Geschichte

Was war los in der Welt als Pritzwalk zur Stadt wurde?

Eine Urkunde aus jener Zeit.

Ein historischer Rückblick …

Man schrieb das Jahr 1256 a.D. als dem kleinen Flecken Pritzwalk, ganz im Norden der noch nicht unumstrittenen Markgrafschaft Brandenburg gelegen, vom Fürstenhaus der Askanier das Stadtrecht verliehen wurde. Die Grundlagen für die spätere gedeihliche Entwicklung des Ortes. Man erlangte damit gewisse Rechte, die vor allem mit Steuererhebung und Handel zu tun hatten.

Von einer wirklichen Stadt zu reden, war in jenem Jahr in Bezug auf Pritzwalk vielleicht etwas übertrieben. Die wenigen hundert Einwohner lebten zumeist in einfachen Holzkaten. Die städtische Entwicklung stand erst am Anfang. Im gleichen Jahr begann der Bau der St. Nikolai-Kirche im Stadtzentrum, allerdings in viel einfacherer Ausführung, als wir es heute kennen. Die jetzige Form mit dem eindrucksvollen Steinturm entstand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Was war um das Jahr 1256 sonst so los in der Welt? Werfen wir einen kleinen Blick darauf.

In Brandenburg regierten die Markgrafen Johann I. aus dem Hause Askanien-Stendal und Otto III. als Spross der Linie Askanien-Salzwedel. Deutscher Kaiser war Wilhelm von Holland, der aber schon im Januar beim Kampf gegen die aufständischen Friesen fiel. Ihm folgte im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ – so der offizielle Name – ein langjähriges Interregnum mit schnell wechselnden Regenten aus dem Kreis der Kurfürsten. Man kümmerte sich wenig um die gemeinsamen Interessen der deutschen Lande. Partikularinteressen und die Ziele ausländischer Mächte waren zumeist ausschlaggebend. Um die ferne, wilde Prignitz mit ihren begrenzten Reichtümern kümmerten sich die hohen Herren kaum.

In Rom wurde 1254 Papst Alexander IV. ins Amt gewählt (Nicht zu verwechseln mit dem späteren berühmt-berüchtigten Borgia-Papst Alexander). Dieser „Stellvertreter Christi“ gründete 1256 den Augustiner-Orden.

Wenige Jahre zuvor war in Florenz die erste Goldmünze geprägt worden. Norditalien wurde immer mehr zu einem prosperierenden Zentrum Europas. In Paris entstand 1257 die noch heute bekannte Universität Sorbonne unter Ludwig IX.

Kublai Khan.

1258 eroberten die Mongolen die damalige Weltstadt Bagdad. Zwei Jahre später wurden sie allerdings vom ägyptischen Sultan Kortuz wieder über den Euphrat zurückgetrieben. 1260 kam der berühmte Kublai Chan in China an die Macht und regierte 34 Jahre.

Im noch unbekannten Amerika waren die späteren Großreiche der Azteken, Maya und Inka noch Zukunftsprojekte. Kleinere Priesterreiche entwickelten sich bereits.

Während man im jungen Pritzwalk versuchte seine grundlegenden Lebensfragen zu lösen und an zumeist primitiven Gebäuden arbeitete, baute man in Straßburg bereits am Münster und errichtete in Lübeck die Marienkirche. 1260 wurde die wunderbare Kathedrale von Chatres geweiht.

An der Ostsee taten sich die großen Handelsstädte Lübeck, Wismar und Rostock zusammen und gründeten 1259 ein Handelsbündnis.

Insgesamt also eine Zeit mit verschiedenen Entwicklungsstufen. Die Mark Brandenburg war da noch sehr am Anfang und spielte politisch und kulturell keine große Rolle.

Hartmut Winkelmann

Quellen: „Propyläen Weltgeschichte“ 1932 und „Wer regierte wann?“ 2001

Aus der PRITZWALKER STADTZEITUNG Ausgabe 62 – Februar 2019

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