Familie

Eine Hälfte ist schon weg – vom Widerspruch zwischen Abriss und Zukunftsplanung

Die Abrissarbeiten an Pritzwalk jüngstem Neubaublock in der Straße Am Ring / Ecke Meyenburger Tor gehen weiter voran. Die Wohnungsbaugenossenschaft Pritzwalk lässt hier ihren neusten Block, der nach eigener Aussage aber nicht mehr wirtschaftlich tragbar war, abreißen. Hintergrund dürfte auch die 100prozentige Förderung für solchen Rückbau seitens des Landes sein. Einen ähnlichen Weg will auch die stadteigene WBG mit ihrem Objekt Nordstraße 11-15 gehen, um das es bereits eine Menge Diskussionen zur Sinnhaftigkeit gab und auch weiter gibt.

Die Abrissmaßnahmen stehen im Zusammenhang mit Auflagen des Landes Brandenburg zur Verkleinerung des Wohnungsbestandes auf der Grundlage von Einschätzungen aus Studien, die ein erheblichen Bevölkerungsschwund in den Kleinstädten des ländlichen Raumes vorhersagen. Das solcherart Vorhersagen bereits früher falsch waren, zeigt die Tatsache, das unsere Stadt gegenwärtig noch 11.500 Einwohner (mit Ortsteilen) hat. Vorhergesagt waren für 2020 nur noch 9.000!

Gegenüber den Kommunen arbeiten die Landesbehörden mit harten Bandagen: Reißt ihr nicht ab und senkt den Leerstand, bekommt ihr von uns keine dringend benötigten Stadtumbaumittel für alle weiteren Städtischen Gestaltungsmaßnahmen. Im Strafrecht gibt es dafür eigentlich eine konkrete Bezeichnung … Die Leerstandsquote innerhalb der Pritzwalker WBG liegt übrigens weit unter 10%, also durchaus überschaubar.

Was bei aller theoretischer Städteplanung von oben fehlt, ist ein praktisches Konzet für bezahlbaren Wohnraum in der Zukunft. Nicht jeder will und nicht jeder kann ein eigenes Haus für sich und die Familie bauen. Deshalb ist die durchaus sinnvolle Bereitstellung von Baulandparzellen für junge Familien durch die Stadt nur eines der notwendigen Standbeine für morgen. Lösungen allein vom privaten Wohnungsmarkt zu erwarten wäre blauäugig.

Was am Ort des jetzt abgerissenen Genossenschaftsblock entstehen wird ist bisher unklar. Unbestätigten Angaben zu Folge könnten hier Garagen für die Mieter weiteren firmeneigener Wohnungen entstehen.

HW / Fotos: PSZ

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