Geschichte

Geköpft, Gerädert und Gehenkt

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Aus der Geschichte der Richtstätten im Mittelalter

Das Pritzwalker Stadtmuseum bietet in Kooperation mit dem Heimatverein hervorragende Fachvorträge an. Einen schlagenden Beweis dafür lieferte vor kurzem Frau Dr. Marita Genesis, Dozentin an der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder. Sie hat dort den Lehrstuhl zur Richtstätten-Archäologie inne, einer noch recht jungen Disziplin in Deutschland. Es geht dabei um die Geschichte der Henker und Hinrichtungsplätze, speziell auch in unserem Kulturraum.

Im Mittelalter gab es viele Gründe, die jemanden aufs Schafott bringen konnten. Im Gegensatz zum allgemeinen, durch Filme und Gruselgeschichten geprägten Glauben, gab es weniger Hexenprozesse als vermutet. Es ging oft um profanere Dinge: Ehebruch, Diebstahl, Notzucht, Kindstötungen und Mord.

Abhängig vom gesellschaftlichen Stand des Täters gab es genaue Vorschriften für die Bestrafung. Frauen behandelte man anders als Männer, wenn auch mit der gleichen tödlichen Konsequenz. So töteten  viele Mägde und Dienstmädchen, nachdem sie schwanger wurden und keine Möglichkeit der Ernährung eines Kindes sahen, aus purer Not ihre Neugeborenen. Das fiel natürlich oftmals auf und wurde geahndet. Für Kindsmord stand das Ertränken als Strafe fest.

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Dr. Marita Genesis, Dozentin für Richtstättenarchäologie, einer noch relativ jungen Disziplin, an der Viadrina in Frankfurt/O.

Es gab „ehrenhafte“ Tötungsarten. So wurden Adlige zumeist mit dem Richtschwert geköpft. Der Delinquent kniete dabei vor seinem Henker. Dieser schlug ihm von hinten den Kopf mit einem mächtigen Hieb ab. Richtblöcke, auf die das Opfer seinen Kopf legen mußte, gab es hier nicht. Zahlreiche Filme zeigen uns also ein falsches Bild.

Als Henker fungierten vom Kurfürsten bzw. König beauftragte Personen. Größere Orte hielten sich einen eigenen „Scharfrichter“. So auch Pritzwalk über längere Zeit. Sie mussten vorher eine regelrechte Prüfung ablegen.

Da aber jährlich nur etwa zwei Hinrichtungen anstanden, brauchte so ein Henker noch einen Zweitjob. Ihm selbst war es verboten „unreine“ Arbeiten zu verrichten. Deshalb ließ er für sich oft andere als Abdecker arbeiten. Neben den normalen Tätigkeiten bei der Verarbeitung von toten Tieren gab es jährlich auch den sogenannten „Hundeschlag“, bei dem die damals zahlreich herumlaufenden herrenlosen Tiere eingefangen und getötet wurden.

Eine besonders grausame Zeit? Wohl kaum schlimmer als heute!           H. Winkelmann 

 

 

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