Arbeit und Soziales

Ein Jahr im Amt – Versuch einer ehrlichen Bilanz

Es ist tatsächlich schon ein ganzes Jahr her, seitdem Dr. Ronald Thiel den Job übernahm, in den ihn eine überzeugende Mehrheit der Bürger gewählt hatte. Wie sieht nun ein erstes Zwischenfazit aus?

Er hat unsere kleine Pritzwalker Welt nicht aus den Angeln gehoben – aber das war auch weder seine Aufgabe, noch sein Bestreben. In Bewegung gekommen ist einiges, manches davon auch in eine positive Richtung. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit wollen wir uns einige wichtige Themen der Stadtpolitik anschauen.

Es fing gut an: Ronald Thiel führte das Wort „Gemeinsam“ öfter im Munde, als es früher über Jahre hinweg von der Verwaltungsspitze verwendet wurde. Er ließ auch Taten folgen. Stadtgremien und Fraktionsvorsitzende wurden informiert und um ihre Meinung gebeten, bevor man Entscheidungen anstieß. Ein deutlich frischerer Wind wehte durch die Pritzwalker Kommunalpolitik! Leider hat sich dieses angenehme Lüftchen im letzten halben Jahr merklich gelegt. Schade!

Entschieden hat Thiel die alten Strukturen in der Verwaltung umgekrempelt. Manches Hüh und Hot beim Finden der geeigneten neuen Aufgabenzuschnitte sei ihm verziehen, da es manchmal einfach an passend qualifizierten Bewerbern für die eigentlich geplanten Ressortzuschnitte mangelte. Das richtige Händchen in der sonstigen Personalführung fand der neue Chef wohl nicht immer. Unzufriedenheit über manche Entscheidung ist in der Verwaltung spürbar.

Was wirklich sehr gut geklappt hat, war die Auswahl zweier neuer Amtsleiter von außerhalb. Mit Frau Kadasch im Bereich Verwaltung/Bürgerservice u.a. sowie Herrn Lugowski im Amt für Infrastruktur/Stadtentwicklug kamen zwei absolut kompetente, agile und umgängliche Führungskräfte ins Rathaus. Beide haben bereits bewiesen, was sie können.

Nicht so gut kann der neue Bürgermeister offensichtlich mit der Presse und Kritik als solcher umgehen. Kritik an aus eigener Sicht nicht korrekter Darstellungen muss immer erlaubt sein, wie Dr. Thiel aber gegenüber der MAZ und einzelnen ihrer Autoren agierte, war in Teilen nicht sehr sachlich und überzogen. Unsere Stadtzeitung ignoriert er weiter geflissentlich. Sein Umfeld sollte ihm vielleicht einmal flüstern, dass wir inzwischen täglich über unser Online-Angebot ein Mehrfaches der sonstigen Tagespresse erreichen. Auch die bisher nur monatlich erscheinende Druckausgabe geht weg „wie warme Semmel“ und erreicht Tausende Pritzwalkerinnen und Pritzwalker. Wir haben uns dem „Neuen“ im ersten Amtsjahr bewusst viel Verständnis entgegengebracht. Einige unserer Leser fragten uns bereits, warum wir so „nett“ geworden seien. Das Angebot zu einem fairen Umgang steht weiter – dazu gehören aber immer zwei Seiten!

Der kürzliche Start eines Hausblattes der Verwaltung mit einem makellos schönen Pritzwalk im Blick ist hoffentlich nicht der langweilige Versuch des Aufbaus einer gefälligen Presse, finanziert aus Steuergeldern in Kooperation mit einem reinen Anzeigenblatt. Das wäre eher peinlich – und übrigens auch wieder ein absoluter Alleingang des Rathauschefs.

Viel Gemurre, Vermutungen und öffentliche Kritik löste Thiels Agieren bei Personalfragen in Unternehmen mit städtischer Beteiligung aus. Gerade in der WBG wurde ihm in Leserbriefen und Presseberichten die Parteinahme für einen guten persönlichen und politischen Freund für den Chefposten vorgeworfen. Die Richtigkeit des Vorwurfs sei dahin gestellt. Ob sich hier allein die Kompetenz der Bewerber durchsetzt, muss der WBG-Aufsichtsrat alsbald mit Bedacht entscheiden.

In manchen Tagen kommt einem der Gedanke, dass Dr. Thiel seine Verbündeten in Sachfragen an ganz falschen Stellen und in überholten politischen Schemata vermutet. Damit stößt er vielleicht anderen, ehrlichen Mitstreitern vor den Kopf.

Der Bürgermeister hat eine Reihe guter neuer Formate des kommunalen Miteinanders angestoßen. So werden Neugeborene und deren Eltern persönlich vom Rathauschef empfangen, es wird einen Bürgermeisterempfang geben und Ehrenamtler erhalten verdientermaßen noch mehr öffentliche Anerkennung.

In Sachen Hainholz mit all den Streitpunkten der letzten Jahre setzt Thiel stärker auf ein Miteinander. Der Verkauf der alten Baumschule ist vom Tisch, der Streichelzoo hat eine Zukunftschance und am Gesamtkonzept für den Hainholz wird gearbeitet. Gut so!

Etliche konkrete Planungsschritte für die Schaffung von neuem Wohnraum und von Gewerbeflächen sind in Angriff genommen, der Bauhof arbeitet sehr gut, die Museumsfabrik nimmt immer mehr Gestalt an. Die Öffentlichkeitsarbeit der Verwaltung hat sich massiv in Stil und Qualität verbessert. Der Bürgerhaushalt ist ein echt großer Wurf! (Wir berichteten).

In der kommunalen Gemeinschaft will die Stadt eine aktivere Rolle spielen. Nur mit den Nachbargemeinden kann man die Region nach vorn bringen. Dafür braucht man ein echtes Miteinander. Die Stimmung gegenüber Pritzwalk ist dort in letzter Zeit, wohl wegen manchen Alleingangs, nicht gerade besser geworden. Der rabiate Vorstoß zur Wiedereinführung des PK-Autokennzeichens ist krachend gescheitert. Etwas mehr Miteinander mit anderen Städten im Vorfeld wäre wohl auch hier angebracht gewesen. Seis drum! Wirklich wichtig war das nicht.

Bei aller Bilanz ist eines entscheidend: Wie kommt das Ganze beim Bürger an? Das Bemühen des neuen Bürgermeisters wird von vielen gesehen. Etwas mehr Schwung hatten wir doch auch alle so lange gefordert! Thiel ist öffentlich präsent, auch in den neuen Medien – leider fast nur bei seinen Unterstützern. Es hat sich was getan, ja. Nur fragt sich mancher Pritzwalker, was von all dem neuen Tonfall bei ihm als konkrete Verbesserung ankommt. Das ist die Crux eines jeden Amtsinhabers. Wir wünschen Herrn Dr. Thiel auch im neuen Amtsjahr allzeit ein glückliches Händchen. Das Zeug dazu hat er! Wir werden gern über alles positiv berichten, was unser Pritzwalk nach vorne bringt.

Hartmut Winkelmann / Foto (1)

 

 

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