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Wenn die Beerdigungskosten steigen

FriedwaldAus der Pritzwalker Stadtzeitung Ausgabe 12:

Betrachtungen aus dem Nachbarkreis OPR

Da will der Landkreis mehr Geld von den Kommunen, indem er die Kreisumlage erhöht. Aber die Kommunen haben selbst kein Geld und suchen nach Auswegen, wie sie die eigenen Haushaltslöcher stopfen können. Und dabei sind jetzt einige auf eine ganz pfiffige Idee gekommen, wo sie meinen, da kann sich keiner entziehen, nämlich bei der Erhöhung der riedhofsgebühren, denn sterben muss ja jeder. Als ich neulich in eine Seniorenrunde platzte, wurde ich Zeuge, wie empört unsere älteren Mitbürger darüber sind. Viele, die schon finanziell für ihren Tod vorgesorgt haben, um ihre Angehörigen nicht zu sehr zu belasten, grübeln jetzt nach, wie sie die erhöhten Kosten trotz ihrer geringen Renten noch aufbringen können. Allgemeiner Tenor war, dass das Abzocke gegenüber den Hinterbliebenen ist.

Eine etwa 60jährige Frau, die ihren über 80jährigen Vater begleitete, sagte, das sie eine andere Lösung gefunden hätten. Ihr Vater will, genau wie schon ihre Mutter in Polen eingeäschert und beigesetzt werden,und zum Trauern hat die Familie im Hausgarten ein schlichtes Holzkreuz stehen. So ähnlich äußerte sich auch eine andere Frau, die erzählte, wie sie in der Familie beraten hatten und sich auch zu einer Auslandsbestattung entschieden haben. Sie werde, wenn es notwendig wird, in ein ungarisches Pflegeheim, was sie sich schon angesehen haben (weil die deutschen Heime ihr zu teuer sind), und sich auch dort beerdigen lassen. Zum Trauern will die Familie der Hinterbliebenen einen kleinen Schrein in ihrer Wohnung einrichten. Allgemein war ein Trend erkennbar. Fast alle begrüßten die Einrichtung eines Ruheforsts … und sagten, dass sie ihren Hinterbliebenen die hohen Gebühren dadurch ersparen wollen, bis ein Mann empört sagte, dass er das als unsolidarisch betrachte, wenn sich immer weniger Menschen auf den Friedhöfen beerdigen lassen. Wenn es nämlich immer weniger Beerdigungen gibt, werden die anfallenden Kosten dann auf den Rest umgelegt, was er als unerträglich ansah.

Achim Müller

Dieser Artikel ist eine Übernahme aus unserem Partnerblatt „Märkische Linke“

Anmerkung der PSZ-Redaktion:

In Pritzwalk steht aktuell keine Erhöhung der Friedhofsgebühren an. Die Sorgen unserer älteren Mitbürger sind aber wohl ganz ähnlich.

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