Demokratie

Brandenburgerin will Kanzlerin werden – Annalena Baerbock nominiert

Annalena Baerbock soll Kanzlerkandidatin der Grünen werden

Die Grünen gehen mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Der Bundesvorstand der Partei nominierte die frühere Vorsitzende der Brandenburger Grünen am Montag für den Spitzenposten. Die Entscheidung muss noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden, die Zustimmung gilt aber als sicher.

Baerbock wurde zuvor bereits als Spitzenkandidatin der Brandenburger Grünen nominiert. Ihr Bundestagswahlkreis umfasst Potsdam sowie Teile von Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming.

Zentrales Wahlkampfthema der Partei ist zugleich Baerbocks Fachgebiet, die Klima- und Umweltpolitik. „Klimaschutz ist die Aufgabe unserer Zeit, die Aufgabe meiner Generation“, sagte Baerbock. Die Politik der neuen Bundesregierung müsse Klimaschutz für alle Bereiche zum Maßstab machen, um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen.

Regierungserfahrung vs. Fachwissen

Die Grünen haben sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte damit erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Derzeit sind sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor der SPD. In Umfragen lag die 40-jährige Baerbock bei den Sympathiewerten bisher hinter dem 51-jährigen Habeck, hat in den vergangenen Monaten aber aufgeholt.

Baerbock war am Samstag bereits vom Brandenburger Landesverband für die Bundestagswahl als Spitzenkandidatin nominiert worden, mit 106 von 109 Delegiertenstimmen. „Wir fordern die Union heraus“, sagte die 40-Jährige. „In diesem Jahr ist alles möglich, in diesem Jahr ist alles drin.“ Sollte sie nun auch als Spitzenkandidatin der gesamten Partei gewählt werden, wäre Baerbock bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich für das höchste Regierungsamt bewirbt.

Wenn Baerbock will, macht Habeck Platz

Die am 15. Dezember 1980 in Hannover geborene Baerbock war von 2009 bis 2013 Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg, bevor sie in den Bundestag einzog. Bei den gescheiterten Jamaika-Sondierungen Ende 2017 machte sich die ehemalige Trampolin-Turnerin nicht nur in der Klima-, sondern auch der Europapolitik einen Namen. Im Januar 2018 wurde sie dann gemeinsam mit Habeck zur Grünen-Bundesvorsitzenden gewählt.

Baerbock stand lange im Schatten von Habeck, der schon vor der Wahl der beiden Parteichefs Anfang 2018 eine gewisse Popularität besaß und fortan emsig durch die Talkshows tingelte. Als Pluspunkt für Baerbock könnte sich erweisen, dass sie in der Partei gut vernetzt ist und als ausgewiesene Expertin für Klimafragen gilt. Als Frau hat sie ohnehin den ersten Zugriff auf die Kandidatur, wie auch Habeck einräumt.

Parteichefin, Abgeordnete und Mutter

Als Manko könnte sich erweisen, dass die 40-jährige Baerbock bislang über keinerlei Regierungserfahrung verfügt. Spekulationen über eine mangelnde Durchsetzungsfähigkeit kontert sie selbstbewusst: „Drei Jahre als Parteichefin, Abgeordnete und Mutter kleiner Kinder stählen ziemlich.“

Ohnehin hat Annalena Baerbock in ihren gut drei Jahren an der Spitze der Grünen bewiesen, dass sie das politische Handwerk beherrscht: Sie ist verbindlich und vertritt jenen Pragmatismus, der die Grünen so stark gemacht hat in der jüngsten Vergangenheit. Die ausgewiesene Realpolitikerin hat es dabei geschafft, den linken Parteiflügel einzubinden. Zugleich erscheinen mit ihr alle Koalitionsoptionen möglich.

Zwischen Aktivismus und Pragmatismus

So streitet die studierte Völkerrechtlerin für einen konsequenten Klimaschutz und warnt zugleich davor, „Öko gegen Sozial“ auszuspielen: Sie präsentierte sich einst als basisnahe Kämpferin, die für den Kohleausstieg „raus auf die Straße“ will, aber auch das Gespräch mit Kohlekumpels sucht. In ihrem Wohnort Potsdam engagierte sie sich in einem Flüchtlingshilfeverein – und in der Corona-Krise besetzte die Mutter zweier Töchter frühzeitig das Familien-Thema.

Grünen-Gründungsmitglied Ludger Volmer hatte vor der Entscheidung die Kandidatenfindung in der Partei für die Kanzlerkandidatur verteidigt. Im Inforadio vom rbb sagte Volmer am Montag, die Partei stehe voll hinter Baerbock und Habeck. „Beide haben ja bei den Wahlen zum Bundesvorstand exzellente Ergebnisse eingefahren. Jeder von beiden hätte eine sehr große Mehrheit in der Partei.“

Quelle: rbb24

.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.