Arbeit und Soziales

Syrien ganz nah

Ali Ajjob (1) Syrischer Praktikant Ali Ajjoub arbeitete bei der Pritzwalker Stadtzeitung

Zumeist redet man sehr theoretisch über die hier bei uns lebenden syrischen Flüchtlinge. Vor einigen Wochen hatten wir die Chance bei uns in der Redaktion einen  von ihnen als Gast zu begrüßen. Ali Ajjoub (23) ist aus Damaskus geflüchtet. Krieg, Luftangriffe und die drohende Einziehung zum Armeedienst zwangen ihn sein begonnenes Studium der Physik und Journalistik zu beenden. „Ja, ich mag physikalische Vorgänge und wollte darüber später etwas schreiben.“ so erklärt unser Praktikant seinen damaligen Berufswunsch. Deutsch und Englisch helfen uns bei der Kommunikation abwechselnd weiter. Handzeichen auch.

Jetzt ist er seit 7 Monaten in Deutschland. Er kam nach Pritzwalk, sein gleichaltriger Freund musste nach Cottbus in eine Flüchtlingsunterkunft. Hinter ihnen liegt eine lange Flucht. Erst durch Syrien und quer durch die Türkei. Die Überfahrt über die Agäis war das Schlimmste für Ali und seine Begleiter. Dreimal kenterte das Boot, zweimal mussten sie zurück in die Türkei. Der dritte Versuch gelang. Sie wurden von einem griechischen Boot gerettet. Nicht alle auf den Booten überlebten, Ali wird sichtlich ruhiger, seine Stimme stockt etwas, als er darüber berichtet. Anschließend ging es über die damals noch offene Balkanroute nach Deutschland.

Jetzt sind sie hier und einigermaßen zur Ruhe gekommen. Ali und seine Freunde wollen nichts weiter als ein kleines neues Leben in Frieden und Sicherheit. Für ihren Unterhalt würden sie liebend gern selbst arbeiten. Deshalb lernt unser Praktikant mit erstaunlichen Fortschritten die deutsche Sprache, nimmt jede noch so kleine Chance auf Weiterbildung an. So auch hier bei der Stadtzeitung. Ali würde gern auch für uns etwas schreiben, vom Leben, den Gefühlen und wirklichen Wünschen der Geflüchteten berichten. „Wir müssen miteinander sprechen!“ sagt er immer wieder. Unten auf dieser Seite versucht er das (natürlich noch mit einiger Hilfe unserer Redaktion). Das Kurzpraktikum war ein winziger Einblick in so unterschiedliche Welten, die dennoch miteinander verträglich sind.      HW

 

Gemeinsam mit unserer Redaktion verfasste Ali Ajjoub einen ersten kleinen Artikel über das Leben der syrischen Flüchtlinge hier in Pritzwalk, ihre Herkunft und ihre Hoffnungen. Lesen Sie den Beitrag hier:

Alle Menschen lieben das Leben

Wie ein syrischer Flüchtling das Leben bei uns sieht

Ali AjjobHallo, ich heiße Ali Ajjoub und komme aus Syrien. Jetzt sind eine Menge Leute aus Syrien hier in Pritzwalk. Sie haben Krieg und Angst erlebt. Ich bin jetzt auch hier und danke Ihnen!

Alle Menschen lieben das Leben … jeder hat Träume und Ziele und eine Familie. Aber wie ist das Leben in Syrien jetzt? Den Tod kann man dort jeden Tag erleben. Ein Lachen vor dem Sterben ist in Syrien nicht mehr möglich. Genießen Sie bitte mit Freude den Erfolg und die Liebe von Ihren Freunden und Kindern hier. Die Syrer haben vergessen, wie schön es ist zu lachen.

Nicht alle Syrer haben die Möglichkeit hierher zu kommen. Das Feuer des Krieges und die Wellen des Meeres sind große Hindernisse. Ich habe viele traurige und furchterregende Geschichten erlebt. Das Leben in Syrien und seine alte Geschichte kann ich Ihnen nicht erklären. Aber ich habe so viele Bilder in meinem Kopf, von der Landschaft und von den Menschen.

Vielleicht wissen Sie nur wenig über uns. Sie können aber leicht mit uns sprechen. Mit Sicherheit ist die Sprache eine Schranke. So konnten Ihnen viele Syrer nicht sagen, dass sie die deutsche Fußballmannschaft schon seit langer Zeit lieben.

Mein Freund sagt mir immer: Die Stadt ist wunderschön. Er möchte gern hier arbeiten. Hier sind Dutzende junge Leute, die einen Universitätsabschluss oder einen Beruf haben und auf die Gelegenheit warten gemeinsam mit Ihnen zu arbeiten. Sie wollen auf Dauer kein Geld von der Regierung, ohne zu arbeiten.

Ein anderer Mann geht seit drei Monaten jeden Tag auf den Marktplatz. Er glaubt, dass er so mit Deutschen in Kontakt kommen kann. Ein älterer Mann sucht jeden Tag in den Bildern der Zeitung um zu wissen, was passiert. Wenn man dort wieder leben kann, dann will er zurück gehen nach Syrien.

Sie wollen mehr über die Syrer hier bei Ihnen wissen? Ich kann Ihnen viel berichten über uns hier in Deutschland und in Syrien. Wir hoffen, dass wir miteinander kommunizieren können.

Vielen Dank an Herrn Hartmut Winkelmann, dafür das er uns dieses Fenster zu sprechen geöffnet hat.

Ajjoub Ali

 

Beide Artikel sind der August-Ausgabe der PRITZWALKER STADTZEITUNG entnommen.

 

 

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