Arbeit und Soziales

Zwischenruf: Angst in Deutschland

Zwischenruf Kopie

Es wird Zeit den Spieß umzudrehen! …

Jeder von uns hat Angst. Das ist ganz natürlich und auch gut so, schließlich hat uns die Angst während unserer Evolution enorm dabei geholfen potentielle Gefahren einzuschätzen und auf diese schnell zu reagieren. Heutzutage müssen wir – anders als unsere Vorfahren – aber keine Angst vor Krieg, Hunger und Tod haben. Das ist ein Luxus, über den viele Menschen auf dieser Erde leider immer noch nicht verfügen und für dieses Privileg müssen wir dankbar sein.

Aber wenn man in deutschen Großstädten unterwegs ist, dann sieht man – auch hier in Deutschland – Menschen, die doch täglich ums Überleben kämpfen müssen und mit ihrem Leben auf der Straße viel zu regelmäßig mit Gewalt konfrontiert sind. Klar, es gibt Sozialsysteme, die so eine extreme Situation verhindern sollten, aber bei diesen Menschen haben diese komplett versagt. Und das ist nur die Spitze des Eisberges! So ein Versagen gehört sich für eine Industrienation wie Deutschland überhaupt nicht. Punkt. Aus. Ende.

Aber leider verbreitet unser System – so wie es heute funktioniert – unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten Angst. Dieses Erzeugen von Angst ist absolut unvereinbar für so ein reiches Land wie Deutschland. Zumindest wird uns doch immer erzählt, wie gut es uns allen geht und wie viel wir doch konsumieren. Ich würde diese Aspekte unseres Systems gerne mit „Baustellen“ betiteln, das würde aber suggerieren, dass unsere Regierung und Volksvertreter daran arbeiten würden, diese Stellen zu verbessern. Das Gegenteil ist der Fall! In den letzten Jahrzehnten wurde ein System der Angst in Deutschland etabliert und zwar mit großem Erfolg. Angst vor Arbeitslosigkeit – befeuert durch das Sanktionssystem rund um Hartz 4, Angst vorsozialem Abstieg und Angst um die Zukunft der eigenen Kinder.

Auf der jungen Generation lastet ein gewaltiger Druck. Es geht ums Funktionieren, bloß nicht vom System aussortiert werden. Für Freigeister und Sentimentalität ist da kein Platz. Wir züchten uns eine Generation von wandelnden Arbeitssklaven zum Verheizen in unseren Industrien, denn unsere Wirtschaft muss doch wettbewerbsfähig bleiben. Wir schicken die junge und abgerichtete Generation an die Front des Krieges des 21. Jahrhunderts – der Globalisierung. Hitler und die Nationalsozialisten wären stolz. Viele junge Menschen entscheiden sich für ein Studium oder eine Ausbildung nicht, weil sie Spaß an den Themen oder dem Beruf haben, sondern viel mehr, weil sie eine vermeintlich sichere Zukunft garantieren. Das ist einfach nur traurig. Eine Generation, die darum kämpft den Lebensstandard ihrer Kindheit zu erhalten, während es früher selbstverständlich war, dass Kinder ihre Eltern bei weitem überflügeln würden. Auch andere Selbstverständlichkeiten sind zunehmend in Vergessenheit geraten. Was ist aus dem 13.und 14. Monatsgehalt geworden, was aus der 36 Stunden Woche, was aus 30 Tagen Urlaub und was aus unbefristeten Arbeitsverträgen? Manche werden all das noch kennen, zum Standard gehören sie aber schon lange nicht mehr und müssen sich im besten Fall erst einmal „verdient“ werden. Heutzutage ist man doch schon dankbar, wenn der Chef eine Pizza oder eine Flasche Sekt ausgibt – dankbar, dass man überhaupt einen Job hat, der einen über die Runden bringt.

Dieser systemischen Etablierung der Angst, steht gleichzeitig eine enorme Produktivitätssteigerung der Wirtschaft gegenüber – angetrieben durch Digitalisierung, Industrie 4.0 und viele andere technische Errungenschaften. Dieser Kontrast, zwischen dem was diese Volkswirtschaft leistet und dem was wir als Menschen daraus ziehen, ist nicht nur bedenklich, sondern schwerstkriminell! Doch für diese Entwicklung wird nie jemand vor Gericht stehen, denn der Amtseid, den Minister und Kanzler bei Amtsantritt leisten und sich damit dem „Wohl des deutschen Volkes“ verpflichten, ist rechtlich überhaupt nicht bindend.

Fassen wir zusammen: die Menschen, die über die Jahre ein System der Angst in Deutschlandetabliert haben – sei es durch Versagen oder kühle Berechnung – müssen keine Angst davor haben, für eben diese Taten verurteilt zu werden. Paradox. Es wird Zeit den Spieß umzudrehen! Vielleicht fühlen sich Politiker dann dem Volk verpflichtet, wenn sie uns auch juristisch und als Privatperson Rechenschaft schuldig sind und sie nicht nur die Zeche in belanglosen Wahlen zahlen müssen. Vielleicht werden ihre Worte und Versprechen genau dann zu mehr als nur heißer Luft, wenn das Schafott – als Mahnung – direkt im Hinterhof bereitsteht und sie begreifen was es bedeutet Angst zu haben.

Linus Ververs

Linus Ververs

*Linus Ververs hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der meistgelesenen Autoren unserer Zeitung profiliert. Er stammt aus Pritzwalk, ist 21 Jahre jung und studiert augenblicklich in Berlin. Informatik in Verbindung mit Wirtschaftsprozessen sind sein Schwerpunkt. Nach Abschluss seines Studiums kann er sich eine Rückkehr in die Prignitz gut vorstellen. Alle seine Beiträge finden Sie hier >>

 

PSZ_Wir geben Ihnen eine Stimme_quer_021 mit Pritzwalker

 

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