Arbeit und Soziales

Der Papst übt radikale Kapitalismuskritik

Aus der Pritzwalker Stadtzeitung Ausgabe 17 – Dezember 2013:

Neues apostolisches Schreiben „Evangelii Gaudium“

Franziskus

Diese nachfolgenden Worte des Papstes sollten sich einmal die strenggläubigen Katholiken der CDU/CSU, aber auch der anderen Parteien zu Herzen nehmen. Oft genug betonen sie ja, dass der Papst als Vertreter Gottes auf Erden ihnen den richtigen Weg  weist. In diesen Punkten  ist  die LINKE näher am Papst als die christlichen Parteien!

Der Papst kritisiert die „Tyrannei des Marktes“ und fordert die Kirche und die Mächtigen der Welt zum Kampf gegen Armut und Ungleichheit auf. Franziskus schreibt weiter, dass das herrschende ökonomische System „in der Wurzel ungerecht“ sei und dass „diese Wirtschaft tötet“.

Von den Politikern fordert der Papst, allen Bürgern „eine würdige Arbeit, Bildung und Gesundheitsfürsorge“ zu garantieren. „Der Mensch an sich wird  wie ein Konsumgut betrachtet, dass man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben eine >Wegwerfkultur<  eingeführt, die sogar gefördert wird“.

Längst geht es nicht mehr um das Phänomen der Ausbeutung und Unterdrückung, sondern um eine Kultur der Ausschließung derer aus der Gesellschaft, die nicht genug leisten, schreibt der Papst weiter.

Er protestiert weiterhin kräftig gegen die Verschwendung und ungerechte Verteilung der Mittel und Ressourcen. „Es ist nicht zu tolerieren, dass Nahrungsmittel weggeworfen werden, während es Menschen gibt, die Hunger leiden. Das ist soziale Ungerechtigkeit.“

Achim Müller

3 replies »

  1. Erstmal noch frohe Weihnachten! Und dann eine interessante Beobachtung zum Papst. In den Nachrichten der öffentlich rechtlichen wurde heute ja auch über Papst Franziskus und das „Urbi et Orbi“ berichtet, es gab aber kein einziges Wort zu seinen systemkritischen Äußerungen. Passte wohl mal wieder nicht ins Bild!

  2. “Gott-gewollt”

    “Während also heute die so genannte “Überproduktion” (die kein Überfluss ist) von Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen, von Not und Entbehrung begleitet ist, beruht die echte, die natürliche Überproduktion auf einem wirklichen Überfluss an Ersparnissen und verursacht daher Erholung, Luxus und Lebensgenuss für alle, die es durch Fleiß und Sparsamkeit verdient haben.
    Man sagt, dass ganze Erdteile, die heute von Millionen Menschen bewohnt sind, in prähistorischen Zeiten unter Wasser gestanden hätten. Auch der Kapitalzins setzt große Gebiete der Volkswirtschaft gleichsam unter Wasser. Ihre Nutzbarmachung und Bearbeitung wird durch 4 bis 5 Prozent Zins ebenso unmöglich gemacht, als wenn ein Landgebiet von einem 4 bis 5 Meter hohen Wasserstand bedeckt ist.
    Was muss z. B. heute alles unterbleiben, weil es sich nicht “rentiert” und was könnte morgen alles in Angriff genommen werden, wenn es sich nicht zu rentieren, sondern nur die Kosten, nur die Löhne zu decken brauchte! Durch die Freigeld-Reform wird, wie am Schöpfungstage, “Land” und “Wasser” voneinander geschieden, und wirtschaftliches Neuland hebt sich aus den sinkenden Fluten des Kapitalzinses, groß genug, um alle “Überflüssigen” und “Vielzuvielen” aufzunehmen und zukünftigen Generationen Arbeit, Existenz und Wohlstand zu gewähren.”

    Georg Blumenthal (aus “Die Befreiung von der Geld- und Zinsherrschaft”, 1916)

    In der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis_11,9) heißt der Kapitalzins “Frucht vom Baum der Erkenntnis”. In der Vorstellungswelt der Dummen ist das Paradies (die freie Marktwirtschaft) jedoch ein “Obstgarten”, in dem verbotene Früchte auf “Apfelbäumchen” wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer. Darum sind allgemeiner Wohlstand und der Weltfrieden für die Dummen unvorstellbar; und die “Vielzuvielen” müssen dann wohl “Gott-gewollt” sein:

    Macht oder Konkurrenz

  3. Auch die Ansprache des Papstes zum neuen Jahr war wieder mit zahlreichen Aufforderungen zum Eintreten für Gerechtigkeit und Solidarität, gegen eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, verbunden. Bleibt zu hoffen, das mehr als nur Rhetorik geschieht. Wenn Franziskus es ernst meint, muss man weiter um sein Leben fürchten. Er wäre nicht der erste reformwillige Mann auf dem Stuhl Petri, der „plötzlich und unerwartet“ stirbt (siehe Johannes Paul I. 1979).

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.