Bildungsarbeit

Modernes Konzept in alten Räumen

Museumsleiter Lars Schladitz und die drei krativen Damen bei der Konzeptvorstellung.

Die zukünftige „Museumsfabrik Pritzwalk“ stellte jetzt ihr Gestaltungskonzept für die neuen Ausstellungsräume der Presse vor. Museumsleiter Lars Schladitz hatte sich dazu die beauftragten Gestalterinnen von den „Kreativköpfen“, einem Gestalterkollektiv aus Potsdam, eingeladen. Das Team aus freiberuflichen Planern, Grafikern und Museumsgestaltern hatte den Auftrag für die Entwicklung eines grundsätzlichen Konzeptes für das neue Museum der Industrialisierungsgeschichte in der alten Tuchfabrik erhalten. Die nun von Geschäftsführerin Stephanie Kroll und ihren Kolleginnen vorgestellten Ideen lassen ein spannendes Museumsprojekt erwarten.

Ab Februar wird das Museum über den Innenhof der alten Fabrik erreichbar sein. Für den 11.2. ist die offizielle Eröffnung geplant. Im Eingangsbereich erwartet den Besucher dann ein gemütliches Cafe, für dessen Aussehen erste Ideen vorgestellt wurden. Hier kann man zukünftig vor und nach dem Museumsrundgang, aber auch ganz unabhängig davon, die anregende Lokalität samt großformatigen Fotos der Zeit bei Cafe, Kuchen oder vielleicht auch einem gepflegten Bier genießen. In den wärmeren Tagen kann man auch im Innenhof unter freiem Himmel sitzen.

So könnte das Museumscafe aussehen.

Gleich an die Gastronomie schliessen sich der Infotresen und ein Museumsshop an. Die Ausstellungen werden sich in unterschiedliche thematische Bereiche gliedern. Man will einen Einblick in die Phase der Hochindustrialisierung um 1910 geben. Dabei wird z.B. der Bereich Tuchmachergewerbe eine wichtige Rolle spielen. Große Maschinen stellen anschaulich dar, wie produziert wurde. Multimediaangebote lassen die Maschinen realistisch erklingen, Zeitzeugen werden zu hören sein. Man kann im neuen Haus die Entstehung der Stoffe hautnah miterleben, kann eigenhändig fühlen, welche Stoffarten verarbeitet wurden. Ein erstes Spezialthema wird sich den Uniformen widmen. Gerade sie waren in der schon damals global tätigen Tuchfabrik Gebrüder Draeger aus Pritzwalk eines der Hauptprodukte. Von der australischen Schafwolle bis zur fertigen Uniform – man wird die einzelnen Verarbeitungsschritte nachvollziehen können.

Weitere Bereiche der Ausstellung befassen sich mit dem schon damals aktuellen Thema der Globalisierung und Handelsströme sowie der Sozial- und Alltagsgeschichte. In Pritzwalk spielte seit jeher das Druckereigewertbe eine wichtige Rolle. Die bisherige Ausstellung in Streckenthin wird komplett in das neue Museumsgebäude verlegt. Gäste können hier zukünftig selbst Papier schöpfen und dieses dann auch eigenhändig bedrucken. Generell sind in den verschiedenen Bereichen Voraussetzungen für Workshops und Gruppenarbeit geplant – ein Museum zum Anfassen und Erleben also!

Im 2. Obergeschoss sind die Exponate von 4-5 Nachlässen Prignitzer Handwerksbetriebe untergebracht. Der geneigte Besucher wird sich hier ein Bild davon machen können, wie man früher bestimmte Arbeiten erledigte. Immer wird auch über konkrete Personen, über Tonaufzeichnungen und großformatige lokale Bilder der Zeit der Bezug zu unserer Stadt hergestellt. In welcher Reihenfolge die Gäste das Museum für sich erforschen, bleibt ihnen selbst überlassen.

Im bisherigen Stadt- und Brauereimuseum verbleiben die Präsentationen zur Heimatgeschichte und der ehemaligen Brauerei. Zudem wird der Verein der Kunstfreunde, jetzt noch in der Galerie in der Marktstraße ansässig, größere Teile der Flächen für seine Ausstellungen nutzen können.

Das neue Logo verbindet Altes in Anlehnung an ein angeschraubtes Firmenschild mit moderner Schriftgestaltung.

Das Gestaltungsbüro „Kreativköpfe“ hat extra für die Museumsfabrik in der Dömnitzstadt Grundsätze der Präsentation und Darstellung der Ausstellungsstücke entworfen. Sogar eine durchgehend angewandte Farbe wurde festgelegt. „Urban petrol“ – ein weltmännischer Name für einen angenehmen Farbton, der bald die Infotafeln und Ausstellungsflächen sehenswert vom Umfeld abheben wird. Das neue Logo der Museumsfabrik ist einem alten Firmenschild nachempfunden. Die gesamte Ausschilderung im neuen Museumstrakt in der alten Tuchfabrik wird zweisprachig – Deutsch und Englisch – erfolgen.

Nicht alles kann mit einem Male fertig werden, wie Museumschef Lars Schladitz informierte. Für 2018 will man als ersten Schritt den Druckereibereich, die Uniformausstellung und die Aufstellung der großen Maschinen aus der Tuchproduktion realisieren. Alles andere folgt nach und nach.

Das gesamte Projekt wird etwa 600.000 Euro kosten. Als Geldgeber dient bislang u.a. das brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Kultur etc. Später werden die Stadt Pritzwalk und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung finanzielle Beiträge leisten. Die laufenden Kosten des Museumsbetriebes hofft man aus den eigenen Einnahmen bestreiten zu können. Ansonsten regelt der kürzlich neu geschlossenen Trägerschaftsvertrag die Einzelheiten.

Noch im Bau: Der zukünftige Weg über den Dömnitzarm zwischen neuen Museumsräumen (hinten) und dem alten Haus auf dem ehem. Brauereigelände.

Neben den fünf hauptberuflichen Angestellten der Museumsfabrik wird auch ehrenamtliche Arbeit mit einbezogen. So werden u.a. die Gesellschaft für Heimatgeschichte und die Landfrauen in bestimmten Bereichen mitwirken.

Insgesamt ist das Ganze ein ambitioniertes, aber wohl durchdachtes Projekt. Mit der Zeit und weiteren attraktiven Gestaltungsideen kann die Museumsfabrik ein Markenzeichen für Pritzwalk und darüber hinaus werden.

Hartmut Winkelmann

 

 

 

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