Innenstadtbelebung

Sanierung oder Abriss: Wie Pritzwalk mit altem Baubestand umgeht

Laut flattert die Plastikplane auf dem Dach des Eckhauses Havelberger Straße 79 im Wind. Darunter steht Jana Prüfer und diskutiert mit Dachdecker Marcel Lublow die nächsten Schritte: Ein Teil der Zwischendecken im alten Wohnhaus musste herausgenommen werden. Nur noch die Balken sind zu sehen. „Wo es nötig ist, werden sie ausgetauscht“, sagt die Planerin. Ein Holzgutachter ist bestellt.

Die Schäden an dem Eckgebäude sind groß. „Beim kleineren Anbau mussten wir einen Teilabbruch vornehmen“, erklärt Planerin Prüfer während der wöchentlichen Bauberatung. Das Dach war eingestürzt. Nun sollen die Außenwände gesichert werden, sodass der Gesamteindruck zur Straßenfront erhalten bleibt.

Marcel Lublow und seine Kollegen haben vom Haupthaus die alte Dacheindeckung heruntergeholt und die Dielung aufgenommen. Nur so können sie beurteilen, wo die Balken so marode sind, dass sie ersetzt werden müssen. „Das Walmdach war undicht“, erklärt Jana Prüfer, „da hat es jahrelang hereingeregnet.“ Entsprechend groß ist der Schaden an der hölzernen Trägerkonstruktion im Inneren.

Dank der 100-prozentigen Förderung über den Stadtumbau können nun das Dach gedeckt, ein Notdach auf dem teils abgebrochenen Anbau installiert sowie die Sanitär- und Elektroleitungen im Haus ausgebaut werden. Damit ist die Bausubstanz erst einmal gesichert. Im Mai soll alles fertig sein. Dann gilt es, Kaufinteressenten zu finden.

Das Gebäude ist eine von zwei Immobilien der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Pritzwalk, die jetzt in Angriff genommen werden können. Vom leergezogenen Wohnblock in der Schillerstraße 34 bis 38 kann sich die WBG endlich verabschieden. Außerdem will eine private Grundstücksgemeinschaft das Wohngebäude Meyenburger Straße 3 sanieren.

Die drei Projekte gehören zum Stadtumbauprogramm, über das Fördermittel von Bund und Land sowie von der Stadt beantragt werden können – und zwar bis zu 100 Prozent. Der Stadtumbau ist Teil des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes INSEK 2020. „Das ist sicher interessant für private Bauherren, die im Innenstadtbereich eine Förderung beantragen können“, sagt der Pritzwalker Bürgermeister Dr. Ronald Thiel.

Jetzt steht der Bauzaun

„Seit fünf Jahren wird der Abriss des Wohnblocks in der Schillerstraße vorbereitet“, blickt Sylke Hildebrandt vom Amt für Stadtentwicklung bei der Vor-Ort-Begehung zurück. 2015 sei das Projekt durch den Flüchtlingszuzug verschoben worden: Die Wohnungen wurden wieder gebraucht. „Am 31. Januar sind aber nun die letzten Mieter ausgezogen“, informiert Halldor Lugowski, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung.

Inzwischen steht der Bauzaun. „Jetzt werden alle Erschließungsleitungen getrennt, danach folgt die Entkernung“, erklärt Lugowski. Fenster, Türen und lose Einbauten werden von Hand herausgenommen, bevor der große Abrissbagger kommt.

50 Wohnungen beherbergt der Block.

Ersatz in der Tuchfabrik geschaffen

„Die Bevölkerungsprognose sieht aber so aus, dass wir diese nicht mehr benötigen“ sagt Sylke Hildebrandt. Mit dem Umbau der alten Tuchfabrik seien 30 Ersatzwohnungen geschaffen worden. Außerdem wurde berechnet, was eine Sanierung des Wohnblockes in der Schillerstraße kosten würde: utopisch. „Das würden wir über die Miete nie wieder hereinbekommen.“

Baustart für die beiden WBG-Projekte war im Februar 2019. Nach dem Abriss des Wohnblocks in der Schillerstraße – übrigens inklusive aller Nebenanlagen – soll die Fläche zunächst begrünt werden. Über den Stadtumbau können 100 Prozent der Gesamtkosten gefördert werden. Irgendwann soll auch der zweite Wohnblock weg, sagt Amtsleiter Lugowski. Dann könne man neue Ideen für das Areal entwickeln.

Privater Investor wird auch aktiv
Nach langem Leerstand ist es auch gelungen, das Grundstück Meyenburger Straße 3 zu veräußern, informierte Bürgermeister Thiel. Die private Grundstücksgemeinschaft plant eine Komplettsanierung. Neun moderne Wohnungen sollen entstehen. Die Grundstückszufahrt erfolgt über die Burgstraße.

Am Giebel werden laut Sylke Hildebrandt Balkone angebaut, auf der Hofseite ein Fahrstuhl. Alles soll barrierefrei sein. „Das Dach wird zur Straße hin heruntergezogen, sodass das Gebäude optisch eine Etage kleiner wirkt“, sagt die Stadtplanerin. Im zweiten Quartal 2019 könnte es losgehen. Im Frühjahr 2020 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. Die Gebäudehülle wird über den Stadtumbau zu 20 Prozent gefördert. Beate Vogel

Fotos:  Stadt Pritzwalk / Beate Vogel / Fotos (3)

 

 

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