Groß Pankow

Der Bierologe spricht: Bierverkostung der sinnlichen Art


Eine Bierverkostung der sinnlichen Art …

„Abbaye de Vauclair“ hieß das Objekt unserer Untersuchungen an diesem Abend. Gute Freunde, Madame und Messieur Riemann, hatten mir dieses höchst passende Geschenk mit der Verpflichtung zur Veröffentlichung eines präzisen Testberichtes überbracht. „Abtei von Vauclair“ würde der teutonische Bierkenner den Namen wohl übersetzen. „Die Blonde aus dem Kloster“ traf es ebenfalls recht gut. Ein weiterer vortrefflicher Beweis für den bis in die Frühzeit zurueckzufuehrenden Quell religiöser Erkenntnis in abgeschiedenen Klöstern und Abteien mittels geistigem Getränk stand da lockend vor uns. Es versprach ein wilder Ritt auf der Achterbahn meiner Geschmacksnerven zu werden!

Da ich weder zum Fuell- noch Leergut begaffen angetreten war, schritt ich zur Tat. Es begrüßte mich ein Verschluss, gleich einem, den man als typisch aus dem Land des Franzosen erwarten würde. Wie bei einer Sektflasche musste zuerst ein Drahtgestell überwunden werden, dann – mit einem formidablen Plopp – gab der echte Korken, kein billiges Plastik, nein natuerlicher Kork, den Weg zum vielversprechenden Inhalt frei. Das wohlig bierige Bukett kroch über meinen Riechkolben zu den Geruchsrezeptoren. Voila! Es schien eine erfreuliche Begegnung zu werden.

Schon das erste Benetzen der Zunge war leidenschaftlich, dennoch lieblich – in jedem Falle betörend. Eine wunderbare Mixtur! Der Geschmack war vollmundig – besonders wenn man den Mund voll hatte. Auch die anwesende Katzendame Dilara zeigte sich vom ausstroemenden Hopfenaroma inspiriert. Begierig schnueffelte sie am Flaschenhals, darauf aus, die Herkunft des unbekannten Geruches zu entraetseln. Allerdings erweckte schon bald das flatterhafte Band der Geschenkdekoration ihr Hauptinteresse. Mon dieu! Welch despektierliche Haltung!

Von der tierischen Banalität nicht länger abgelenkt, konnte ich mich weiter der gezielten Expertise des edlen Gesoeffs widmen. Mit jedem Schluck entspann sich eine vielversprechende Romanze aus Gerste, Weizen, französischem Klosterwasser, Sirupzusaetzen und zuletzt simplem, aber sinnlichem Zucker mit meiner nach Labsal lechzenden Kehle. Extraordinaere!

Erst jetzt entdeckte ich auf dem Etikett das rigorose Trinkverbot für einige Bevölkerungsgruppen. Da ja heutzutage alles gegendert ist, nehme ich an, das dieses Zeichen zur Abwehr von Dickbaeuchigen beiderlei Geschlechts gültig sein sollte. Zu spät! Ich war schon zu Gange.

Aus der „Brasserie de Saint-Omer“, im gleichnamigen Städtchen, nicht weit von Calais und der Kanalkueste gelegen, stammend, kann man das Getränk als durchweg gelungenes Beispiel süffiger Braukunst betiteln. Die vortreffliche Zubereitung des französisch-blonden Bieres mit seinen 6,5 voluminösen Umdrehungen ließ die Hingabe des Verkosters immer inniger werden. Hicks!

Nichts, rein gar nichts, gab es auszusetzen an diesem Frohsinn erzeugenden Trunk! Mehrere Flaschen davon könnten allerdings auch den abgehaerteten Genießer herausfordern. Qui, qui!

Nach Beendigung des Prüfvorgangs begab sich der Verkoster relativ schnell in eine horizontale Position zum Zwecke des weiteren Durchdenkens der gewonnenen Erkenntnisse. Dieses Klosterprodukt hatte etwas Goettliches, das den beseelten Trinker in höhere Sphären des Genusses führen konnte, fürwahr!

q. e. d.

Bierologe „Dr.“ Winkelmann

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