Familie

Warntag: Psychologie-Professor kritisiert Einsatz von Sirenen

Die Bevölkerung sollte am Donnerstag um 11 Uhr mit Hilfe des bundesweiten Warntages für Katastrophenfälle sensibilisiert werden. Einige Experten sehen die Aktion aber durchaus sehr kritisch.

Der Psychologe Andreas Hamburger von der International Psychoanalytic University Berlin hat den Einsatz von Sirenen an dem für diesen Donnerstag geplanten bundesweiten Warntag kritisiert. „Die Menschen, die selber noch als Kinder Luftangriffe erlebt haben, sei es in Deutschland im Krieg, seien es Geflüchtete, die aus Kriegssituationen kommen, werden ganz unmittelbar und sehr intensiv mit Gefühlen von Panik auf solche Signale reagieren. So dass man sich schon die Frage stellen muss oder sollte: Ist es notwendig, und welchem wirklichen Zweck dient es denn, diese Reflexe bei Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, zu triggern?“, sagte der Psychologie-Professor der Deutschen Presse-Agentur.

Er erinnere sich aus seiner Kindheit selbst noch an die Luftschutzübungen des Kalten Krieges, die ihm immer einen Schauder über den Rücken gejagt hätten. „Ich verstehe nicht ganz, warum man diese Inszenierung braucht, jetzt so die gute alte Luftschutz-Sirene wieder auszumotten, denn heutzutage gibt es natürlich wesentlich effizientere und auch geräuschärmere Formen.“ Die Bundesregierung begründe dies damit, dass die Bevölkerung sensibilisiert werden solle, doch so ganz leuchte ihm das nicht ein. „Wir machen ja auch keinen Tag der Müllabfuhr, um die Bevölkerung für die Abfallentsorgung zu sensibilisieren. Es kommt mir vor wie eine Art Demonstration.“ Voraussetzung für eine solche Katastrophenübung wäre nach seiner Meinung eine umfassende vorherige Aufklärung der Bevölkerung, so dass wirklich niemand von dem plötzlichen Sirenenalarm überrascht werde. Der Informationsvorlauf vor dem Warntag sei aber nicht allzu lang gewesen.

Er frage sich auch, wer mit den gellenden Sirenen erreicht werden solle. Dabei könne es sich ja eigentlich nur um Menschen handeln, die fast keine mediale Anbindung hätten. Gerade diese Menschen – etwa Senioren – hätten dann aber auch nicht die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, was eigentlich los sei. Sie könnten dann denken, dass es sich um einen Ernstfall handle. Diesen Warntag gab es erstmals seit der Wiedervereinigung in Deutschland. Dabei sollten unterschiedliche Warnmöglichkeiten für den Katastrophenfall getestet werden, etwa Sirenen, Durchsagen per Lautsprecher, Mitteilungen über die sozialen Medien und Warn-Apps sowie digitale Werbetafeln. Hier in unserer Region, wie auch wohl in vielen anderen Regionen war überhaupt nichts zu hören. Auch die TV- und Radiosender beteiligten sich nicht oder nur teilweise.

Lesen Sie zum Thema auch „Wenig zu hören vom großen Probealarm“ >>

PSZ / dpa / fte

 

 

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