Geschichte

„Bringt Milch! Der Kirchturm brennt.“

PK_St.Nikolai und Kirchstraße_undatiert

Der heutige Kirchturm besteht aber erst seit 1888.

Als ein Blitz in die Kirchenuhr einschlug

Es war ein kalter Jahresanfang anno 1801 in Pritzwalk. Am 21. des Monats tobte ein starker Schneesturm über der Stadt. Alle Elemente schienen sich an diesem Tage zu einem gemeinsamen Inferno vereint zu haben. In die Schneeschauer mischte sich ein Gewitter. Blitze zuckten. Alles war bei der Kälte dick mit Eis überzogen.

Gegen sieben Uhr krachte ein Blitz in den Pritzwalker Kirchturm. Die Menschen ringsum hatten das Gewitter zwar mitbekommen, aber diesen Einschlag nicht registriert. Deshalb sorgte sich zuerst niemand. Erst 20 Minuten später – der Sturm hatte sich etwas gelegt – bemerkten Passanten den Rauch, der aus dem Kirchturm quoll. Wie man später feststellte, hatte der Blitz in den Uhrenraum des Turms eingeschlagen. Ein etwa groschengroßes Loch wurde dadurch in die blecherne Umkleidung der Uhrenkammer gebrannt. Der Blitz fuhr in den Draht zum Hammer der Schlagglocke und verschmolz Hammer und Glocke. Das umgebende Holz geriet in Brand.

Die beiden Pritzwalker Bürger Rathsack und Kunkel eilten sofort hoch auf den Turm. Beide waren Zimmermeister. Gemeinsam mit ihren Lehrlingen rissen sie die Schindeln des Daches herunter.

Sie riefen dringend nach Wasser zum Löschen. Von unten kam die Antwort: „Wie hebben jo keins, die Pumpen sünd alle taufrören!“. Die Zimmerleute überlegten kurz. „Denn bringt Melk!“ riefen die Männer daraufhin von oben.

So bildete sich schnell eine Kette, mit deren Hilfe man einige mit frisch gemolkener Milch gefüllte Löscheimer nach oben beförderte. Damit gelang es, das Feuer zu löschen und Schlimmeres für den Kirchturm oder möglicherweise die ganze Stadt zu verhindern.

Eine wirklich einzigartige Geschichte! Die Pritzwalker sollten diesen beiden tatkräftigen Zimmerleuten und ihren Helfern gebührend gedenken. Immerhin haben sie vielleicht schon 1801 unsere Stadt vor einer Katastrophe bewahrt, wie sie Pritzwalk dann zwanzig Jahre später so schmerzlich traf.

Auch heute noch können wir unseren Feuerwehrleuten für ihre Einsatzbereitschaft und ihre Tatkraft danken. Gerade, beim Brand in der Wallstraße, haben sie bewiesen, was sie für uns alle leisten können. Gaffer gibt es immer genug, Menschen die sich auch für ihre Mitbewohner einsetzen viel zu wenig.

 

Hartmut Winkelmann, Pritzwalker Stadtzeitung 32, Juli 2015 

nach einem Beitrag von Will Anders

aus „Pritzwalker Heimatblätter“ Heft 15, 2013

 

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