Frauen

Der Hahn geht falsch!

Da liege ich heute zu nächtlicher Stunde friedlich in meiner Kemenate und ruhe mich vom schnöden Tagwerk aus. Plötzlich ein Geräusch! Mit meinem hochentwickelten, wolfsgleichen Sensoren nehme ich es sofort auf. Ein Augenlid fährt hoch und schaut etwas verstört durch die dunkle Stube. Da kräht doch ein Hahn! Mitten in der Nacht! Ist doch höchstens vier Uhr. Kann der nicht mal auf die Uhr schauen? Das stört unseren gefiederten Freund in der nahegelegenen Gartenanlage wenig. Ihm steht jetzt die Lust aufs Krähen.

Kann der nicht mal den Schnabel halten? Prommt reagiert Bello, der diensthabende Kläffer aus der Nachbarschaft. Wuff, Wuff! Ich will doch nur noch ein wenig schlafen! Jetzt steigt auch die vierbeinige Fußhupe der hübschen jungen Nachbarin ein. Kleff, kleff! Der Hahn kräht weiter. Inzwischen muht auch eine Kuh aus einiger Entfernung.

Mieter Kowalski bölkt aus dem Fenster: „Ruhe da!“ Schön wärs Kowalski! Verzweiflung steigt in mir auf. Meine beiden Zimmerlöwinnen sind auch längst erwacht und auf Schleichtour (Oder was sie dafür halten!). Auf der anderen Straßenseite startet Erwin Kasuttke seinen Truck. Der Motor rumpelt gewaltig. Schichtbeginn eben.

Vor dem Bahnhof entlädt eine Familie lautstark ihre Bekanntschaft zum Frühzug, nicht ohne mit jedem einzelnen eine orgiastische Verabschiedungszeremonie unter höchstem Lärmpegel zu veranstalten. Ja, ja, sie werden anrufen, sobald sie angekommen sind. Das haben sie doch jetzt schon zehnmal gesagt! Geht ja bestimmt auch nur ins Nachbardorf. Erste Tränen rinnen über mein Gesicht. Ruhe, verdammt nochmal, es ist erst vier!

Im Hühnerstall beginnt inzwischen die erste Sitzung des „Komitees Emanzipierter Hennen – Me chicken too!“. Legehenne Olga Putputput führt den Vorsitz. Der junge neue Hahn sieht ja gut aus und erfüllt seine Mannespflichten auch zur absoluten Zufriedenheit aller Hennen – aber dieses lautstarke Männer-Gehabe zu frühester Stunde geht gar nicht! Es geht hier um die Rechte der Hennen!

Die Zimmerlöwinnen veranstalten derweil eine wilde Verfolgungsjagd durch meine Wohnung. Der etwas proletenhaft veranlagte Nachbar von unten lässt am Fenster ein kräftiges Gähnen, gefolgt von einem gewaltigen Rülpser in den Nachthimmel steigen. Mahlzeit Kollege! Ich liege auf dem Bett und verdrehe die Augen. Ein Stubenlöwin springt mir als Teil ihrer verwegenen Jagd auf den Bauch. Auaaa! Als der Nachbar von nebenan auch noch mit vollem Volumen seine Schlagermucke aufdreht gebe ich auf.

Und das alles nur weil der Hahn falsch geht!

Hartmut Winkelmann

#katzedilara #hartmutunddilara

.

.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.