Kultur

Bomben auf Pritzwalk

Eulenspiegel-ArtikelSatire-Blatt „Eulenspiegel“ vermeldet das Ende unserer Stadt – die Stadtzeitung reagiert

Satire darf eine Menge. Das ist auch verdammt gut so. Manchmal fühlt man sich dabei selbst oder die Seinen betroffen. Ja, sei es drum!

Nun gibt es aber leider gute Satire, genau wie ziemlich doofe. Für Ersteres steht eigentlich der „Eulenspiegel“ – und das seit seeligen DDR-Zeiten. In einer seiner letzten Ausgaben rutschten die Macher allerdings weit über die Kante, hin zum Kitsch.

Unter dem Slogan „Eine Stadt gibt auf“ vermeldete man aus unserem wackeren Örtchen, dass sich die verbliebenen Einwohner nun gewaltig darüber freuten, dass Pritzwalk endlich vom Erdboden vertilgt würde. Der Artikel berichtet ausführlich (anderen Inhalt gibt es praktisch nicht), mit welcher Waffen– sprich Bombenart welcher Ortsteil weggefegt würde. 40 Tonnen TNT für diese Ecke, Flächenbombardement für andere. Das Stadtzentrum würde anschließend noch extra verbrannt, damit auch ja nichts bleibe.

Der Autor hat wohl irgendwann mal ein saures Bier bei uns bekommen, ist bei einer Frau glatt abgeblitzt oder wurde hierzulande als Kleinkind nicht rechtzeitig aufs Töpfchen gesetzt. Irgendwo her muss diese „Vorliebe“ für Pritzwalk ja kommen, schrieb er sich doch bereits vor einigen Jahren seinen Frust über die Dömnitzstadt von der Seele. Therapien soll es inzwischen als Abhilfe gegen derartige Phobien oder Kindheitstraumas geben. Wir wünschen besten Erfolg dabei.

Der doppelseitige Artikel benutzt ungefragter Weise das Stadtzeitungs-Cover und will uns einen Leitartikel unterjubeln, der nun wahrlich keinen Niveautest in unserer Redaktion überstanden hätte. Aber immerhin sieht man in der Pritzwalker Stadtzeitung wohl „das“ regionale Blatt. Na immerhin ein wenig Zutreffendes steht also im Artikel!

Wir wünschen den Kollegen der „Eule“ allzeit Gute Besserung! Bleibt uns erhalten.

HW

 

Auf ein Wort, Herr Wedel

Im Gespräch mit dem „Eulenspiegel“-Chefredakteur

Nach dem Pritzwalk-Artikel im „Eulenspiegel“ suchte unser Chefredakteur Hartmut Winkelmann das Gespräch mit seinem „Eule“-Kollegen Matthias Wedel. Wir geben das Gespräch in Auszügen wieder.

Herr Wedel, was halten Sie vom Pritzwalk-Beitrag in Ihrer letzten Ausgabe?

„Miserabler Journalismus.“

Danke. Keine weiteren Fragen.

 

eule kleinDie Eule im Sinkflug

Vom Missgeschick bei der Zielauswahl

 

So eine Eule ist ja ein possierliches Tierchen, wie ein berühmter Zoologe es beschrieben hätte. In ihren besten Zeiten brilliert sie durch exzellente Wahrnehmung ihrer Umwelt. Präzise und geschwind stößt sie auf ihre angepeilte Beute hernieder – geräuschloses Niederstoßen, auch zu nächtlicher Stunde, zack, bumm und die lästige Aufgabe ist erlegt.

Majestätisch schauen die Eulen-Augen in die Welt, weit aufgerissen, jederzeit eine Betrachtung wert! Das prächtige Kleid, bestehend aus einer Menge einzelner Federn ergänzt sich, ganz aus sich selbst heraus mit neuen Teilen. Allesamt bringen sie das Federkleid zum erstrahlen.

Nun kann es diesem an sich prächtigen Tierchen aber auch mal mies gehen. Die Federn wachsen nicht so brilliant nach, wie gewohnt. Man muss nehmen was kommt. Schlechtere Federn machen das zielgenaue Herabsegeln in elegantem Anflug für unseren gefiederten Freund dann schwer.

Heraus kommt so manchmal eine Bruchlandung. Das geschah unserer Eule jetzt in Pritzwalker Landen. Anstatt sich die ungeeigneten Federn auszureißen flog der etwas eingeschränkte Jäger an – und landete voll auf dem Schnabel! Die strahlenden Augen sahen eher aus, wie von übler Verstopfung hervorgerufen. Irgendwas musste da raus. Wenn man nur wüsste was!                 PSZ

 

 

 

 

1 reply »

  1. Hallo PSZ!

    Es ist sicher mit der Satire etwas übertrieben worden seitens des Eulenspiegels, den wir zu DDR Zeiten gern gelesen haben, da er so offen über Mißstände berichtet hat. Das ein Artikel oder Bild fälschlicherweise von der Stadtzeitung verwendet wurde ist auch nicht okay. Aber schauen wir uns den fast toten Patient Innenstadt mal an. Sicher schön hergerichtet als Fußgängerzone, nur hat man jahrelang versäumt an all die Geschäfte zu denken, die es mittlerweile nich mehr gibt.

    Da haben sämtliche Verantwortliche die Zeichen der Zeit verpennt oder nicht sehen wollen. Es gibt so viele wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Gesellschaft sich der immer größeren Mobilität, die für die Arbeit verlangt wird, ergeben hat und gern bis vors Geschäft fährt.

    Und viele Leute die sich jetzt über den Artikel aufregen, sind nicht unschuldig an dem Stadtsterben. Das einzig Positive ist sicher die somit jahrelang ruhige Lage des Rathauses und die dadurch ruhige Arbeitsatmosphäre der dortigen Beamten und Angestellten. Kein Gehupe, keine Rollgeräusche und kein Bremsenquietschen was aus einen Sekundenschlaf wecken Konnte.
    Es tut mir leid, dass ich ich als enttäuschter Pritzwalker nichts Positiveres dazu schreiben kann.

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