Arbeit und Soziales

Nachgefragt: In Österreich gibt`s viel mehr Rente – warum?

 

 

 

Deutschland liegt beim Rentenniveau in Europa ganz weit hinten. Nach 35-40 Jahren Arbeit kommt für immer mehr Rentner nicht mehr genug zum Leben raus. Mit der zunehmenden Überalterung der Gesellschaften haben auch die anderen Staaten zu kämpfen – wie und warum schaffen sie es aber ihren „Alten“ einen finanziell sehr viel sicheren Lebensabend zu garantieren?

Die PRITZWALKER STADTZEITUNG fragt in ihrer neuen Serie nach, stellt Alternativen vor. Dabei merkt man schnell, dass es besser gehen würde – wenn die Regierenden das nur wollten!

In Österreich gibt`s viel mehr Rente – warum?

Umlagefinanzierung und fast alle Bürger zahlen ein … 

„Das Sozialversicherungs- und Rentensystem von Österreich ist umlagefinanziert. Es unterscheidet sich in einem erheblichen Punkte zum deutschen Rentensystem. Alle Bürger außer die Beamten zahlen in die Rentenkasse ein. Auch alle Selbstständigen. Es gibt für die Bürger nur diese eine staatliche Vorsorge mit starken Leistungen und eine obligatorische Betriebsrente. Wir klären auf, was hinter dem Rentensystem in Österreich steckt.
Das österreichische Rentensystem wird über Beiträge und Steuerzahlungen finanziert. Es gibt weder eine steuerfinanzierte Riester- noch Rürup-Rente für Selbstständige. Auf diese zusätzlichen Altersvorsorgesystem verzichtet Österreich vollständig, mit Erfolg wie man sehen kann!

Das österreichische Gesundheitssystem wird trotz niedriger Krankenversicherungsbeiträge von 7,65% als eines der besten im internationalen Vergleich beurteilt (Kosten – 10,2% Bruttoinlandsprodukt).

Die Arbeitslosenversicherung in Österreich mit Beitragssätzen von 3% jeweils für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, ist auch ohne Hartz IV solide finanziert. In Österreich sichert die gesetzliche -standard der Rentner komplett ab.

Die staatliche Rentenversicherung umfasst die Alterspension, die Invaliditätspension sowie die Hinterbliebenenpension. Um Altersarmut entgegenzuwirken erhalten Rentner bei Unterschreitung der Mindestleistung eine steuerfinanzierte Ausgleichszulage.

Der vorzeitige Ruhestand bedeutet in Österreich hohe Abschläge. Im Gegenzug erwirbt der länger Arbeitende nur relativ geringe Rentenniveauzuwächse. Weitere mögliche, anders finanzierte, Säulen werden nicht staatlich gefördert. Allerdings besteht seit 2003 eine Betriebsrentenpflicht, bei dem die Arbeitgeber einen Pflichtbeitrag von 1,53% des Bruttomonatslohns für jeden Arbeitnehmer in Vorsorgekassen einzahlen. Bei Renteneintritt kann der Arbeitnehmer zwischen einer Gesamtauszahlung oder monatlicher Zusatzrente wählen.

Ein Wort zu den österreichischen Beamten. Sie werden zwar nicht in die Rentenversicherung einbezogen, aber die Leistungen werden schrittweise an die der Erwerbstätigen angepasst. Dies erhöhte die Akzeptanz für die Rentenreformen. Natürlich werden die Pensionen aus einem anderen Budget finanziert.

Die Beiträge zur Rentenversicherung betragen 22,8 Prozent des Bruttogehalts, liegen also etwas über dem deutschen Niveau. Der Anteil der Arbeitnehmer beträgt 10,25 Prozentpunkte, der der Arbeitgeber 12,55 Prozentpunkte.

Beitragspflicht aller Erwerbstätigen und Selbstständigen: Es zahlen alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung ein, auch die selbstständig Tätigen.

Nach den Rentenreformen in den frühen 2000er Jahren, hat jeder Erwerbstätige ab dem Jahrgang 1955 ein sogenanntes Pensionskonto. Jedes Berufsjahr wird mit 1,78% des jährlichen Bruttoverdienstes, bei einem Höchstbetrag von rund 5000€, gutgeschrieben. Mit Erreichen des Renteneintrittsalters, wird die Summe der beruflichen Lebensleistung auf dem Pensionskonto durch 14 geteilt. Das ergibt die monatliche Bruttorente. Da in Österreich für Erwerbstätige 14 Monatsgehälter nahezu obligatorisch sind, gibt es volles Urlaubs- und Weihnachtsgeld auch für die Rentner. 14 Monatsrenten sind das Ergebnis!

Beispiel: 50.000 € Brutto Jahresgehalt
50.000 Euro * 1,78 Prozent = 890 Euro Gutschrift. Arbeitet ein Muster-Angestellter 40(45) Jahre zum Jahresgehalt 50.000€, ergibt das

890 Euro * 40(45) Jahre / 14 Monate = 2543 Euro Bruttorente / Monat

Das österreichische Rentensystem: Österreichische Superrente, Wie geht das?

Erstens
Die Österreicher zahlen mit einem Beitragssatz von 22,8 Prozent deutlich mehr ein als die Deutschen (18,7). Allerdings zahlen die Arbeitgeber in Österreich höhere Beiträge ein(s.o.) und das gesetzliche Rentenniveau ist damit erheblich höher.

Zweitens
Mit Einbeziehung der Selbstständigen, erhöht sich der Anteil der Beitragszahler in Österreich (71 Prozent) gegenüber Deutschland (64 Prozent).

Die bessere demografische Struktur in Österreich ergibt sich aus der schon seit längerer Zeit bestehenden Zuwanderung von möglichen Beitragszahlern. Auf einen Rentner kommen 3,4 Erwerbstätige. Zum Vergleich, in Deutschland ist es ein Rentner auf 2,9 Erwerbstätige. Übrigens, in Österreich sind auch Politiker beitragspflichtig!

PSZ

 

 

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