Arbeit und Soziales

Einsamkeit – Die schlimmste Folge von Corona

Die Titelstory aus unserer Ausgabe 81 …

Sie beendete das Telefongespräch und schaute traurig auf das graue Wetter, draußen hinter der Fensterscheibe. Sabine, ihre Tochter und der Schwiegersohn würden auch an diesem Wochenende nicht kommen. Und die Enkel damit auch nicht. Vor allem sie nicht. Sie machte ihrer Tochter keine Vorwürfe. Es war das Virus Schuld. Dieses verdammte Virus!

So lief es in den letzten Monaten immer wieder ab. Seit fast einem Jahr schon. Eine unheimliche Traurigkeit erfasste die Frau. Tränen sammelten sich in ihren Augen …

Diese Seniorin war mit Sicherheit nicht das einzige Opfer von Corona in dieser ganz besonderen, aber dennoch nicht wenig schmerzhaften Art. So wichtig und verständlich die Umgangsbeschränkungen in Hochzeiten des Virus sind, sie treffen ganz besonders die, welche sowieso schon unter dem Alleinsein gelitten haben. Oft sind die eigenen Kinder und damit auch die besonders für Lebensmut sorgenden Enkelkinder wegen Studium, Ausbildung und Berufschancen weit weg in die Ballungsgebiete gezogen. Es war so schon viel zu selten, dass sie die Mutter, die Oma besuchten.

Das moderne Leben erlaubt zwar jede Art von Mobilität, es bindet aber die Menschen so intensiv ein, dass vieles Private hinten runter fällt. Alles muss schnell gehen, man selbst hat als Junger immer „up to date“ zu sein. Zu kurz kommen dabei oft die zwischenmenschlichen Beziehungen, gerade zu den älteren, allein lebenden Verwandten. Schuld daran haben nicht die Kinder. Wir haben unsere Welt nur so werden lassen!

Corona hat mit seinen Reise- und Umgangsbeschränkungen sein Übriges getan. Und es tut es weiter!

„Die schlimmste Folge von Corona ist diese Leere im Herzen, wenn die Liebsten nur noch selten zu Besuch kommen.“

sagte die Frau mit traurigem Blick beim Abschied.

Der Ehemann der Dame ist nun auch schon lange nicht mehr da. Sie traut sich gar nicht mehr auf den Markt zu gehen, weil man dort so oft hört, wer jetzt auch nicht mehr unter uns ist. Und dann diese  Angst sich vielleicht doch anzustecken.

Als in die Jahre Gekommener rechnet man nicht mehr in so langen Zeiträumen. Ein Monat, ein Jahr haben da einen viel größeren Wert.

Den ganzen Tag fernsehen geht einfach nicht – da hört man ja nur noch Katastrophenmeldungen! Das Einkaufen ist fast schon der letzte soziale Kontakt. Vielleicht sollten wir anderen, wenn wieder einmal ein älterer Mensch vor uns in der Supermarkt-Schlange etwas weltverloren und traurig wirkt, auch an dieses Schicksal denken. Es ist überhaupt nicht so selten, nur machen die Betroffenen nicht gleich eine Selbsthilfegruppe auf oder veranstalten eine Demo. Sie wollen ja nicht stören.

Hartmut Winkelmann

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