbildungsspezialisten wurde allerdings sehr deutlich, dass dies nur ein Teil der Personalsorgen darstellt. Oft geht es gar nicht nur um Fachkräfte, mit ganz speziellen Fähigkeiten und Ausbildungsarten. Es geht häufig schon um irgendjemanden, der für eine offene Stelle in Frage kommt, auch ohne ganz spezielle Ausbildung. Vielen Unternehmen gelingt es einfach nicht mehr ihre normalen, freiwerdenden Stellen zu besetzen. Es gibt doch aber Arbeitslose, mag man jetzt sagen. Die sind allerdings, besonders nach längerer Beschäftigungslosigkeit überhaupt nicht mehr in der Lage einen durchgehenden Arbeitsalltag durchzustehen. Manch einer will das auch gar nicht mehr. Ausgenommen sind viele, die altersbedingt oder als Alleinerziehende gleich durch alle Raster fallen.

Die schwierige Besetzung freier Stellen hat unschöne Folgen für die Angebotsbreite der Betriebe. Manche Dienstleistung, manches Produkt kann dann nicht mehr umgesetzt werden. Selbst in Baubetrieben fehlen die Leute. Es kann halt nicht jeder „Influencer“ werden!

Lösungsmöglichkeiten zu finden ist nicht einfach. Das man die Leute auch anständig bezahlen muß ist wohl jedem vernünftigen Unternehmen inzwischen klar. Was dringend notwendig scheint, ist die weitere Verbreitung von Job- und Ausbildungsangeboten und zwar nicht auf vielen getrennten Portalen, Messen und Aktionen sondern gebündelt. Die Angebote müssen dort präsentiert werden, wo die Zielgruppen sowieso schon präsent sind, nicht nur an einem Tag, an einer Schule. Diesen Schritt mit neuen Methoden zu gehen, scheint manchem bisherigen Anbieter sehr schwer zu fallen, wie einige Wortmeldungen in der Runde klar machten: „Das haben wir alles schon selbst getan! Wir sind dafür der einzige Ansprechpartner!“ So wird es aber sicher nicht gehen.

Einige Vertreter aus der Landwirtschaft gingen in verschiedenen Fachgruppen allerdings konstruktivere Wege. So wurde z.B. vorgeschlagen bestimmte Ausbildungsschritte in Landwirtschaftsbetrieben gemeinsam zu gehen. Soll eine aufwendige Maschine den Azubis nahegebracht werden, so müsste das nicht jeder Landwirt gesondert organisieren – man könnte an einem Tag die Lehrlinge zusammenziehen und ihnen eine koordinierte Vorstellung der Technik durch eine Fachkraft bieten. Ein kleiner Schritt, einer von vielen notwendigen, aber immerhin etwas machbares und konkretes.

Bis zum Mai muß der Verein seinen Entwurf einer Regionalen Entwicklungsstrategie (RES) beim Land einreichen, um auch in der kommenden Förderperiode LEADER-Mittel, vornehmlich aus europäischen Töpfen zu erhalten. Bis dahin ist noch viel Arbeit notwendig – Arbeit, die hinter den Kulissen geleistet wird und deren Bedeutung vielen nicht bewusst wird.

Hartmut Winkelmann*

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* Der Autor war selbst einige Jahre lang Vorsitzender des Regionalfördervereins Prignitzland e.V.

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