Geschichte

Vom Schmiedesohn zum streitbaren Pfarrer

Thomas von Aderpul aus Pritzwalk gilt als früher Sozialist …

Thomas Aderpul, ein Vorreiter der Reformation und frühsozialistischer, wenn nicht gar kommunistischer Prediger, stammte aus Pritzwalk. Er wurde als Sohn eines Kleinschmieds aus der Stadt und als Menschen beschrieben, der nicht nur auf Deutsch predigte, sondern auch die angeblich gottgegebenen Eigentumsrechte der herrschenden Klasse infrage stellte. Aderpul ging als Pfarrer ins Mecklenburgische, wo seinetwegen gar eine Fehde mit dem Bischof von Lübeck ausbrach. Auch über diese Pritzwalker Persönlichkeit ist bislang nicht allzu viel bekannt.

Als Priester wirkte er in der ersten Hälfte der 1520er Jahre in der Stadt Pritzwalk un d später im Bistum Lübeck, wo er sich der lutherischen Reformation zuwandte. Wegen seiner reformatorischen Agitation setzte ihn der Bischof von Lübeck ab, hielt ihn eine Zeitlang im bischöflichen Gefängnis in Eutin gefangen und verwies ihn dann aus seinem Bistum. Aderpul ging daraufhin in den Klützer Winkel, wo er Aufnahme bei Berend von Plesse auf Tressow fand. Zu diesem Zeitpunkt war er schon verheiratet. Plesse ermöglichte ihm 1526 den pfarramtlichen Dienst in der Dorfkirche Gressow, zu deren Kirchspiel Tressow gehörte. Der die geistliche Aufsicht und Autorität in Gressow ausübende Bischof von Ratzeburg, Georg von Blumenthal, ließ Aderpul, der seiner Ansicht nach „ein Bube und Ketzer“ war, Anfang Dezember 1529 gefangen nehmen und auf seiner Burg in Schönberg in den Kerker sperren. Alle Bemühungen Berend von Plesses, Aderpul wieder frei zu bekommen, scheiterten an der Unnachgiebigkeit des Bischofs. Mit Aderpuls Gefangennahme durch den Bischof hatten die Adligen einen Anlass zur Fehde gefunden.

Noch im Dezember 1529 erhielt Bischof Georg von Blumenthal einen Fehdebrief; die im Klützer Winkel ansässigen Ritter, vor allem Bernd von Plesse sowie zahlreiche weitere Adelsfamilien aus der Region, griffen nun zur Gewalt und unternahmen einen Fehdezug in das Bistum Ratzeburg, um Aderpul zu befreien; Die geplante Befreiungsaktion ging später als „der Religionskrieg im Bisthume Ratzeburg“ in die mecklenburgische Landesgeschichte ein. Der Fehdezug scheiterte aber an der wehrhaften Befestigung des Schönberger Schlosses. Die Ritter konnten bereits durch drei Kanonenschüsse allesamt in die Flucht geschlagen werden.

Nach mehr als einem Jahr Haft in Schönberg ließ der Bischof Aderpul 1531 frei. Herzog Heinrich verschaffte ihm eine Pfarrstelle in Malchin, wogegen Herzog Albrecht sofort Widerspruch einlegte. Doch mit Unterstützung Herzog Heinrichs konnte Aderpuhl 17 Jahre in Malchin wirken – allerdings nicht sehr erfolgreich, denn 1548 verließ er verbittert Malchin und ging als erster evangelischer Prediger nach Bützow. Noch 1556, kurz vor seinem Tod, immatrikulierte er sich an der Universität Rostock.

Wegen einer Predigt in Gressow, die Georg Christian Lisch als „communistische Predigt“ kennzeichnete und in der Thomas Aderpul nach Aussage des Bischofs gesagt haben soll, „Alle Dinge über, unter und in der Erde, Holzung, Wasser, Weide und Jagd seien einem jeglichen gemein und Niemand sonderlich zuständig.“, galt Aderpul in der DDR als frühbürgerlicher Vorläufer des Sozialismus.

Hartmut Winkelmann

Quellen: Wikipedia u.a.

 

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