Innenstadtbelebung

Und plötzlich waren Hunderte Gäste in der Innenstadt

Kaffeegarten 4Am Sonntag fand im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte ein Piano- und Cello-Konzert mit Marie-Elisabeth Hecker (Violoncello) und Martin Helmchen (Klavier) in der Pritzwalker St. Nikolai-Kirche statt. Ab Mittag strömten Hunderte von auswärtigen Besuchern ins Stadtzentrum, Busse luden ihre Fahrgäste aus, die Grünstraße wurde zum provisorischen Busbahnhof. Die Gäste suchten kulturellen Genuß und waren auch am Ort und seiner Geschichte interessiert. Die Veranstalter hatten ein regionales Begleitprogramm organisiert, das u.a. zwei Stadtführungen, ein Besuch im Stadt- und Brauereimuseum und eine Fahrt mit dem „Pollo“ umfasste. Die Angebote wurden rege angenommen. Die Stadtführungen gestaltete Ellen Preuß von der Pritzwalker Stadtinformation sehr informativ, abwechslungsreich und alle historischen Epochen umfassend.

Die Besucher, vornehmlich aus Berlin, zeigten sich sehr positiv überrascht über die schöne Kirche, Pritzwalks bis dato unbekannte Geschichte, aber auch die gastronomische Betreuung, die vornehmlich vom Team des Wirtshauses Räuber Klemens übernommen wurde. Auch die „Alte Marktschenke“ sowie die beiden neuen Cafes „Lieblingsplatz 13“ und „Kaffeeklatsch“ bewirteten die Konzertbesucher in ihren Räumen und vor allem im Freien vor den Läden. Auf dem Kirchplatz hatte die evang. Kirchengemeinde mit viel Engagement einen Kaffee- und Kuchenbasar aufgebaut, dessen schmackhafte Angebote gern angenommen wurden. Der historische Teil des Marktplatzes, direkt an der Kirche gelegen, war mit einer großen Zahl an Sitzplätzen ausgestattet. Vor Beginn des Konzertes um 17 Uhr und während der Pause herrschte hier ein Publikumsverkehr, wie ihn die Innenstadt selten gesehen hat.

IMGA0407Insgesamt hatten sich knapp 500 Besucher eingefunden. Mit bis zu tausend war gerechnet worden. Wegen der schwülen Witterung sagten aber etliche etwas betagtere Gäste kurzfristig ab. Das eröffnete die Chance für Kurzentschlossene zu relativ geringen Kosten an der Tageskasse noch Einlass zu finden. Deutschlandradio Kultur nahm dieses besondere Konzert auf und wird es in Kürze senden. Die anwesenden Pritzwalker hatten die Möglichkeit zu einer Menge interessanter Gespräche mit den Ausflüglern, die den Blick von außen auf unsere Stadt zeigten und auf viel Potenzial unseres kleinen Ortes verwiesen.

Die Pritzwalker Kirche erwies sich erneut als ein hervorragender Konzert- und Veranstaltungsort. Sicher wird man nicht immer solche „Hochkultur“ an die Dömnitz locken können, dennoch rufen der Erfolg und seine positiven Nebeneffekte zur Wiederholung auf. So kann Innenstadtbelebung funktionieren. So kann man zusätzliche Kaufkraft in die Stadt holen. Vorhaben, die nur darauf abzielen, die eigenen Einwohner in die Stadt zu locken, sind zu kurz gedacht. Alles für einen Tag schön bunt – ja und dann? Die vorhandene Kaufkraft im Ort bleibt gering. Und sie ist verteilt.

IMGA0425Leider hatte anscheinend niemand die übrigen Geschäftsleute informiert, denn die interessierten und zahlungskräftigen Besucher sahen, bis auf die genannten Ausnahmen, nur geschlossene Läden. Hier hätte der Innenstadthandel so manchen Euro verdienen können – vorausgesetzt man bietet wirklich interessante Erzeugnisse oder Dienstleistungen an. Die Stadtverwaltung hatte es nicht einmal geschafft den Springbrunnen vor dem Rathaus in Gang zu setzen. Traurig. Selbst das öffentliche WC wäre geschlossen geblieben, hätten nicht private Kontakte die Pächterin auf das Event aufmerksam gemacht. Auch sonst glänzte unsere Stadtspitze durch Abwesenheit. Gerade einmal zwei Stadtverordnete, Rüdiger Kurtz (SPD) und Hartmut Winkelmann (DIE LINKE), zeigten Interesse. Auch wenn man das extrem warme Wetter in Betracht zieht, echte Kultur, ein wenig Anspruch – das scheint in Pritzwalk selbst kaum auf Akzeptanz zu stoßen. Nur eine Handvoll Einwohnerinnen und Einwohner hatten das kulturelle Angebot und damit die Möglichkeit den eigenen Horizont etwas zu erweitern angenommen. Ebenfalls traurig, insbesondere wenn man das dauernde Gejammer hört, in Pritzwalk wäre ja nie was los.

Kaffeetafel 1Nun hört man schon wieder die voraussichtlichen Abwiegler: Das ist nicht Aufgabe der Verwaltung. Ja, was zum Teufel ist denn dann ihre Aufgabe, wenn nicht alles Vernünftige mit allen vorhandenen Mitteln zu unterstützen? Potenzielle Akteure zusammen zu bringen ist Aufgabe der Verwaltung! Von Seite der Stadt war das Museum eingebunden und man stellte Sitzgarnituren zur Verfügung. Und die regionalen Honoratioren, die sonst so gern ohne großen eigenen Einsatz ins Bild drängen? „Wir haben keine Einladung erhalten.“ schallt es einem schon wieder in den Ohren. Mit Verlaub, meine Damen und Herren, man kann und sollte sich auch selber mal kümmern!

Fazit: Ein tolles Erlebnis. Großartige Kultur. Leute, die einfach mal etwas handfestes unternommen haben und erfolgreich waren. Zum Ergebnis gehört aber auch das erneut nicht funktionierende Zusammenspiel zwischen Veranstaltern, Verwaltung und Gewerbe. Es wird Zeit, die endlosen Gesprächsrunden zu einem Ergebnis und zumindest zu praktischen Informationswegen zu führen. Nur so kommt Farbe und Leben in die Innenstadt. Pritzwalk beweg Dich endlich! Oder besser: Verantwortliche aller Ebenen, hört auf mit der Vorliebe zu Euch selbst und entdeckt den Gemeinsinn neu!

Der Mann mit der Wurst ist daKaffegarten 2Sektbar 2Kaffeegarten 1Die PRITZWALKER STADTZEITUNG war für Sie vor Ort und wird in ihrer nächsten Ausgabe ausführlich berichten.

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