Arbeit und Soziales

Knecht Ruprecht las den Zahnradwerk-Chefs die Leviten


Am Montag um 6 Uhr früh war Schichtende im Zahnradwerk Pritzwalk. Im Unterschied zu sonst rückte aber keine Frühschicht nach. Es war erneut Warnstreik angesagt. Diesmal würden für glatte 24 Stunden die Maschinen im Betrieb still stehen. Bis auf die Verwaltung und einige wenige Egoisten in der Produktion standen die Kolleginnen und Kollegen trotz winterlicher Temperaturen vor dem Werkstor. Von wegen weniger Teilnehmer! Der Reporter hat wieder durchgezählt. Obwohl sich die Streikaktion über eine so lange Zeit hin zog, hatten sich gegen 14 Uhr erneut über 70 Leute aus der Belegschaft versammelt.

Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam, berichtete von ausgebliebenen Fortschritten in der Verständigung mit der Unternehmensleitung. Die Gewerkschaft hatte erneut zu offenen Gesprächen aufgerufen. Mit Verständnis für die betriebliche Lage sei die IG Metall durchaus kompromissbereit und stelle keine Maximalforderungen, wie die sofortige Angleichung der Löhne an den Branchendurchschnitt der Region. Das würden die Eigentümer immer noch nicht begreifen.

Stattgefunden hat Ende letzter Woche ein dreiviertelstündiges Telefonat von Stefanie Jahn mit einem der Gesellschafter. Inhaltlich sei man aber nicht voran gekommen. Der Unternehmensvertreter warf der Gewerkschaft vor “hier nur ihr Ding zu machen.“ Man wolle auch weiterhin nicht mit der IG Metall sprechen. Die lauten Buh-Rufe der Zahnradwerker sprachen Bände. Stefanie Jahn sagte dazu: “Die Herren da oben scheinen immer noch nicht begriffen zu haben, dass sie es hier mit einer erwachsenen und selbstbewussten Belegschaft zu tun haben.“ Die neuen Eigentümer scheinen die Zeichen der Zeit wirklich noch nicht verstanden zu haben!

Auch diesmal gab es wieder deutliche Solidarität von anderen Betriebsräten. Prignitzer Gewerkschaften, eine größere Zahl der Alstom-Belegschaftsvertreter aus Hennigsdorf waren vor Ort. Der Pritzwalker Arbeitskampf hat sich herumgesprochen. Sogar der Betriebsrat von Voith aus dem baden-würtembergischen Heidenheim sandte eine Unterstützungserklärung. Voith ist ein Abnehmer von Produkten des ZWP.

Als jahreszeitlich passende Einlage am Nikolaustag hatten sich die Streikenden Hilfe von Knecht Ruprecht erbeten. Der kam auch höchstpersönlich, hatte seine Rute mitgebracht und las den kompromissunwilligen Chefs in Form eines Gedichts ordentlich die Leviten. Geschenke oder Extra-Profit gab es jedenfalls nicht für sie. Ihm zur Seite stand, ganz unwinterlich, der Osterhase, welcher schon am Samstag vor dem real-Markt Süßes an die Pritzwalker verteilt hatte, um auf den Tarifkampf aufmerksam zu machen.

Die Streikfront steht. Solch eine Aktion gab es bislang in der Prignitz nicht. Bis zum Jahresende werden die Gewerkschafterinnen weiter das Gespräch suchen. “Zeigen Sie Ihre Bereitschaft zum Dialog!“ appelierte Stefanie Jahn an die Arbeitgeber. “Wollen Sie wirklich das, was als Nächstes kommen wird? Wollen Sie eine Urabstimmung über unbegrenzte Streikmaßnahmen?“ Ein deutlicher Appell, über den die ZWP-Chefs ernsthaft nachdenken sollten. Genauso wie über ihre Verweigerung jedes Gesprächs mit den Medien.

PSZ / Hartmut Winkelmann / Fotos: PSZ

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