Geschichte

Wie es einen kleinen Jungen aus Hamburg zu uns verschlug

Hinter den Dachfenstern oben lebte Klaus Wegner mit seiner Mutter in den Kriegstagen.

Das Haus in der Grünstraße ist sehr gut erhalten.

Als Flüchtlingskind in Pritzwalk … 

Und wieder war das Büro der Stadtzeitung Ausgangspunkt eines interessanten historischen Wissensgewinns: Vor wenigen Wochen kam ein älterer Herr herein. Er stellte sich als Besucher aus der schönen Hansestadt Hamburg vor. Sein Name ist Klaus Wegner. Er erkundigte sich anhand der vielen schönen alten Bilder von Pritzwalk in unserem Schaufenster nach einigen ganz konkreten Gebäuden in der Markt- und der Grünstraße. Nun war mein Interesse geweckt und Herr Wegner begann mir seine außerordentlich bewegende Geschichte zu erzählen. Im Jahre 1943 gehörte er als Vierjähriger gemeinsam mit seiner Mutter zu den zigtausend Opfern der alliierten Bombardements von Hamburg. Ein Feuersturm fegte über die altehrwürdige Stadt. Mit schweren Brandverletzungen gelang es der Mutter mit ihrem kleinen Sohn die Stadt zu verlassen. Viel zu viele Zivilisten überlebten diesen schicksalhaften Tag nicht. Beide gehörten zu den im Anschluss Evakuierten. Und sie wurden nach Pritzwalk geschickt!

Dieses Schicksal teilten viele Bombenopfer aus der Hansestadt. So mancher starb dann hier an den Verletzungen jener schrecklichen Nacht. Auf dem Pritzwalker Friedhof gibt es deshalb im hinteren Teil einen Gedenkstein für diese Hamburger Kriegsopfer.

Der kleine Junge und seine Mutter standen auf dem Pritzwalker Bahnhof und wußten nicht weiter. Da nahm sich ihrer eine wildfremde Frau an. Sie stellte sich als Frau Möller vor, Ehefrau eines Eisenwaren-Ladenbesitzers aus der Marktstraße. Gewohnt hat die Handwerkerfamilie in einem Haus in der Grünstraße. Es ist bis heute erhalten (siehe Foto). Unser Gast war glücklich, als er dieses Haus nach so vielen Jahren wieder erblickte. Wie unsere Zeitung jetzt erfuhr, ist die Familie Möller vor etlichen Jahren in den süddeutschen Raum abgewandert.

Auf dem Dachboden, dort wo die kleinen, schlitzartigen Fenster zu sehen sind überstanden die Flüchtlinge mit Hilfe der Gastgeberfamilie die Zeit bis zum Kriegsende.

So erlebte er auch die Explosionskatastrophe auf dem Pritzwalker Bahnhof mit, wenn auch aus einer gewissen, in diesem Fall sicheren Entfernung. Er kann sich an die Zerstörungen, auch an die Feuer in der Innenstadt danach erinnern.

Als die Sowjetarmee in die Pritzwalk einrückte, stand der kleine Klaus am schmalen Dachfenster und berichtete seiner Mutter was geschah. Vor dem Hauseingang stand noch eine Splitterschutzwand.

Im Jahre 1946 begaben sich die Flüchtlinge per Pferdewagen in Richtung ihrer Heimatstadt. Mit Mühe und Not und einigen Zwischenfällen auf dem Wege kamen sie dort glücklich an und ein neues Leben begann.

Hartmut Winkelmann

 

 

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