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AB IN DIE MITTE! – Initiative zur Belebung der Pritzwalker Innenstadt vorgeschlagen

Ist sowieso zu spät!“. Diese Meinung begegnet einem immer wieder, wenn es um die Pritzwalker Innenstadt geht. Sich damit abzufinden erscheint allerdings nicht der richtige Weg zu sein.

Fest steht: Ein Besuch in der Marktstraße bietet, insbesondere in ihrem östlichen Teil, zu keiner Zeit die Aufenthaltsqualität, die irgend jemanden anzieht.

Die Stadtverordneten Andreas Specht, Hartmut Winkelmann, Andreas Schmolke, Helga Ziemer und Manfred Specht legten jetzt unter dem Titel „AB IN DIE MITTE!“ eine Idee vor, die Abhilfe schaffen könnte.

Die Idee

Wunder und Errettung von außen sind nicht zu erwarten, aber aus den vorhandenen eigenen Potenzialen der Region lässt sich etwas machen –  Willen und gemeinsames Engagement vorausgesetzt.

Mit der halbwegs funktionierenden westlichen Marktstrasse inkl. Marktplatz bis zum Rathaus einerseits und der sich neuerdings abzeichnenden Revitalisierung des Geländes rings um die alte Jugendmode in der Bergstraße andererseits gäbe es zwei agile Teile der Innenstadt. Verbunden sind sie durch eine „tote Zone“, in der der Gewerbeleerstand ein großes Problem darstellt. Wenn ad hoc keine Festmieter zu finden sind, sollte eine Zwischennutzung gesucht werden. Dies wäre im Interesse der Stadt und auch der Vermieter. Für die Immobilieneigentümer bringt jede vernünftige Nutzung Einnahmen, schützt vor Vandalismus und hebt den Wert der Objekte.

Die Umsetzung

Solch ein Projekt realisiert sich nicht von selbst. Es braucht eine treibende Kraft. Hier ist ein Projektmanagement in Form eines City-Managers notwendig. Die Stadtverwaltung müsste den Kontakt zu den Immobilienbesitzern herstellen (vornehmlich Privatpersonen) und ihre Bereitschaft zur Mitwirkung im Projekt „AB IN DIE MITTE!“ erfragen. Das City-Management hätte die Aufgabe Zwischennutzungen zu suchen, Partner zu finden, den Kontakt  zu dem Hausbesitzern zu vermitteln sowie ein wirksames, auf moderne Mittel vertrauendes Projektmarketing zu betrieben. Dazu gehören ebenso neue Veranstaltungen und Aktionen in der Innenstadt.

Das Projektmanagement braucht Unabhängigkeit. Deshalb wäre es unvorteilhaft es innerhalb der Stadtverwaltung anzusiedeln. Die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landkreises ist ebenfalls keine Lösung. Hier sagen alle Erfahrungen: Null Ergebnisse für Pritzwalk.

Bürgerbeteiligung

Wir könnten eher auf Bürgerbeteiligung und das Interesse von größeren Betrieben der Region setzen. Pritzwalk hat engagierte und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Sie müssen nur ernst genommen und wirklich einbezogen werden. Erste Reaktionen auf die Initiative sind sehr positiv.

Von ihnen könnten zahllose Ideen, Eigeninitiativen und persönliche Beteiligungen kommen. Die Kooperation mit bestehenden guten Projekten, wie dem Stadtmagazin „Pritzwalkerleben“ oder den Initiatoren des Moonlight Shoppings u.a. wäre wünschenswert.

Wir schlagen die Gründung einer Initiative „WIR FÜR PRITZWALK“ vor. Sie könnte Kooperationsbörse, Ideengeber, auch Träger von Zwischennutzungsvorhaben oder später eine Art von Bürgerverein werden. In einer Aktion „Mit 50 Euro die Innenstadt retten“ können dabei Mitwirkende mit einem einmaligen Beitrag „Anteile“ erwerben. Mit dem Geld würden Zwischennutzungsideen, Innenstadtveranstaltungen und Werbeideen unterstützt. Vor allem aber könnte so die aktive Verbundenheit mit der Heimatstadt gefördert werden.

Finanzierung

An einer Beteiligung wären größere Betriebe der Region interessiert. Besser könnten sie ihr Image nicht verbessern. Einmalige Beiträge zum City-Management oder einzelnen Vorhaben sind möglich.

Aus dem Stadthaushalt sollten im Wege eines Nachtragshaushaltes 15.000 Euro aus zu erwartenden Einnahmen aus Grundstücksverkäufen oder der Reserve bereitgestellt werden.

Zwischennutzung

Die Zwischenlösungen würden für 6 oder 12 Monate bestehen. Die Ladenbesitzer erhielten in dieser Zeit eine kleinere, unter dem Marktwert liegende Miete. Nebenkosten würden vom Nutzer voll gezahlt. Ziel ist die anschließende Festvermietung zu realistischen Marktbedingungen.

Ideen für eine Zwischennutzung könnten z.B. sein (im Sinne erster Vorschläge):

„Regionalkaufhaus“:

Es gibt eine Vielzahl von Kleinerzeugern und mittelgroßen Betrieben in der Region. In einem gemeinsamen Laden als zusätzlicher Verkaufsmöglichkeit könnten sie ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten (gemeinsam, Shop-in-Shop-System oder Mietregal-System). Produkte (z.B.): Heidelbeererzeugnisse, Marmeladen und andere Brotaufstriche, Honig, Seifen, Filz– und Wollprodukte, Holzspielzeug, individuelle Möbel, Korb– und Flechtwaren, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Säfte, Knieperkohl, haltbare Fleischerzeugnisse, Schmuck etc.

Aktivieren wir regionale Wirtschaftskreisläufe!

„Lebendiges“ Kleinhandwerk:

kombinierte Werkstätten und Verkaufsräume, in denen die Kunden bei der Herstellung von Produkten zusehen können, z.B. Holzbearbeitung.

Second-Hand-Laden und Tauschbörse

vielleicht in Kooperation mit dem Pritzwalker Flohmarkt auf Facebook u.a.

Kulturkneipe

Nicht noch ein Speiserestaurant! In einer der drei leerstehenden Gastronomieeinrichtungen. Ideenreiche Mittagsversorgung. Abendliche Kneipe mit Anspruch. Regelmäßige kleine Musik-, Theater-, Kultur, Programmkinoveranstaltungen. Vielleicht kleine Hausbrauerei.

Altstadtgalerie:

mit wechselnden Ausstellungen regionaler Künstler, Malerei, Fotografie, bildende Kunst, mögliche Verbindung zu Schulprojekten (nur Schaufenster oder kompletter Laden).

Kinderspielplatz auf dem „Brandgrundstück“:

evtl. konzipiert als Abenteuer-/Bauspielplatz. Hier können Eltern ihre Kinder beschäftigen, während sie einkaufen, Kaffee trinken. Aufenthaltsqualität ist die Devise!

Vereinsraum:

nutzbar durch verschiedene Vereinen nacheinander/miteinander (Ausstellungen, Versammlungen, Mitgliederwerbung etc.), z.B. längere Aquarienausstellung in Verantwortung entsprechender Vereine in Anlehnung an erfolgreiches Projekt 2008.

Präsentation von Erzeugnissen und Arbeitsgebieten von Behindertenwerkstätten, Vereinen usw.:

in Schaufenstern, wie schon jetzt durch den Weidencamp e.V. in der Meyenburger Str.

Infozentrum Erneuerbare Energien:

Für private und betriebliche Nutzung. Pritzwalks Image ist damit öffentlichkeitswirksam und modern zu verbessern.

Soweit in Kurzform der Vorschlag für ein Projekt „AB IN DIE MITTE!“. Wir fordern alle Bürgerinnen und Bürger, die Stadtverordneten, alle Interessierten auf mit zu diskutieren. Dies ist keine parteipolitische Aktivität. Es geht um unser Pritzwalk!

Post über das Bürgerbüro Meyenburger Strasse 16..

Email: wirfuerpritzwalk@gmx.de.

Bürgerblog: pritzwalk.wordpress.com.

Postkarten zum Mitmachen finden Sie bald im Briefkasten oder an öffentlichen Stellen.

6 replies »

  1. Nachdem unsere Idee heute groß in der MAZ vorgestellt wurde und jetzt auch die Verteilung unserer „Stadtzeitung“ gestartet ist, gab es heute schon eine Menge guter Gespräche mit Gewerbetreibenden. Die begrüßen unseren Vorschlag alle und finden ihn diskussionswürdig. Klasse!

  2. 10. Oktober 2012 um 1:19 nachmittags (bearbeiten)

    Betrifft: Kostenlose bzw. billige Zwischennutzung von Gewerberäumen, die Gewerbemieten liegen in Pritzwalk jetzt schon zwischen 3 und 5 Euro/qm, also im Spektrum völliger unrentabilität !
    Die meisten Hauseigentümer können Ihre Objekte nur durch Eigenerwirtschaftung von Geldmitten erhalten! ( Im Gegensatz zu Bauprojekten der Stadt wo Rentabilitätsgesichtspunkte durch hohe Födermittelzuweisungen keine Rolle spielen). Die jetzt schon geringe Investitionstätigkeit durch Nullmietpreise zu unterlaufen, ist ökonomisch völlig absurd. Ein ernst zu nehmender Unternehmer der sowas hört, würde nie nach Pritzwalk kommen. Er würde wissen das sein geschäftlicher Erfolg nicht davon abhängt ob der Mietpreis 3 Euro oder 5 Euro kostet, er würde schlußfolgern das hier die wirtschaftliche Struktur nicht stimmt. Scheingewerbliche Flächennutzungen ( ohne Gewinn ) sollten in Pritzwalk besser nicht mehr generiert werden, das wäre das Ende der Investitionstätigkeit und der Innenstadt. Die Verteilung von Almosen sollte man dem Sozialamt überlassen!
    Das Stadtmagazin – Pritzwalkerleben propagiert als Initiative, achtet z.B. mit 900,- Euro pro Seite ja auch auf Wirtschaftlichkeit.
    Mit freundlichen Grüßen U. Bussert
    Gewerbetreibender

    • Herr Bussert, da haben Sie aber vieles vollkommen verkehrt eingeordnet. Es geht in keinem Fall um „Nullmieten“, erst recht nicht um Ladensgeschäfte, für die normale Mieter bereitstehen. Es geht um die Leerstände in Größenordnungen, für die seit langem und leider wohl auch in absehbarer Zukunft keine Mietinteressenten zur Verfügung stehen. Hier (und nur hier!) sollen Zwischenlösungen gefunden werden, die möglichst schnell zu marktüblichen Festmietern werden. Ladenmietpreise von 3-5 Euro/qm sind leider auch nicht das normale. Es geht eher um Forderungen von bis zu 11 Euro/qm. Die Bemerkung zu Almosenverteilung und Sozialamt ist einfach nur geschmacklos und kommentiert sich selbst.

  3. Herr Winkelmann, Sie scheinen hier einiges falsch einzuordnen! Vor den Utopien und Phantasien,
    machen Sie doch erst mal Vorschläge zur Änderung der real bekannten negativen Standortrahmenbedingungen für die Innenstadt, damit die noch vorhandenen Gewerbebetriebe
    stabilisiert werden! Neue Abmeldungen zum Jahresende sind wieder im Gespräch.
    Ob sich mit Vereinsräumen, Galerien oder den genannten Zwischenlösungen Gewinne generieren lassen ist zu bezweifeln, wären aber in einem gesunden Wirtschaftsraum als Zusatz denkbar.
    Ich hoffe, das Sie mit meiner kritischen Sichtweise nicht wieder Probleme haben!

    • Habe kein Problem mit Ihren kritischen Anmerkungen. Wenn meine Antwort etwas aggressiv rübergekommen ist, tuts mir leid. Zum Thema: Natürlich geht`s erstmal um die Stabilisierung bestehenden Gewerbes. Punkt. Überall wo keine andere Nutzung absehbar ist, sollten Zwischenlösungen gefunden werden. Dabei haben sich selbst wirtschaftlich tragende Läden Vorrang. Und erst dann kann man über Schauräume, Galerien etc. sprechen. Die genannten Nutzungsvarianten sollten auch nur allererste Ansätze sein. Inzwischen haben sich einige wirtschaftliche (nicht nur auf Fördermittel angewiesene) Akteure mit ganz konkreten und interessanten Vorschlägen gemeldet. Sobald einige weitere Voraussetzungen geklärt sind, werden diese auch an die Öffentlichkeit gehen.

      Um es nochmal klar zu sagen: Es sollen keine Konkurrenzangebote zu bestehenden Innenstadtangeboten angesiedelt werden. Neue Läden müssen sich über kurz oder lang selbst tragen. Alles andere wäre eine kurzfristige Augenauswischerei. Ich denke in dieser
      Betrachtungsweise liegen wir garnicht so weit auseinander.

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