Bildungsarbeit

Wie man sein Bier auch selbst brauen kann

Interessantes zur Geschichte der Braukunst.

Es wurde eifrig probiert.

Tom Wolf (Mitte) verteilt Proben des schäumenden Gerstensaftes.

Der stolze Hausbrauer.

Das „PannaCotta“-Team um Inhaberin Silke Müller (re.) und ihrer Tochter sowie Mitarbeiterinnen der Museumsfabrik halfen heute einmal als „Mundschenk“.

Vortrag und Verkostung mit Tom Wolf …

Es gibt Abendtermine, die ein Stadtzeitungsreporter wirklich gerne wahrnimmt. Wenn sich die Veranstaltung dann auch noch richtig interessant und angenehm gestaltet, macht es erst so richtig Spaß. So geschehen am gestrigen Abend. Die Museumsfabrik hatte zum Auftakt einer Serie von vier Vorträgen zum Thema „Bier-Kultur“ ins Museumscafe eingeladen. Museumschef Lars Schladitz begrüßte die knapp 20 Besucherinnen und Besucher – darunter auch einige ehemalige Brauereimitarbeiter – und übergab dann an den Dozenten des Abends. Tom Wolf, als freier Schriftsteller mit seinen erfolgreichen historischen Kriminalromanen aus der Preußenzeit und der Geschichte der Hanse bekannt, ist – so ganz nebenbei – seit einigen Jahren auch Bierbrauer. In seinem Haus in Putlitz hat er sich eine kleine Brauerei aufgebaut, die es ihm erlaubt selbst Craft-Bier zu produzieren. Craft-Bier-Brauen ist eine aus Amerika stammende Art der Bierherstellung, die sich sehr von der industriellen Massenproduktion des herkömmlichen Gerstensaftes unterscheidet. Unzählige Zutaten und kleine Kniffe sind dem Brauer dabei erlaubt.

Tom Wolf beschrieb den Zusammenhang zwischen seinen beiden Passionen wie folgt: „Ein Gärtank beim Bierbrauen und der Kopf eines Schriftstellers haben viele Ähnlichkeiten. In beiden entwickelt sich etwas, kommt zu einem Ende, welches man nicht immer genau vorherplanen kann.“ Ein schöner und treffender Vergleich!

In seinem Vortrag gab Wolf einen Überblick über die Geschichte der Braukunst. Es ist erstaunlich, dass wohl schon vor 12.000 Jahren im heutigen Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien bierähnliche Produkte hergestellt wurden. Neuste archäologische Funde deuten darauf hin. Über die Jahrtausende entwickelte sich das Bier zu dem, was wir heute kennen und genießen. Aus dem alten Ägypten sind Abbildungen mit einem Alter von etwa 8.000 Jahren überliefert, die fröhliche Zecher beim gemeinsamen Umtrunk aus einem großen Gefäß mittels so etwas ähnlichem wie Strohhalmen zeigen. „Das sieht ja aus wie heute am Ballermann!“ fiel mir dazu spontan ein. Im Mittelalter war das Bierbrauen dann ein vollwertiges Handwerk. Die Verwendung von Hopfen setzte sich durch. Vorher nutzte man alternativ auch verschiedene Kräuter. Seit jener Zeit existiert auch das berühmt-berüchtigte deutsche Reinheitsgebot. Nur mit bestimmten genau definierten Zutaten war von nun an die Biererzeugung erlaubt, ansonsten „möge man dem, der sich nicht dran hielte, sein gebrautes Fass wegnehmen“.

Das sommerlich-fruchtige „Potsdamer Stange“.

Herrlicher „Weizen-Doppelbock“ mit wunderschöner Färbung.

Nun ging es um das Hausbrauverfahren selbst. Welche Schritte, welche Ingredenzien und welcher Zeitaufwand waren nötig, um ein eigenes Gebräu zu erzeugen? Das erfuhren die Gäste des Vortrages in unterhaltsamer Weise.

Und dann näherte sich die Veranstaltung dem heißersehnten Höhepunkt: Die Verkostung von eigens durch Tom Wolf erzeugten Biersorten. Anfänglich bekam man ein Sauerbier zum Probieren. Sehr herb und vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Verwendet wurden dafür auch Kräuter aus unserer unmittelbaren Umgebung. Dem folgte dann eine Eigenkreation im Stile eines als „Potsdamer Stange“ bekannten Getränkes. Es handelt sich dabei um ein helles, leicht fruchtig schmeckendes Bier, das man wohl mit gutem Grund ein Sommerbier nennen könnte. Den anwesenden Damen schmeckte diese Variante am besten. Und schließlich der Höhepunkt: Der Wolfsche „Weizen-Doppelbock“. Die einzelnen Geschmackskomponenten sind in diesem ungefilterten und rot-blonden Bier herrlich heraus zu spüren. Welch ein Genuß für den halbwegs bierkundigen Probetrinker! Tom Wolf suchte mit jedem Gast das persönliche Gespräch darüber, wie es denn gemundet hatte. Er bekam viel Lob zu hören.

Wolf bietet in Putlitz, aber auf Wunsch auch an anderen Orten, Kurse in der Hausbraukunst für Interessierte an. Wenigstens sechs Leute sollten sich dazu finden, damit sich ein Kurs auch lohnt. Dort lernt man dann das notwendige Rüstzeug für das eigene Bier. Alles Notwendige dazu kann unter www.prignitz-bier.de nachgelesen werden.

Es war ein wahrhaft gelungener Abend, der Lust auf die eigene Bierherstellung weckte. In den weiteren Veranstaltungen wird es Vorträge u.a. zu den Themen „Biermanufakturen in Berlin“ am 24.7. und „Europäische Bier-Kultur“ am 24.8. geben. Diese hochinteressante Sommer-Reihe mit sehr gutem Bezug zur Pritzwalker Brauereigeschichte wird abgeschlossen am 30.8. mit einem Vortrag zur „Uckermärkischen Braumanufaktur“.

Der gesamte Abend wurde in sehr angenehmer Weise durch das Team des Cafes+Bistros „PannaCotta“ aus der Marktstraße durch leckere, gut zum Biergenuß passende Speisen begleitet.

Hartmut Winkelmann

Tom Wolf als Schriftsteller – Hier finden Sie seine Bücher >>

 

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