Arbeit und Soziales

Zwei Mädels auf der Walz

Tischlermeister Stamer zeigte sich der Tradition verbunden

Auf die „Walz“ zu gehen ist für den Handwerker-Nachwuchs auch heute noch eine Tradition. Den Brauch gibt es seit dem Spätmittelalter. Um 1980 wuchs das Traditionsbewusstsein wieder, gleichzeitig aber auch die Emanzipation der Frauen und der Geist der „alternativen“ Lebensweise. Es gingen vermehrt Gesellen beiderlei Geschlechts auf Wanderschaft. Nach der Wiedervereinigung nutzten auch viele ostdeutsche Gesellen wieder die Möglichkeit, auf die Walz zu gehen. Die wachsende Arbeitslosigkeit, unter der auch die Baubranche litt, belebte den neuen Boom zusätzlich. So machten nicht wenige aus der Not eine Tugend und verließen für mehrere Jahre ihre Heimat.

Auch unsere Region wird des öfteren von solchen reisenden Handwerkern besucht. Sie ziehen von Stadt zu Stadt, vor allem natürlich auch von einer Arbeitsmöglichkeit zur nächsten, um ihren Unterhalt zu verdienen und auch um zu lernen, ihre Fähigkeiten zu vervollkommnen.

Bei gestandenen Handwerksbetrieben bitten sie um Einlass, Verpflegung und Unterkunft für eine Nacht. Oft ziehen sie am kommenden Tag schon weiter. So klingelte es kürzlich an der Tür von Tischlermeister Torsten Stamer in der Grünstraße. Zwei reisende Handwerker standen ganz unvermittelt vor ihm. Und diesmal waren es zwei Frauen! Nach mehreren weniger erfolgreichen Versuchen in der Stadt war es für Torsten Stamer eine Frage der Berufsehre zu helfen. Gemeinsam mit seinem Vater bot er den beiden Frauen Kost und Logis in Form des Gästezimmers an. Dabei ergab sich natürlich auch die einmalige Chance von den Reise- und Berufsabenteuern der beiden zu erfahren.

Eva und Mel sind Hutmacherin und Tischlerin – kommen also aus ganz verschiedenen Welten des Handwerks. Nachdem sie auch noch im Rathaus den üblichen Halt gemacht hatten, zog es die beiden weiter in Richtung Norden. Torsten Stamer telefonierte für sie noch herum, um für die nächste Station einen Meisterkollegen zu finden, der die beiden Reisenden genauso freundlich aufnehmen würde. Eva und Mel bedankten sich bei ihren Pritzwalker Gastgebern noch mit einem sehr netten Brief, den wir hier wiedergeben dürfen.

Hartmut Winkelmann / Fotos: Torsten Stamer

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