Geschichte

Der „Böse Bernhardt“ und seine Spießgesellen

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Am Mittwochabend fand innerhalb der Vortragsreihe in der Museumsfabrik eine höchst interessante und launige Veranstaltung zum Thema „Raubritter in Mecklenburg und Brandenburg – Das legale Verbrechen“ statt. Museumsleiter Lars Schladitz konnte dazu weit über 20 Zuhörer begrüßen.

Vortragender war der Historiker und Archäologe Fred Ruchhöft aus Goldbeck. Dort leitet er auch das Museum. Die Besucher erwartete alles andere als ein trockener Mittelaltervortrag. Mit viel Freude und großer Sachkenntnis vermittelte Fred Rauchhöft verblüffende Details aus der längst vergangenen Zeit.

Überraschend begann er seine Rede mit einem Bild des Kommissars Jensen, bekannt aus den beliebten Olsenbande-Filmen. Der meinte in einer Folge nämlich sinngemäß: „Wenn ein Verbrechen in der Finanzwirtschaft nur groß genug ist, dann ist es praktisch ein legales Verbrechen, also Politik.“ Genau so müsse man sich die damalige Zeit der Raubritter vorstellen. In Fehden, als guerillaartigen Kleinkriegen gegen Orte oder andere Adlige geführt, beschaffte man sich Geld. Vieh wurde fortgetrieben, Alltagsgegenstände, Waffen und Kleidung gestohlen. Das war zu jener Zeit etwas „fast“ Legales! Mord und Totschlag waren gar nicht das Hauptziel. Man vermied größere Feldschlachten und versuchte den Kontrahenten wirtschaftlich zu schädigen. Wer zuletzt der Sieger war, der hatte auch Recht! Also alles so wie heute.

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Fred Ruchöft verstand es hervorragend historische Fakten mit amüsanten oder zumindest bemerkenswerten Geschichten zu spicken. So war die Rede vom ruchlosen Ritter Bernhardt von Maltzahn aus dem Mecklenburgischen. Später nannte man ihn nur Bernhardt den Bösen. Dieser Mann musste es von seiner kleinen Raubburg aus wohl allzu wild getrieben haben. Einmal legte er sich gleich mit zwei Landesherren gleichzeitig an. Damit hatte er aber übertrieben. Die Herrschaften ließen Bernhardt auf seiner Burg belagern. Nachdem der Pulverturm auf der bedrängten Feste durch eigene Schuld in die Luft flog, war die Auseinandersetzung entschieden. Bernhardt der Böse musste ins Exil gehen, ergatterte aber kurz danach den ertragreichen Posten eines Burgvogts an anderem Ort. Erinnert uns das ebenfalls an manches Vorgehen heutzutage? Mit Sicherheit!

Prignitzer Adlige, wie die von Rohrs, die Quitzows und andere mischten fleißig mit. Auch die Pritzwalker waren in manche Fehde verstrickt. Zwei Bürger dieser Stadt saßen urkundlich erwähnt wohl einige Zeit im Plauer Verlies. Hierbei ging es aber kaum um das Absitzen einer Gefängnisstrafe, eher um das Erwarten einer Lösegeldzahlung. Krieg war ein Geschäft! So wie heute auch.

Es gäbe noch viele tolle kleine Details aus diesem Vortrag zu berichten. Wichtig ist zu betonen, dass das überlieferte Bild des Raubritters eher der mystifizierenden Zeit der Romantik zuzuschreiben ist. Als Raub wurden die Kleinkriege um 1420 bis 1460 eher nicht betrachtet. Man führte ja offiziell anerkannte Fehden! Die echten gesetzlosen Räuber saßen zusätzlich in den Wäldern, zum Verhängnis für manchen umherziehenden Händler. Heiner Clemens war auch so einer. Am Ende waren wohl. wie immer im Krieg, die kleinen Leute die Hauptleidtragenden.

HW / Fotos (2): HW

 

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