Innenstadtbelebung

Bilder statt Leerstand

Schallenberg-Ausstellung zog schon bei der Eröffnung viele Interessierte an

An einem Samstag im Juli boten die „Sieben Künste von Pritzwalk“ einen weiteren Höhepunkt. Der hiesige Grafiker und Maler Götz Schallenberg, in der Region vor allem bekannt durch seine „Kuwalkaden“ – echten kulturellen und ideenreichen Highlights auf seinem Vierseitenhof im Norden des Landkreises, präsentierte einige seiner Bilder in der Pritzwalker Marktstraße. Wieder erhielt der ehemalige Schleckermarkt eine neue, sinnvolle Bedeutung. Und diese Chance ließen sich viele Besucher aus nah und fern nicht entgehen. Schon zur Eröffnung waren etwa vierzig Kunstliebhaber gekommen.

Götz Schallenberg, ursprünglich aus Sachsen stammend, hatte im Berlin der DDR-Zeit mit seiner kritischen Haltung oft Schwierigkeiten mit den Mächtigen. „Es blieb nur die Ausreise in den Westen, die Anpassung oder das Übersiedeln aufs Land.“ so berichtete der Künstler. Und letzteres taten er, seine Frau und ihre drei Kinder. Er blieb sich und seiner Kunst treu.

In diesem Jahr begeht Deutschland den 25. Jahrestag des Mauerfalls. In Kuwalk wird aus diesem Anlass am 2.August eine „Kleine Kuwalkade“ mit Lesungen, Ausstellungen und Jazz-Musik am Abend geboten.

Schallenberg erzählte den Ausstellungsbesuchern in seiner angenehm unkomplizierten Art, wie er zu seinen Ideen und Motiven kommt. Skizzenblock und Fotoapparat sind auf Ausflügen und Reisen seine ständigen Begleiter, um festzuhalten, was da wirklich war. Aus diesen Anregungen entstehen dann seine Werke. Schallenberg hat Ausstellungen an vielen Orten und in bekannten Museen gestaltet.

2014_07_12_Schallenberg Ausstellung Marktstr (20)

Es wurde eng für die Besucher. Die Bilder aber hatten genügend Raum, was der Künstler betonte.

2014_07_12_Schallenberg Ausstellung Marktstr (9)

Götz Schallenberg (mit Hut) mit dem Pritzwalker Horst Kontak, der einen Kunstverein begründen will.

2014_07_12_Schallenberg Ausstellung Marktstr (10)

Gerrit Gohlke gab eine Einführung und bedankte sich bei den Unterstützern, auch bei der Stadt.

Das Reisen ist für ihn und seine Partnerin wichtig: „Vor der Wende hatten wir fünf Länder ´besucht. Später waren es über fünfzig.“  Die dabei gewonnenen Eindrücke sind in seinen Bildern wiederzuerkennen. So findet man heitere, Leichtigkeit ausstrahlende Motive aus aller Herren Länder – von Island, Norwegen über Thailand, Vietnam bis Ägypten.

Aber auch seine Heimat, die Prignitz, hat es Götz Schallenberg angetan. So bewegte ihn die gedankenlose Abholzung alter Baumbestände in der  Nähe seines Hauses zu einem Bildzyklus über das Wachsen, Werden und Sterben der Bäume. Eindrucksvoll!

Das Ehepaar Schallenberg bietet auf ihrem Hof erholsamen und kreativen Urlaub auf dem Land an. Ebenso gehören Kurse für Zeichnen, Malerei und Grafik zum Programm. Die erzielten Einnahmen werden dann möglichst für neue Reiseunternehmungen der beiden genutzt.

Wer dachte, einen solchen Anlass würden nur die üblichen Kunst- und Kulturfreunde für sich nutzen, der irrte sich. Die Gäste des Tages kamen aus unserer Stadt, benachbarten Orten, aber auch aus Frankreich und Nigeria.

So hatte sich einer der Ideengeber für das inzwischen internationale Projekt „Neue Auftraggeber, welches Kunst, die die Menschen wirklich wollen in die kleineren Städte und Dörfer bringen will, selbst nach Pritzwalk aufgemacht. Die „Sieben Künste von Pritzwalk“ bieten absolut nichts Abgehobenes, Weltfremdes. Es ist Kunst, die auch der wenig Vorgebildete einfach für sich erschließen kann. Und es bringt Menschen in die Stadt!

2014_07_12_Schallenberg Ausstellung Marktstr (25)

Ein Selbstporträt des Künstlers aus der Wendezeit.

2014_07_12_Schallenberg Ausstellung Marktstr (15)

Ein Künstler dokumentiert den anderen. Michael Clegg (vorn) beim Fotografieren von Götz Schallenberg.

Unter den Besuchern waren auch die beiden Hauptakteure des Gesamtprojektes Michael Clegg und Martin Guttman.

Es ist Leben im Projekt. Kein importiertes sondern ein Eigengewächs. Wie sagte Gerrit Gohlke vom Brandenburger Kunstverein Potsdam? „Vielleicht vergisst man ja eines Tages, dass das hier ein ehemaliger Schlecker-Markt war.“

Hartmut Winkelmann

 

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