Kreistag

Prignitzer ärgern sich über einen Alleingang des OPR-Landrates in Sachen Eisenbahn

aus der Märkische Allgemeine Zeitung vom 24.10.2012

PRITZWALK – „Den Brief hätte er auch ruhig eine Woche später schreiben können“, ärgert sich Katrin Lange, Amtsdirektorin von Meyenburg, „die paar Tage hätten jetzt auch nichts mehr ausgemacht.“ Gemeint ist ein Brief, den Ralf Reinhardt, Landrat von Ost-prignitz-Ruppin, Anfang Oktober an Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger geschrieben hat. Und Hans Lange, Landrat der Prig-nitz, ist „irritiert“, schließlich hatten die beiden Landkreise bisher gemeinsam für den Erhalt der Bahnstrecke zwischen Meyenburg und Neustadt/Dosse gekämpft. „Meyenburg kam da aber in letzter Zeit schon immer weniger vor“, kritisiert Lange.

Der Stein des Anstoßes: In seinem Brief formuliert Ralf Reinhardt Möglichkeiten zu einem öffentlichen Personennahverkehr in der Region – mit einer Rumpfbahnstrecke zwischen Kyritz und Neustadt und einer „landesbedeutsamen Buslinie“ zwischen Pritzwalk und Neustadt.

„Der Fortbestand eines durchgebundenen Zugverkehrs bis Pritzwalk-Meyenburg sollte als optionale Position im Zuge des Vergabeverfahrens für die Verkehrsgutachtenerstellung berücksichtigt werden, um den berechtigten Interessen der Region Ostprignitz nach einer Schienenpersonennahverkehrsanbindung Rechnung zu tragen“, heißt es in dem Brief. Tatsächlich verfolgen alle Akteure in der Prig-nitz bereits seit Jahren ein integriertes Konzept für die Strecken von Meyenburg bis Neustadt und wurden von Reinhardts Vorpreschen überrascht: „Man muss doch nicht gleich alles akzeptieren, was die Landesregierung will“, hieß es hinter vorgehaltener Hand, denn die will den Bahnverkehr auf den Strecken zum Jahreswechsel 2014/2015 einstellen. Verwundert sind die Prignitzer vor allem darüber, dass das Unternehmen RegioInfra (Riag) gerade erst das Ostprignitzer Gewerbegebiet Temnitz an die Trasse Pritzwalk-Neustadt angeschlossen hat.

Verschnupft zeigt sich deswegen nun auch Thomas Becken von der Riag-Mutter Enon: „Das gibt bereits einen Ausblick darauf, wer in einem künftigen Großkreis das Sagen haben wird. Aber wir werden weiter kämpfen.“ Unter anderem auch dafür, dass die Strecke neben dem Personenverkehr auch für den Güterverkehr aus dem Gewerbegebeit Falkenhagen und in Richtung Hafen Wittenberge offen bleibt.

Gegenüber der MAZ begründet Reinhardt sein Vorspreschen damit, sich den Realitäten stellen zu müssen: „Wir müssen einfach jetzt schon am ÖPNV-Konzept für 2015 arbeiten, ich kann mich nicht stur stellen, und die Realitäten ignorieren.“ Seinen Brief will er nicht als Affront gegen die Bahnstrecke in der Prignitz verstanden wissen, mit seinem Vorschlag erhoffe er sich, dass durch die kleine Pendelverkehrsstrecke die eisenbahn auch künftig für Entwicklungen offen bleibt: „Schließlich würde das Land ja am liebsten die Strecken komplett stilllegen, so gibt es wenigstens noch eine kleine Chance, dass überhaupt etwas erhalten bleibt.“ Er räumt ein: „Das ist durchaus ein diplomatischer Spagat.“ Der jedoch offenbar nicht auf leisen diplomatischen Sohlen stattfand, sollen sich doch die Landräte der beiden Kreise in einer Logistikrunde einen offenen Schlagabtausch geliefert haben. Die Prignitzer ärgern sich zudem darüber, dass Reinhardt ein Gutachten vom VBB erarbeiten lassen will. Für ein Gutachten des Verkehrsverbundes will Reinhard einen Zuschuss von 10 000 Euro zur Verfügung stellen. Ein anderes würde vom Land ohnehin nicht anerkannt, kontert Reinhardt. Dagegen heißt es in der Prignitz: „Dass da nur drin steht, was die Landesregierung will, kann man sich ja denken.“

Dennoch wollen alle Beteiligten offenbar zurück zur Diplomatie kommen – und gemeinsam um ein Gespräch bei der Landesregierung nachsuchen. Dort soll das inzwischen fortgeschrittene Konzept für die Strecken von Meyenburg bis Neustadt vorgelegt werden. Reinhardt: „Und ich bin ja nach wie vor für die Eisenbahn.“ (Von Claudia Bihler)

2 replies »

    • Das sieht leider so aus. Herr Reinhardt hat ja im eigenen Landkreis schon eine Menge Gegenwind (Stichwort Ruppiner Kliniken etc.), da versucht er es mit einem „Ausfallschritt“ und verläßt die gemeinsamen Positionen in der Region in vorauseilendem Gehorsam. Der neue, größere Landkreis wird kommen und das läßt wirklich nichts Gutes ahnen.

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