Familie

Auf dem höchsten Punkt der Stadt

Am Sonntagnachmittag herrschte wunderbares Spätsommerwetter. Wer sich aufraffen konnte und zum Pritzwalker Trappenberg ging oder radelte, der wurde belohnt. Die Gesellschaft für Heimatgeschichte und die Museumsfabrik hatten anläßlich des 25. Tages des offenen Denkmals zur Besichtigung des Bismarckturmes geladen. Es gab eine Menge geschichtlicher Informationen zur Entstehung des Bauwerks im Jahre 1905. Dr. Wolfgang Simon, Vorsitzender des Heimatvereins, berichtete über die entsprechende Zeit mit Sachkenntnis und guter Laune.

1898 war der Reichskanzler Bismarck gestorben. Er galt den Deutschen damals als eigentlicher Begründer des vereinten Deutschen Reiches nach dem Krieg von 1870/71, war aber auch ein reaktionärer Geist und u.a. für die sogenannten „Sozialistengesetze“ verantwortlich. Überall im Land errichtete man zu jener Zeit zu seinen Ehren diese Art von Türmen. So auch in Pritzwalk. Kriegervereine, Gutsherren und Privatpersonen spendeten für den Bau. Insgesamt soll er etwa 10.000 Reichsmark gekostet haben, was für damalige Verhältnisse eine Menge Geld war. Wer in größerem Maße gespendet hatte, konnte sich auf einem der gewichtigen Steine des Bauwerkes verewigen lassen. Dort staunt man auch heute noch, welch große Kreise dieses Bauvorhaben anscheinend zog. Ausgeführt wurden die Arbeiten von einem heimischen Maurermeister und seinen Gesellen.

Im April 1905, anläßlich des Geburtstages des verblichenen „Eisernen Kanzlers“, feierte man mit über 2.000 Gästen und 75 Vereinen bei stürmischem Wetter die Einweihung. Anwesend war u.a. der damalige Pritzwalker Bürgermeister Doerfel.

Der Turm ist 17 Meter hoch, wirkt aber sehr viel größer, da er auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet wurde. Die zahlreichen Gäste des Nachmittags ließen es sich nicht nehmen, den Turm zu besteigen. Es geht über zwei größere Räume, in denen Anschauungstafeln über die Geschichte und Bedeutung des Bauwerks Auskunft geben, über eine sehr enge, gewundene Treppe auf die Aussichtsplattform an der Spitze. Ursprünglich loderte darüber auch noch ein gasbetriebenes Feuer. Einmal schoss angeblich eine 15 Meter hohe Flamme aus dieser Konstruktion. Das war dann auf die Dauer allen wohl zu gefährlich und die Installationen gingen im Laufe der Zeiten verloren.

Eigentlich stand der Turm frei auf dem Trappenberg und war nur von niedrig bewachsenen Parkanlagen umgeben. Das änderte sich mit den Jahren. Heute wachsen rings um den Bismarckturm hohe Bäume. Ein Blick auf die Stadt ist nur sehr eingeschränkt in einer kleinen freigeschnittenen Sichtachse möglich. Man schaut hier auf die St. Nikolai-Kirche und die Altstadt. Der Blick geht auch weit über die Stadtgrenzen hinaus. Wieder unten angekommen konnten sich die Geschichtsinteressierten an Kaffee und leckerem Kuchen erfreuen.

Insgesamt war das ein sehr schöner Nachmittag. Schade nur, das so wenige jüngere Menschen Interesse an diesem Teil der Stadtgeschichte zeigten. Den Schlüssel für eine individuelle Besichtigung des Bauwerks kann man beim Ordnungsamt im Bahnhofsgebäude ausborgen.

Hartmut Winkelmann

 

 

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