Demokratie

Windkraft und Wahrheit

Blick von der Havelberger Straße: Ein Wald von Windrädern bei Kuhsdorf.

 

Zweierlei Maß beim Umgang mit den Betroffenen … 

Die Energiewende ist notwendig, das bezweifelt kein ernstzunehmender Mensch. Die alternative Energieerzeugung muss dazu weiter und noch schneller als bislang ausgebaut werden, Erst kürzlich weihte Kanzlerin Merkel in der Ostsee einen der größten Windparks Europas ein. Am richtigen Platz.

Bedenklich ist bei all dem nur das sehr unterschiedliche Maß, welches bei der Berücksichtigung der berechtigten Interessen der jeweiligen direkten Nachbarn von immer mehr und immer höheren Windrädern angelegt wird. Bei uns, speziell rund um Pritzwalk stehen über 300 Windräder. Es kommen immer mehr und immer größere hinzu. Über die Mindestabstände zu Wohnbauten wird heftig gestritten. Ob ein oder anderthalb Kilometer, vielleicht sogar noch weniger, ist immer wieder fraglich.

Die Bayern, als größte Nutznießer der Energieerzeugung aus Windkraft im Rest Deutschlands, gehen da ganz andere Wege. Sie haben per Gesetz definiert, dass ein Abstand in mindestens 10facher Länge der Höhe des jeweiligen Windrades unwiderruflich einzuhalten ist. Bei gegenwärtig üblichen Höhen von bis zu 240 Metern heißt das, wenigstens 2,4 Kilometer Abstand muss sein!

Somit bleiben auf Grund der engen Besiedlung im selbstbewussten Bayernlande quasi nur noch minimale Eignungsflächen für die Errichtung von Windkraftanlagen übrig. Clever gemacht! Aus bayrischer Sicht!

Angeschmiert sind Regionen wie der Norden Brandenburgs. Weniger Einwohner, geringere Abstandsgebote bedeuten viel mehr Windräder und eine „Verspargelung“ der Landschaft, dem einzigen echten Kapital, welches unsere Gegend besitzt. Die brandenburger Landesregierung hat ihr ursprüngliches Ziel der Ausweisung von sage und schreibe zwei Prozent der Landesfläche inzwischen wegen des vehementen Widerstands an vielen Orten auf anderthalb Prozent gesenkt.

Wer jetzt denkt, dass solche benachteiligten Gebiete über einen günstigeren Strompreis entschädigt werden, der darf sich ruhig als angeschmiert betrachten! Hier bei uns zahlen wir deutschlandweit mit die höchsten Strompreise!

Auf der Grundlage der vor allem von Bundesländern wie Bayern schon vor etlichen Jahren durchgesetzten „Energieeinspeiseverordnung“ trägt die jeweilige Erzeugerregion der alternativen Strommengen die Einspeisekosten. Und was meinen Sie, wer das auf seiner persönlichen Stromrechnung mit aufgetischt bekommt? Richtig geraten!

Wieder clever gelöst! Leider erneut nur aus bayrischer Sicht und der von zahlreichen Vermögensanlegern, denen der umweltfreundliche Strom herzlich egal ist, da ihr Anliegen vor allem eine steuersparende Investition ist. Also eifrig weiter neue Windtürme in der Pampa aufgestellt! Bald sind auch die Waldgebiete nicht mehr tabu.

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie viele Windräder auch bei schönstem Wind stillstehen? Nun ist es ja verständlich, wenn zu starker Luftzug herrscht, dass man die Anlagen auch vor Überlastung schützen muss. Dies ist aber in den seltensten Fällen so. Es wird abgeschaltet, weil es gar keine ausreichenden Ableitungs- bzw. Speicherkapazitäten für all den Ökostrom gibt!

Um es ganz deutlich zu sagen: Windstrom, und auch Photovoltaik müssen weiter ausgebaut werden. Ja. Aber nicht als reines Investmentprojekt ohne Bezug zum ökologischen Ziel. Und erst recht nicht ohne die wirkliche Beteiligung der Menschen, jenseits pseudodemokratischer Raumordnungsverfahren. Menschen, die die Windradwälder vor ihren Fenstern haben und deren echte Wälder bald neuen Investoren-Schneisen zum Opfer fallen könnten.

Hartmut Winkelmann

 

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