Demokratie

rbb lud zur Kritik – und viele kamen

Die Einladung lautete „Den rbb grillen“. Das meinte die landesweite TV- und Radiostation durchaus ernst. Am Dienstagabend wurden zunächst die Bratwürste auf den Grill gepackt und den Gästen kredenzt. Anschließend gab es so manche „heiße“ Frage zum Programm und dem Selbstverständnis des rbb. Man sei auch nicht hergekommen, um nur L abzuholen, stellten die Medienleute gleich zu Anfang klar. In den kleinen Saal des Pritzwalker Kulturhauses waren etwa 60 Gäste gekommen, die sich sehr interessiert zeigten. Ihnen standen von Senderseite der Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus, der Programmchef Fernsehen sowie die Verantwortlichen von „Brandenburg aktuell“ und Antenne Brandenburg Rede und Antwort. Den Abend moderierten sehr sympathisch der „Brandenburg aktuell“-Sprecher Marc Langebeck und Antenne-Moderator Alexander Dieck.

Wer nun erwartet hatte eine artige PR-Veranstaltung des rbb zu erleben, der sah sich angenehm getäuscht. Schon die erste Zuschauerfrage hatte es in sich: Axel Willert aus Pritzwalk wollte wissen, was die Reporter die Landespolitiker denn nun wirklich fragen dürften und wo eine Grenze sei. Das schien den Nerv vieler zu treffen, denn weitere Nachfragen zum Thema folgten umgehend. Die rbb-Führungsleute verneinten eine politische Begrenzung des journalistischen Fragerechts oder eine direkte Einflußnahme der Politiker. Es gäbe schon mal unzufriedenen Reaktionen von denen, wenn sie sich nicht richtig oder ausreichend dargestellt fühlten. So richtig folgte das Publikum dieser Meinung nicht. Es wurde von vielen bemängelt, dass reichlich belanglose Antworten von Politikern zu selten scharf hinterfragt würden. Wenn dieser Eindruck bestehe, dann nehme man das Anregung für die Zukunft mit, meinte der Programmdirektor Schulte-Kellinghaus darauf.

Die weiteren Fragen befassten sich mit dem lokalen Bezug des Fernsehprogramms, mit Themen aus der Region, die vielen zu kurz kamen, wie dem mangelhaften Verkehrs- und Radwegeausbau u.a.. Von Senderseite gab es eine Menge interessanter Informationen zu Abläufen der Programmplanung, der Finanzierung und der Senderaufstellung im Spannungsfeld Hauptstadtregion – Ländlicher Raum. Dabei betonten die rbb-Vertreter, dass auf Grund der begrenzten Finanzausstattung des „kleinen“ Senders manche Träume und Wünsche leider nicht realisierbar seien.

Einige Kritik gab es auch an der spürbaren Dominanz westdeutsch geprägter Moderatoren, bei denen man zu oft merke, dass sie der Geschichte hier vor Ort nicht sehr nahe stehen.

Interessant wurde es noch einmal, als Lucas Anskat fragte, wie sich der rbb denn vorstelle vermehrt jüngere Zuschauer und Hörer zu gewinnen und ob man glaube das mit einer nur linearen Programmfolge (klassisches Fernsehen mit aneinander gereihten Formaten zu festen Sendezeiten) schaffen wolle. Die Notwendigkeit für andere Ansätze sähe man schon am Altersschnitt der heute im Saal versammelten Zuschauer. Da war kaum ein jüngerer Mensch dabei. Schulte-Kellinghaus bestätigte entsprechende Überlegungen in der Rundfunkanstalt. Man könne Fernsehformate auch nicht nur einfach 1:1 ins Internet stellen. Das würden nur wenige dort sehen wollen. Eine gesonderte web-basierte Darstellungsform der Beiträge binde allerdings erhebliches Personal und sei teuer. Beim rbb-Radiosender „fritz“ teste man zur Zeit einige Neuerungen. Radio soll hier durch kleine Web-Videos ergänzt werden. „fritz“ solle zu einer digitalen Marke entwickelt werden.

Es gab eine ganze Reihe weiterer Anregungen und Anfragen. Nach zwei Stunden angeregten Gespräches kam man zum Schluß. Auch im Anschluß gab es noch Gelegenheiten zu individuellen Gesprächen mit den Medienmachern. Insgesamt also viel mehr als ein PR-Termin. Den Besuchern hat`s jedenfalls gut gefallen. Der rbb organisiert ähnliche Abende in verschiedenen Regionen des Landes.

Hartmut Winkelmann / Fotos (5)

 

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