Arbeit und Soziales

Sterbehilfe für unsere Region?

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Wenn man vor Problemen steht, ist es ja manchmal durchaus sinnvoll eine studierte Fachkraft um Rat zu fragen. So tat es auch der Verein Autobahndreieck kürzlich, als es ihm um die zukünftige Fachkräftesicherung ging. Solch ein Expertenrat von fernab kann aber auch böse nach hinten los gehen – so wie hier passiert.

Der Verein hatte den Leipziger Professor Harald Simons engagiert, um eine Zukunftsperspektive unserer Region u.a. für das Fachkräfteproblem zu erstellen. Die Studie des Herrn Professor kam vereinfacht gesagt zu dem Schluss, das außerhalb von Neuruppin keine größere Förderung für Entwicklungsprozesse und auch keine privaten Hausbauten etc. noch sinnvoll wären. Jüngere Menschen würden sowieso in den nächsten Jahrzehnten in sogenannte „Schwarmstädte“ umziehen. Das sind Orte wie Berlin und Hamburg, wo Junge andere Junge treffen und entsprechende passende Angebote bei Job, Kultur und Lebensplanung finden würden. Für unsere Region sprach Prof. Simons höchstens Neuruppin eine ähnliche Perspektive zu. Der Rest sei mehr oder weniger in absehbarer Zeit nicht mehr entwicklungsfähig. Deshalb seien alle Bemühung um Investitionen außerhalb zwecklos.

In Rundfunk und TV wurde dieser These heftig von Akteuren aller Couleur widersprochen. Selbst ein Wirtschaftsstaatssekretär aus Brandenburg zeigte sich ziemlich befremdet.

Simons setzte noch einen drauf und plädierte dann auch gleich am ursprünglichen Thema vorbei für Neuruppin als einzig logischen Kreisstadtsitz. Damit war das Maß für viele voll.

Nun muß man ja kein glühender Anhänger von Perleberg und Wittenberge sein, aber dieserart Logik erschließt sich dem neutralen Betrachter kaum. Hier wird Politik zugunsten der Fontanestadt gemacht und das von Leuten, die dafür bekannt sind, sich wenig mehr, als um die eigenen Interessen in der Region zu kümmern.

Prof Harald Simons referiert

Prof Harald Simons referiert

Es ist bemerkenswert, dass der genannte Wissenschaftler genau die gleiche Studie mit genau den gleichen Erkenntnissen zuvor auch schon in Sachsen an den Mann gebracht hatte. Hier sieht er außer in Leipzig, Dresden und maximal noch Chemnitz keine wirklichen Entwicklungspotenzen. Für den ländlichen Raum empfiehlt er dort eine aktive „Sterbehilfe“. Auch in der Prignitz sollten etwa keine Anbindungen durch den öffentlichen Nahverkehr weiter bezahlt werden. Man gebe den Leuten eher Taxigutscheine für die notwendigen Fahrten.

Auf dem platten Land – und Simons ordnet dem fast alles zu, was hier so kräucht und fleucht – werde es in 20 Jahren sowieso keine Grundversorgung, z.B. mit Wasser, mehr geben. Eine gewagte Hypothese die vielerorts nur ein Kopfschütteln ausgelöst hat.

Um es einmal deutlich zusagen: Eine realistische, von flächendeckenden Gleichheits-Illusionen freie Betrachtung unserer Perspektiven ist notwendig. Mancher Denkansatz wird dabei auch wehtun und zu aktivem Umsteuern zwingen. Aber diese Studie ist kaum das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurde.

Gerade auch aus dem Raum der Westprignitz kam deutlicher Widerspruch. Unternehmer verwiesen öffentlich auf ihre erfolgreichen Investitionen und entstandenen Arbeitsplätze.

Kirsten Tackmann, regionale Bundestagsabgeordnete der Linken, hat kürzlich richtigerweise gesagt: „Menschen, die sich dafür entschieden haben hier im ländlichen Raum zu leben, sind nicht nur zu doof, zu faul oder zu alt zum Weggehen. Sie wollen ganz bewusst hier leben!“ Dem braucht man wohl nichts hinzufügen.

Hartmut Winkelmann          

(Aus PRITZWALKER STADTZEITUNG Ausgabe 47 – Januar 2017)

 

 

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