Arbeit und Soziales

„Die Alten“ gibt es nicht

 

Neue Altersstrukturen verändern unser Leben …   

Das in unserer Gesellschaft immer mehr ältere Menschen leben, ist ein Fakt. Deshalb aber pauschal von „den Alten“ zu sprechen wäre ein fataler Irrtum, wie aktuelle Forschungen zeigen.

Ältere Menschen sind eine hochinteressante Zielgruppe für Wirtschaft, Dienstleistungen und natürlich auch die Politik. Gerade in einer alternden Gesellschaft ist es vielen wichtig, nicht allein über die Anzahl der Lebensjahre definiert zu werden. Fast alle wollen alt werden, aber kaum einer will alt sein. Die meisten fühlen sich jünger, als sie in Wahrheit sind. Erst ab ca. 75 empfinden sich viele als alt. Wie das Institut für Trend- und Zukunftsforschung ermittelt hat, denkt nur jeder 10. Deutsche beim Thema Alter an Krankheit und Gebrechen.

Mit dem „Sich jünger fühlen“ ist auch ein zunehmendes Selbstbewusstsein der in die Jahre Gekommenen als Konsumenten verbunden. Etwa 20 Prozent sind „Anspruchskonsumenten“. Anspruchskonsumenten lassen auch mal ein Produkt im Laden stehen, wenn ihnen die Verpackung nicht gefällt. Der Mythos, das Ältere Konsummuffel sind ist inzwischen wortwörtlich veraltet. Studien der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) zeigen, dass die Zahl der Einkaufstrips nach Eintritt ins Rentenalter signifikant ansteigt und Ältere mindestens ein Drittel häufiger als Jüngere zum Einkaufen gehen.

Die sogenannten „Best Ager“ verändern auch die Welt der Kommunikation und der Medien. Der Anteil der 50- bis 59-Jährigen beim Besitz von Tablets gegenüber Jan. 2013 ist z.B. um 57,5 gestiegen. Der Anteil dieser Altersgruppe unter allen Besitzern beträgt damit 23 Prozent, womit sie zur größten Nutzergruppe herangewachsen sind. Aufgeholt haben die Älteren auch bei den Smartphones: 21,2 Prozent (plus 34,2 Prozent) der 50- bis 59-Jährigen besitzen ein internetfähiges Handy, womit sie auch hier die führende Nutzergruppe stellen. Über 13 Prozent nutzen inzwischen sowohl ein Handy, als auch ein Tablet.

Große, überregionale Medien stellen sich auf diesen Trend ein. Es gibt immer mehr speziell auf die reifere Altersgruppe zugeschnittene TV- und sonstigen Media-Angebote. Mit dem Sender Sat1 Gold startete in Deutschland ein quasi Nur-Senioren-TV. Beim ZDF lag ein Sendeschwerpunkt schon lange bei der Zielgruppe Ältere.

Sozial gehobenere Bevölkerungssegmente wenden sich dem Thema Natur, Gesundheit, Bewegung in einem umfassenden, wellness-orientierten Sinn zu. Bei Älteren der breiten Mitte lassen sich in Bezug auf Natur häufig alltagsnahe Freizeitaktivitäten wie Gartenarbeit, Pflanzen pflegen, aber auch Heimwerken und Do it yourself beobachten.

„Best Ager“ sind auch ein immer wichtiger werdender Kundenkreis im Tourismus. Von 2005 zu 2010 stieg die Zahl der im Urlaub Verreisenden Europäer über 55 Jahre um 17%. Tendenz anhaltend! 78 Mio. Urlaubsreisen ergab das mit entsprechendem Umsatz.

Interessant ist auch, dass z.B. der Motorradhersteller Harley Davidson und der Nobelautoproduzent Porsche inzwischen 60% ihres Umsatzes mit Kunden über 44 Jahren realisieren. Doch nur 3-5% der Werbung entfallen momentan auf diese Zielgruppe!

Die Kleinhaushalte stellen eine äußerst interessante Zielgruppe dar. Laut GfK entfällt fast die Hälfte des gesamten Molkereiprodukte-Absatzes auf die kleineren 50plus-Haushalte. Die gut situierten Best Ager schauen insbesondere beim Thema Regionalität genau hin und ziehen regionale Individualität dem nationalen Mainstream durchaus vor.

Unsere Welt ist also im Wandel und die Herausforderungen sind ebenso groß, wie die Chancen.

Hartmut Winkelmann

 

 

 

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