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Was von der Woche übrig blieb: Tausend Dinge brauchen Liebe

Ein wirklich amüsanter und hervorragend formulierter Artikel von Bernd Atzenroth aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung:

fragezeichen4Das gab der Woche doch den letzten Kick: Seit dem gestrigen Tag hat die Frage „Wie wär’s mit uns beiden?“ gute Chancen, zum geflügelten Wort in allen Prignitzer Lebenslagen zu avancieren, zumindest aber, um die Geschehnisse der vergangenen Tage in ein rechtes Licht zu rücken.

Das neue Pritzwalker Bauherren-Modell sozusagen könnte nicht nur optisch eine verführerische Wirkung auch an anderer Stelle ausüben. Etwa zwischen Kater Leo und Hündin Paula, die aber ohnehin kaum Stress miteinander haben. Oder zwischen Knieperkohl-Gerichten und den Touristen und überhaupt zwischen Gerichten und Essbesteck. Frei nach dem Liedermacher Funny van Dannen in „1000 Dinge brauchen Liebe“: „Wie scharf Du heute wieder bist, sprach das Brot zum Messer.“

Oder ganz schnöde zwischen der West- und der Ost-prignitz, vornehmlich zwischen Pritzwalk und Perleberg. Statt der üblichen Hassliebe könnte man ja es mal mit einer zärtlichen Frage an den jeweils Anderen versuchen, und prompt erschiene Neuruppin als eitle Nebenbuhlerin eines Prignitzer Traumpaars. Und so jemanden mögen wir doch gar nicht.

Aber vielleicht sollten wir ja mit den Zuneigungsbekundungen einfach zwischen den hier wie dort handelnden Personen anfangen. So erschien am Donnerstag in unserer Ausgabe ein Bild, unter das die Frage „Wie wär’s mit uns beiden?“ nun irgendwie passen würde, auch wenn der leicht müde und angewiderte Gesichtsdruck der beiden Händeschüttler das Ganze aus Redaktionssicht eher als die klassische Text-Bildschere entlarvt hätte. Aber Perlebergs Bürgermeister Fred Fischer und den Vorsitzenden der Stadtverordentenversammlung verbindet ja sooo viel mehr als ein Händedruck. Zum Beispiel haben sie in der gleichen Angelegenheit gegeneinander jeweils einen Prozess verloren. Das schweißt zusammen – ein solches Unentschieden lässt uns nach der Verlängerung lechzen, nicht wahr?

Das gilt für die beiden und ihren jeweiligen Anhang natürlich auch. Nein, sie werden auch künftig nicht ohne- oder miteinander können – an dem Tag waren sie lediglich etwas ermattet von der letzten Runde im großen Spiel. Wobei sich die Kontaktanzeige mit dem Text „Haus sucht Hausherren“ für das Perleberger Rathaus vorerst erledigt hat.

Kommen wir von der Prignitzer Version der Champions League des gediegenen Beziehungsstresses zurück in die, sagen wir, Champions-League-Qualifikation – nach Pritzwalk. Denn auch dort sind wir auf dem besten Wege zu neuen Konstellationen, findet sich konsequent zusammen, was zusammen gehört. Aber natürlich muss man mit dem jungen Pflänzchen Beziehung pfleglich umgehen. Hartmut Winkelmann, Vorsitzender der Pritzwalker Stadtverordnetenversammlung, zeigt uns allen, wie das geht. Seit Wochen schon umwirbt er regelrecht den Miterfinder der Parole „Wie wär’s mit uns beiden?“, Vizebürgermeister Ronald Thiel. Wer weiß, vielleicht ist letzterer vom strammen politischen Liebeswerben sogar zur neuen Kampagne inspiriert worden.

Davon können andere im Stadtparlament sich eine Scheibe abschneiden (siehe Funny van Dannen). Die haben sich nämlich verbalzt. Man stellt doch nicht den Angebeteten öffentlich bloß! Nein, es ist schon ungewöhnlich, wenn man die Beziehungsfrage mit Kritik an der Höhe des Gehalts verbindet. Natürlich könnte man darin aber auch eine Absage an eine rein materiell motivierte Beziehung sehen, aber es hat auch etwas vom enttäuschten Liebhaber. Oder der enttäuschten Liebhaberin?

Winkelmann umschifft solche Klippen elegant, indem er sich im Gehaltsstreit an Bürgermeister Wolfgang Brockmann abarbeitet. Die beiden verbindet beinahe so viel wie Fred Fischer mit Wolfgang Schulz (wie gesagt, hier sind wir noch in der Champions-League-Qualifikation). Eins aber fällt auf: Auch wenn die Idee immer wieder mal geäußert wird – die Anzeige „Haus sucht Hausherren“ wird für’s Pritzwalker Rathaus fast grundsätzlich nicht gestellt. Vielleicht ist das ehrwürdige Gebäude einfach Wolfgang Brockmanns Charme erlegen und eine Verbindung für die Ewigkeit eingegangen. Bald ist Silberhochzeit! (Von Bernd Atzenroth)

Zum Artikel in der MAZ >>

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