Familie

Weisheiten meines Vaters

Trauer_Kerze

Unser aller Leben ist geprägt durch zwischenmenschliche Interaktionen und unser Wohlbefinden ist von diesen fundamental abhängig. Doch während wir die physische Gewalt nahezu aus all unseren Interaktionen verbannen konnten, so sind Konflikte, Meinungsverschiedenheiten und verbale Angriffe Teil unser aller Leben.

„Wir sind allesamt viel zu sehr zu kleinen Leuten erzogen worden. Immer brav sein, ja sagen, alles gut auswendig lernen und beim Herausgehen einen Diener machen.“

Das ganze berufliche Leben meines Vaters hat sich um diese zwischenmenschlichen Interaktionen und Konflikte gedreht und er galt, durch sein Talent diese zu analysieren, wohl zu recht lange Jahre als unbequemster Verkaufstrainer Deutschlands. Im Folgenden möchte ich die prägendsten Lektionen, die er mir auf den Weg gegeben hat, teilen, auf das sie zum Nachdenken anregen oder vielleicht sogar in der Praxis erprobt werden können.

„Wer zuckt, verliert.“

Das ist die wohl wichtigste Weisheit, wenn es um verbale Angriffe und Konter geht. Wer „zuckt“, also für einen kurzen Moment die Fassung verliert, der hat fast immer automatisch verloren, da man es für gewöhnlich nicht schafft, sich während eines Gespräches von einer Überrumpelung zu erholen. Diese Dynamik nutzen beispielsweise geübte Mobber gezielt aus. Sie überraschen Menschen, die nicht mit einem Angriff rechnen und tragen so schnelle Siege – zur Befriedung ihres eigenen Egos – davon. Wer aber für eine solche Konfrontation bereits einige Konter parat hat, dem wird es gelingen, dem Angreifer schnell das Maul zu stopfen.

„Der Ton macht die Melodie.“

Der Tonfall, in dem Dinge gesagt werden, ist entscheidend, wenn es darum geht uns auszudrücken. Und zwar viel entscheidender als die bloßen Worte in einem Satz. Der gleiche Satz kann entweder herablassend, beleidigend, freundlich oder anerkennend gemeint sein und auch genauso aufgefasst werden, je nachdem welcher Tonfall zugrunde liegt. Wichtig ist es sich für den Tonfall des Gegenübers genau zu sensibilisieren, indem man mehr auf sein Bauchgefühl vertraut. Wenn man sich angegriffen fühlt, dann hat das der Gegenüber auch genauso beabsichtigt und das sollte man sich unter keinen Umständen gefallen lassen.

„Schweine erkennen sich am Gang.“

Es gibt Menschen, die bewusst oder unbewusst andere Menschen nieder machen. Dabei wird sich aber nur an Menschen vergriffen, die sich nicht zu wehren vermögen. Wer auf etwaige Angriffe vorbereitet ist und sich entsprechend verteidigen kann, der strahlt dies auch durch seine Körpersprache, Körperhaltung, etc. aus. Das heißt, wer sich bewusst einen Plan zurechtlegt, wie er auf zu erwartende Angriffe reagiert, der wird alleine deswegen nicht mehr angegriffen. Selbstbewusstes Auftreten ist der Schlüssel.

„Wer nach unten tritt, buckelt gleichzeitig nach oben.“

Wir sind alle nur Menschen, egal wie hoch oder wie niedrig in irgendeiner Hierarchie. Nun gibt es Menschen, die die ihnen gegebene Macht innerhalb einer Hierarchie ausnutzen, um Menschen mit weniger Macht zu erniedrigen. Wer sich in einer solchen Situation wiederfindet, der muss sich klar machen, dass die gleichen Personen, die ihre Macht ausnutzen, die sind, die den ihnen Höhergestellten den Diener vorführen. Wer sich in bestimmten Situationen aufspielt, ist in anderen ganz klein. Und wer das im Hinterkopf behält, kann Menschen in egal welchen Positionen von ihren hohen Rössern ganz leicht herunterholen.

So oder so ähnlich könnte ich noch eine Menge Weisheiten oder Sprichwörter meines Vaters aufzählen. Das Motto unter dem seine gesamte Arbeit immer stand, war folgendes: Man darf sich unter keinen Umständen erniedrigen lassen. Es darf gerne 1:0 für einen stehen, aber nie 0:1 gegen einen. Wenn man im Rückstand ist, muss man mindestens für ein Unentschieden sorgen, da ansonsten eine solche Beziehung immer vergiftet sein wird. Wer sich nicht wehrt, wird über kurz oder lang aufgefressen – von außen, aber auch von innen. Und wer sich zu wehren vermag und seine Integrität jederzeit und egal gegen wen verteidigt, der wird sowohl beruflich immer erfolgreicher sein, der schützt aber auch gleichzeitig sein eigenes Seelenheil.

In diesem Sinne

In Gedenken an meinen Vater, dem ich mein ganzes Leben nacheifern werde.
Kurt Wilhelm Ververs 19. Februar 1946 – 06. April 2020

Linus Ververs

 

Nachruf Kuno von Linken und PSZ

 

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