Geschichte

Die Weichen richtig gestellt

Modellbahn- und Polizeiausstellungen begrüßten viele Gäste

Es geht bergab, dort wo einst die Bierfässer in die Kühlräume der früheren Mitropa-Gaststätte im Bahnhof herunter gerollt wurden. Jetzt findet man dort, auf der Rückseite des Bahnhofsgebäudes, den Eingang zu einer wirklich sehenswerten Modellbahnausstellung und einem liebevoll eingerichteten Polizeimuseum. Und mit den beiden Einrichtungen geht es alles andere als bergab. Das zeigte auch der Tag der offenen Tür am 27.09.

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Am Stand des Weißen Rings gab es Infos zur Gewaltprävention und Opferhilfe.

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Im Dienstzimmer des ABV. In der Mitte die Initiatorin der Polizeiausstellung Melitta Ribbe.

Ein große Zahl Interessierter fand zu diesem Anlass den Weg dorthin. Schon in der Bahnhofshalle wurden die Gäste durch einen Tauschmarkt für Modellbahnfreunde, einen Leierkasten-Mann und die kulinarischen Angebote der Gaststätte „Bahnsteig 7“ begrüßt. Vor der heutigen Polizeiwache, die sich auch an dem rührig organisierten Fest beteiligte, stand eine original erhaltene „Grüne Minna“ aus DDR-Zeiten. Der Grün-weiße Lada der Volkspolizei war Anziehungspunkt für Alt und Jung. Sogar die Alarmsirene funktionierte noch, was eindrucksvoll bewiesen wurde. In Originaluniformen der damaligen Transportpolizei – sie war in der DDR für alle Sicherheitsaufgaben rund um den Schienenverkehr zuständig – erklärten Mitglieder der Initiative „VEB Schwellenschutz“ aus … jedem Interessierten wie zu jener Zeit alles funktionierte und organisiert war.

Im Eingangsbereich der aktuellen Polizeiwache hatte der Weiße Ring, die Opferschutz- und Betreuungsorganisation, seinen Stand aufgebaut. Zahlreiche Informationen zu Möglichkeiten der Verbrechens- und Gewaltprävention standen zur Verfügung. Ein Hauptthema des Weißen Ringes ist die Betreuung von Verbrechensopfern. Kompetente Gesprächspartner aus dem Verein waren dazu vor Ort.

Und dann folgte der Reporter dem früheren Weg der Bierfässer in den Keller. Es ist unglaublich, was einen dort unten alles an Interessantem erwartet. In den Gängen sind unzählige Modelle von Schienen- und Straßenfahrzeugen in Vitrinen und Schränken ausgestellt. Alte Schilder, Dokumente und sichtbar mit Herzblut zusammengefügte Details aus der Bahngeschichte ergänzen das Ausstellungsangebot. In den verschiedenen Räumen erblickt man die Modellbahnanlagen in voller Funktion. Eine stellt die Erzeugung von Stahl in all seinen industriellen Stufen dar, verbunden durch die Betriebsbahn. Begeisternd sind die vielen Kleinigkeiten. Da leuchten die Straßenlampen, in manch Lokführerkabine brennt Licht und man kann den Stahlkochern direkt bei der Arbeit zuschauen. Ein kleiner Spaß am Rande muss auch sein: Es ist ein komplettes Gefängnis zu sehen. Wer die bereit liegende Lupe benutzt, der kann sehen wer der gerade das Tor passierende Häftling ist: Erich Honecker.

In weiteren Räumen kann über großflächige H0-Bahnanlagen staunen. Sie sind durch Wanddurchbrüche mit den Nebenanlagen verbunden und so rollt mancher Zug auch einmal „nach nebenan“. Fünf Erwachsene und fünf „Nachwuchseisenbahner“ arbeiten zur Zeit mit an den Anlagen, wie Steffen Rösinger erklärt. Er ist so etwas wie der Hausherr in der rein privat und ohne öffentliche Gelder aufgebauten und betriebenen Einrichtung. Die Stadtverwaltung hat dankenswerter Weise dafür die Kellerräume zu sehr kulanten Bedingungen bereitgestellt.

„Ich bastele seit 1967, jeweils mit etwa fünfjährigen Pausen an meinen Modellbahnanlagen.“ sagt Uwe Greisert, einer der Aussteller. Ihm gehört eine besonders detailreiche H0-Bahn mit Lokschuppen, zahllosen Gleisen, Drehkreuzen, Bahnhöfen und vielem mehr. „Immer wieder hab ich Ideen für Neues gehabt. Je nachdem wie viel Geld und Zeit und Material ich zur Verfügung hatte, wurde Schritt für Schritt etwas Neues gestaltet. Grenzen hat immer der verfügbare Platz und die eigene Armreichweite gesetzt. Man muss ja schließlich rankommen, ans Ende.“

Uwe Greisert sieht man seine Begeisterung für dieses Hobby genauso an, wie den jungen Modellbahnfans. Sie wirbeln an diesem Tag wie die Profis um die Anlagen, dirigieren Züge, setzen Lokomotiven um und müssen zwischendurch auch noch für Pressefotos von Kollegen posieren. In so manchen erwachsenen Besucheraugen war ein sehnsüchtiges Funkeln erkennbar. Das hat man in Kinderzeiten in kleinem Rahmen auch mal gemacht. Oder zumindest immer davon geträumt. Hier wird der Mann wieder zum glücklichen Kind. Ein schönes Erlebnis, dem sich auch der Autor dieser Zeilen nicht verschließen konnte und wollte.

Teil Zwei der Ausstellungsräume nimmt das nicht minder interessant gestaltete Polizeimuseum ein, gemacht und koordiniert von Melitta Ribbe. Die ehemalige Musikerin im Polizeiorchester trug eine endlose Zahl von historischen Belegen der Polizeigeschichte zusammen. Hier findet der Gast Polizeidokumente aus den zwanziger Jahren neben Papieren der DDR-Volkspolizei. Zu diesem Tag der offenen Tür fand Frau Ribbe Unterstützung durch Vertreter des „Blaulichtmuseums“ in Beuster, kurz hinter Wittenberge auf sachsen-anhaltinischem Gebiet. In der schneidigen Uniform eines Schutzmanns der Kaiserzeit führte einer dieser Helfer die Besucher durch die Ausstellung. Ein entsprechender Kommandoton – natürlich nur spaßig gedacht – gehört dazu.

Zur Ausstellung gehört auch ein original nachgestelltes Dienstzimmer eines ABV`s. Abschnittsbevollmächtigter, so lautete der offizielle Titel eines lokalen Polizisten in der DDR. Und da sitzt der ABV auch tatsächlich an seinem Schreibtisch, in voller Uniform, mit kastenförmigem dazugehörigen Diensttelefon und passenden Papieren zur Bearbeitung auf dem Tisch. Ein realistisches Erlebnis. Äußerst anschaulich und mit absoluter Sachkenntnis gestaltet.

An diesem Tag fanden sehr viele Pritzwalker und Gäste von nah und fern den Weg zum Bahnhof. Die beiden Ausstellungen und das Rahmenprogramm waren großartig. Wenn jetzt Ihr Interesse geweckt wurde, die Ausstellungen können immer donnerstags besucht werden. Sie sollten sich das nicht entgehen lassen!

Hartmut Winkelmann

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Steffen Rösinger erklärte den Besuchern unermüdlich die Exponate.

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Hier fachsimpeln Modellbahner, echte ehemalige Eisenbahner und interessierte Gäste.

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Eine der zentralen Anlagen, betreut und gesteuert von einem der jungen Mitstreiter.

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Voll Spaß dabei – der Modellbahnnachwuchs.

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Viele Jahre bastelt und tüftelt er schon an seinen Modellbahnen.

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Hier am Lokschuppen und Drehkreuz funktioniert fast alles wie im echten Leben – damals.

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Interessante Details aus der Polizeigeschichte.

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Der „Schutzmann“ aus der Kaiserzeit als Museumsführer. Mitstreiter aus dem Blaulichtmuseum in Beuster (Sachsen-Anhalt).

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Jung und alt sind begeistert von den kleinen Zügen.

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Noch einmal: Steffen Rösinger im Reich der Modellbahnen.

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Ein Modell der Stahlerzeugung, in allen Einzelschritten und natürlich verbunden durch die Bahngleise.

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Auch der Leierkastenmann aus Sarnow trug zum Gelingen des Tages bei.

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Tauschmarkt der Modellbahnfreunde in der Bahnhofshalle.

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Die „Grüne Minna“ war ein echter Hingucker.

 

 

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