Land & Bund

Kommt der Fahr- und Sehtest für Ältere?

Statistiken zeigen, dass Ältere ein hohes Unfallrisiko im Straßenverkehr sind. Schmerzlich sind die kürzlichen schweren Unfälle von älteren Kraftfahrern in Erinnerung, bei denen ganze Rad- bzw. Motorradfahrergruppen einfach überrollt wurden und es dabei Tote und Schwerverletzte gab. Auch aus unserer Region sprechen die Unfallberichte eine deutliche Sprache. Versicherer und Unfallforscher fordern deshalb Fahr- und Sehtests. Andere Länder sind da bereits viel weiter. Doch an die Autofahrer traut sich in Deutschland kaum ein Politiker heran.

Die Augen sehen schlechter, die Reaktionen werden langsamer, der Schulterblick fällt schwerer. Viele Senioren ab 75 Jahren sitzen trotz Einschränkungen immer noch am Steuer. Dadurch verursachen sie überproportional viele schwere Unfälle.

Rentner als Risiko

Gerät ein Senior ab 75 in einen Unfall mit Toten und Verletzten, dann ist er in drei von vier Fällen der Verursacher, so die Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Die Quote liegt damit höher als bei der Hochrisikogruppe der 18- bis 24-Jährigen.

Da Menschen immer länger leben, wird es in Zukunft noch mehr Unfälle mit Rentnern geben, prophezeien Unfallforscher. Daher fordern sie eine gesetzlich verpflichtende „Feedbackfahrt“ für alle Autofahrer ab 75 Jahren mit geschulten Beobachtern. Außerdem wollen sie regelmäßige Sehtests im Abstand von fünf Jahren – auch für junge Autofahrer.

Ob Tests für Senioren den Straßenverkehr wirklich sicherer machen, können die Wissenschaftler allerdings nicht genau sagen. Viele Experten meinen dennoch, dass eine Regelung gefunden werden müsse, da nicht nur das Alter der Rentner deutlich steigen wird, sondern auch deren Zahl.

Indes: Viele Senioren hängen an ihrem Auto und viele von ihnen brauchen es für ihre täglichen Wege. Populär ist die Forderung der Versicherungen deshalb nicht. Schon gar nicht, unsichere Rentner dazu zu zwingen, den Führerschein abzugeben.

Vorerst keine Pflichttests für Senioren vorgesehen

Die deutsche Bundesregierung handelt so, wie fast immer: Überhaupt nicht! Man sieht hier keinen Handlungsbedarf, obwohl die ganz realen Daten eigentlich dringend zur Handlung verpflichten. „Pflichttests für Senioren wird es nicht geben.“ meint das zuständige Bundesverkehrsministerium auf Nachfrage. „Wir setzen auf Freiwilligkeit und wollen die Autofahrer nicht bevormunden.“

Letztlich bleibt also nur der Appell an die Vernunft: Wer sich nicht mehr fit genug fühlt fürs Autofahren, kann den Führerschein freiwillig zurück geben oder zumindest freiwillig eine „Feedbackfahrt“ bei einem Verkehrsclub oder anderen Anbietern absolvieren. Solcherart Fahreignungstest werden bereits seit einiger Zeit angeboten. Sie kosten etwa 50 Euro und man erhält dafür auch auf die individuelle Situation bezogene Hinweise für das Mobilitätsverhalten.

In einzelnen Musterkommunen erhalten Senioren, die freiwillig ihre Fahrerlaubnis abgegeben einen kostenlosen Gutschein für die öffentlichen Verkehrsmittel für ein ganzes Jahr. Was macht man aber in Regionen wie der Prignitz, wo von einem flächendeckenden und an Kundeninteressen orientiertem ÖPNV-Netz schon lang nicht mehr gesprochen werden kann? Auch die Altersentwicklung unter den Autofahrern ist ein Grund, dass viel mehr Geld in den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum fließen muß!

So regeln es andere Länder

Einige Länder haben spezielle Regelungen getroffen: Ältere Schweizer, Italiener, Finnen, Tschechen, Neuseeländer oder Kanadier müssen alle paar Jahre einen gesundheits- und Sehtest absolvieren. In einigen Staaten kann der Arzt sie dann zum Fahrtest schicken. Wenn sie dabei scheitern, ist der Führerschein weg. Japan testet in diesem Rahmen außerdem, ob Rentner dement sind.

PSZ / ND / Jürgen Holz

 

 

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