Arbeit und Soziales

Brandenburger Schulen kehren zum Präsenzunterricht zurück

Symbolbild: SchülerInnen einer Grundschule sitzen während des Unterrichts in einem Klassenraum. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Bild: dpa/P. Pleul

Noch vor den Sommerferien kehren die Schulen in Brandenburg zum Präsenzunterricht zurück: zuerst die Jüngeren, dann die Älteren. Eine Absprache mit Berlin, das am Wechselunterricht festhält, ist offenbar gescheitert.

Die Grundschulen in Brandenburg können ab kommender Woche Montag (31. Mai) wieder vollständig zum Präsenzunterricht zurückkehren. Das hat die Landesregierung am Dienstag mitgeteilt. Die weiterführenden Schulen sollen dann ab 7. Juni öffnen. Voraussetzung für die Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen ist eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 über drei Tage in Folge, wobei alle Wochentage zählen.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) nannte den Beschluss eine „erfreuliche Entscheidung“ für Kinder und Familien. „Die Türen und Tore der Schulen werden sich wieder öffnen.“ Es seien zwar nur noch wenige Wochen bis zu den Ferien; man gehe diesen Schritt trotzdem, um den Schülerinnen und Schülern noch vor den Sommerferien die Chance zu geben, sich nach einer langen Zeit der Einschränkungen wieder in der ganzen Gruppe wiederzusehen.

Keine gemeinsame Regelung mit Berlin

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) räumte ein, dass es auch dieses Mal keine gemeinsame Regelung mit Berlin gibt. „Meistens gelingt es, aber leider nicht immer“, sagte Woidke. Zuvor habe er mehrfach mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Sache gesprochen. Der Berliner Senat hält bislang daran fest, erst nach den Sommerferien zum Präsenzunterricht zurückkehren zu wollen.

Doch genau dieser Präsenzunterricht sei vor allem für Grundschüler wichtig, die nach monatelangem Wechselunterricht bald auf die weiterführenden Schulen wechseln werden, sagte Bildungsministerin Ernst. Dabei gehe es nicht nur darum, dass verpasster Schulstoff aufgeholt werde: Im Mittelpunkt müsse auch stehen, dass die Schülerinnen und Schüler wieder soziale Kontakte pflegen können. „Der Lockdown ist nicht spurlos an Kindern und Jugendlichen vorbeigegangen“, betonte Ernst.

Allerdings gelte weiterhin die Testpflicht, um am Präsenzunterricht teilzunehmen. Eltern, die keinen negativen Testnachweis erbringen können oder wollen, „deren Kinder gehen in den Distanzunterricht“, sagte Ernst.

Kitas zurück in Regelbetrieb

Ebenfalls geöffnet wird die Hortbetreuung, außerdem sind ab kommender Woche eintägige Wandertage und Exkursionen wieder erlaubt. Auch der Ferienhort werde im gewohnten Umfang angeboten, sagte Ernst.

Die Kitas sollen ebenfalls zur Regelbetreuung zurückkehren, sagte Ernst. Der Apell an Eltern, ihre Kinder nur in die Kita zu geben, wenn keine andere Betreuung möglich ist, werde auslaufen.

Neben den Öffnungen im Schulbereich kündigte die Brandenburger Regierung weitere Lockerungen ab dem 3. Juni an – vor allem in den Bereichen Sport, Gatsronomie und Beherbergung.

Freude und Skepsis

Die Entscheidung zur Rückkehr zum Präsenzunterricht noch vor den Sommerferien traf in Brandenburg auf geteiltes Echo.

Lars Schulz beispielsweise, ein Sechstklässler an der Georg-Klingenberg-Schule in Brandenburg an der Havel, sagte dem rbb, er freue sich darauf, alle seine Klassenkameraden bald wiederzusehen. „Distanzlernen war nicht cool. Man ist immer wieder aus dem Stoff gekommen, da macht das Lernen auch keinen Spaß.“ Für ihn ist es das letzte Jahr an der Grundschule, der Wechsel an ein Gymnasium steht bevor. „Ich würde mich super freuen auf die anderen, auch so kurz vor den Sommerferien“, sagt der Schüler. Genauso sieht es auch die zwölfjährige Melina: „Es war zu lange, und komisch, eine Woche in der Schule zu sein und dann wieder allein zu Hause.“

Sabine Specker, die Leiterin der Georg-Klingenberg-Schule, zeigte sich skeptischer. „Das bedeutet, dass wir mit einem Schlag 270 Kinder in der Schule haben werden“, sagte sie dem rbb. Das Lernverhalten der Kinder werde sich ändern, zudem komme auf die Lehrkräfte noch einmal viel Mehrarbeit zu, weil alle Abläufe neu geplant werden müssten. Dennoch werde man die Herausforderung annehmen, sagte Specker. „Die Sicherheit und Bildung unserer Kinder ist für uns das Wichtigste.“

Deutlich zurückhaltender äußerte sich der Leiter der Werner-von-Siemens-Oberschule in Gransee, Reinhard Witzlau. Er verstehe die Sehnsucht der Schüler, wieder gemeinsam Schule zu erleben. Aber gerade an seiner Schule, mit ihren engen Räumen, würden sich Fragen zu Abstands- und Hygieneregeln stellen. Auch die Tests würden nicht reichen, ein Drittel seiner Lehrkräfte sei noch nicht geimpft. „Ich fände es sinnvoller, das Schuljahr jetzt im Wechselunterricht zu beenden und zu analysieren, was wir fürs neue Schuljahr brauchen.“ Im Mittelpunkt stehe die Impfung von Kindern und Jugendlichen, sagte Witzlau. „Damit wir hoffentlich am 9. August im Präsenzunterricht starten können.“

Kritik vom Schüler- und Pädagogenverband

Der Landes-Pädagogenverband erklärte am Dienstag, die Regierung riskiere mit diesem Schritt die Gesundheit der nicht vollständig geimpften Lehrer und der noch nicht geimpften Schüler. Zudem könne durch die Öffnung die Zahl der Corona-Fälle wieder zunehmen – damit werde auch der Sommerurlaub von Familien gefährdet. Man hätte das Schuljahr mit dem Wechselunterricht beenden sollen.

Auch der Brandenburger Landesschülerrat sprach sich gegen die vollständige Rückkehr zum Präsenzunterricht aus. Es fehle an Impfangeboten für Schülerinnen und Schüler, hieß es. Auch wenn viele unter der derzeitigen Isolation litten, gehe der Schutz der Lernenden vor.

Quelle: rbb24

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