Polizei

In Pritzwalk prügelten Männer auf Passanten mit dem Baseballschläger ein

Aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 30.10.2012

Ein Ausbruch von Gewalt

PRITZWALK -Eigentlich war eine Gruppe Passanten in der Nacht zu Sonntag lediglich auf dem Heimweg von einer Familienfeier in Pritzwalk, als sie sich auf dem Marktplatz zerstreuten und in verschiedene Richtungen weitergingen. Auf dem Marktplatz wurde ein Familiensohn plötzlich völlig grundlos von einer Gruppe Männer angegriffen, ein Mann schlug dabei besonders massiv auf den Sohn ein, der laut um Hilfe rief. Mehrere Personen, darunter seine Eltern, verständigten zeitgleich die Polizei und eilten dem Sohn zu Hilfe.

Die Angreifer bewegten sich kurzfristig in ein angrenzenden Wohnhaus, kamen jedoch gleich darauf erneut heraus und hieben jetzt auf die Angehörigen ein: Einer der Täter hatte inzwischen einen Baseballschläger mit sich und schlug damit einem 46-jährigen Helfer so fest auf den Kopf, dass dieser mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Drei weitere Helfer wurden leicht verletzt.

Hatte die Angreifer-Gruppe zunächst aus zehn bis zwölf Personen bestanden, waren beim Eintreffen der Beamten nur noch fünf bis sieben Männer anwesend, berichtet der Sprecher der Polizeidirektion Neuruppin. Die Opfer konnten zwei tatverdächtige Personen namentlich benennen, worauf die Polizei kurzfristig einen alkoholisierten 25-Jährigen festnehmen konnte und weitere Fahndungsmaßnahmen einleitete. Zeitnah wurden ein weiterer 26-jähriger und ein 36-jähriger Beschuldigter ermittelt, die Wohnungen durchsucht, der Baseballschläger sowie die Kleidung der mutmaßlichen Täter beschlagnahmt. Insgesamt schätzt die Polizei ein, dass im wesentlichen fünf bis sechs Personen aus der Gruppe gehandelt hatten.

Die Beschuldigten sind der Polizei bereits einschlägig bekannt, sagte der Polizeisprecher auf Nachfrage der MAZ. Er bestätigte Angaben eines Lesers der MAZ, der gegenüber der Zeitung sagte, dass die Angreifer dem rechtsextremen Milieu entstammten – sie seien einschlägig vorbestraft. Allerdings hätte die Tat keinen staaatsschutzrechtlichen – also politischen – Hintergrund: „Das war ein Ausbruch von Gewalt gegenüber völlig Unbeteiligten.“

Hatte die Polizei zunächst Tatverdächtige in Gewahrsam genommen, wurden sie nach Erkennungsdienst und Ausnüchterung wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Polizeisprecher begründet: „Die Ermittlungen dauern noch an, derzeit kann der Tathergang noch nicht in allen Einzelheiten rekonstruiert werden.“

Die Ermittlungen übernahm die Kripo der Direktion Nord im Auftrag der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Eine weitere Straftat wurde in dem Zusammenhang bekannt: Offenbar hatten Personen aus der gleichen Gruppe die Tür einer Wohnung am Marktplatz aufgetreten und mit einem Feuerlöscher verwüstet. (Von Claudia Bihler)

Kommentar vom 30.10.2012

Claudia Bihler zu den Angriffen auf unbeteiligte Pritzwalker Passanten

Sicherheitskonzept nötig

Nichts ahnende Passanten laufen nachts durch Pritzwalks Innenstadt und sind ihres Lebens nicht mehr sicher. Vermutlich die selben Täter verwüsten mitten in der Stadt eine Wohnung: Allein die Beispiele reichen, um zu zeigen, wie sicher sich ein bestimmter Personenkreis fühlt, Angst und Schrecken unter den Bürgern verbreitet – und wie sehr eine winzige Gruppe eine ganze Stadt terrorisieren kann. Auch am Tage müssen Passanten in der Innenstadt teilweise durch Spaliere von Betrunkenen und Hunden laufen. An diversen Stellen ist die Straßenbeleuchtung ausgefallen – vielfach kritisiert von Bürgern, die Angst um ihre Kinder haben, wenn diese vom Hausaufgabenmachen beim Schulfreund in der dunklen Jahreszeit alleine nach Hause gehen wollen.

Szenen aus einer aufgegebenen Stadt? Wittstock hat mit der Hilfe seiner Bürger dem Terror einigermaßen erfolgreich die Stirn gezeigt – das wäre auch für Pritzwalk nötig.

Ohne Hilfe von Polizei und Ordnungsamt ist eine solche Situation kaum noch zu befrieden, das zeigt das Wochenende. Dass die mutmaßlichen Täter wieder frei sind, dürfte nicht nur die Opfer ängstigen. Die traurige Bilanz: Pritzwalk, einst die sicherste Stadt in der Prignitz, braucht inzwischen ein echtes Sicherheitskonzept.

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