Geschichte

Pritzwalk im Kriegssommer 1918

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Wie ein großer Krieg seine Wirkung auch in einer kleinen Stadt zeigte …

Es hat sich wohl herumgesprochen, dass ich mich sehr für die Geschichte und natürlich auch besonders für die Stadtgeschichte interessiere. Immer mehr Menschen kommen in unsere Zeitungsredaktion und bringen ihre Erinnerungen, persönlichen Fotos, Postkarten und historische Gegenstände aus verschiedensten Epochen Pritzwalker Geschichte mit. Das ist immer eine große Freude! Danke!

Neulich war es mal wieder soweit. Dagmar und Bodo Oberländer überließen mir eine einigermaßen gut erhaltene Ausgabe des „Kurier für die Prignitz“ vom 28. Juni 1918. Das war eine richtige Fundgrube und zog einen förmlich in diese Zeit hinein! Sommer 2018, der 1. Weltkrieg tobte schon vier Jahre und näherte sich einem bitteren Ende für das Deutsche Reich. Die Schlachtfelder mochten zwar weit entfernt im Osten, Westen und Süden liegen, den Hauch des Krieges spürte man aber auch hier in der kleinen Dömnitzstadt.

So war auch in diesem Juni 1918 über Gefallene aus unserer Region zu berichten. Die „Verlustliste“ führte allein an diesem Tag 28 Namen auf, alle aus dem Gebiet zwischen Wittenberge, Pritzwalk, Kyritz und Wittstock. Zumeist junge Menschen hatten ihr Leben in diesem sinnlosen Krieg verloren. Wilhelm Prillwitz aus Putlitz wurde als vermisst gemeldet. Martin Schulz galt ebenfalls als verschollen. Er stammte genauso aus Pritzwalk wie Otto Schulz, der gefallen war. Waren sie etwa miteinander verwandt? Und diese Liste trug schon die Nummer 1173!

Für Willi Engel aus Kammermark, Leutnant und Kompanieführer, gefallen am 9. Juni erschien ein Nachruf durch zwei seiner Schüler.

Wie viele Menschen aus unserer Region 1914-1918 ihr Leben ließen sieht man am Kriegerdenkmal am Postplatz. Hier stehen all die Namen der Toten als ewige Mahnung an die, die auch heute wieder Säbelrasseln als probates Mittel sehen.

Das Krieg war, zeigten aber auch andere Meldungen in der Zeitung. So rief der Vaterländische Frauenverein zur Sammlung von Obstkernen zum Zwecke der Ölgewinnung auf. Abgabe in ihrem Sitz in der Mittelstraße 5.

Der Magistrat der Stadt rief zur freiwilligen Abgabe von Herrenanzügen auf. Der Kreis Ostprignitz habe insgesamt 1.500 Anzüge abzuliefern. Gelänge das nicht auf freiwilliger Basis, würde man zwangsweise eintreiben.

H. Weinreich suchte 20 Frauen für die Feldarbeit. Männer im arbeitsfähigen Alter waren ja kaum noch da. Kriegswirtschaft eben.

Schuhbedarfsscheine, Abgabebescheinigungen und Formulare zur Erlangung eines solchen Schuhbedarfsscheines gab es gleich in der Redaktion.

Für Inhaber einer roten Ausweiskarte mit aufgeführten Nummern gab es Freibankfleisch von Rind und Schwein abzuholen. Passende Geldbeträge waren bereitzuhalten!

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Ansonsten wurde allerlei Viehzeug und Landprodukte zum Verkauf angeboten. Eine Jagdpacht in Triglitz war zu vergeben und Schlachtpferde für Hamburg wurden gesucht.

In diesen trüben Zeiten gab es aber auch erbauliches zu lesen: Gegen ergraute Haare wurde ein Mittel angeboten, recht teuer, in der Wirkung natürlich unübertroffen und „garantiert unschädlich“! Zu haben in den Apotheken.

Hartmut Winkelmann

Quelle: „Kurier für die Prignitz“ 28.06.1918 zur Verfügung gestellt von Dagmer und Bodo Oberländer

 

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